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»Sie werden enttäuscht nach Hause gehen, weil Kommissar Marthaler im neuen Roman nicht vorkommt«, sagt Matthias Altenburg (Jan Seghers) bei der Begrüßung der Gäste.

Spannende Ermittlungen in Berlin

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Bereits sechsmal ermittelte Kommissar Marthaler in den äußerst erfolgreichen Kriminalromanen von Matthias Altenburg. Der Frankfurter Journalist und Autor schrieb die vom ZDF zum Teil verfilmten Romane unter dem Pseudonym Jan Seghers.

Nahezu alle Krimis stellte Altenburg in der Reihe »Friedberg lässt lesen« vor und entwickelte sich zu einer Art Liebling der heimischen Leserschaft. Am Freitagabend war er mit seinem siebten Kriminalroman »Der Solist« ins voll besetzte Theater Altes Hallenbad« gekommen. Doch dieses Buch ist anders als seine Vorgänger. »Sie werden enttäuscht nach Hause gehen, weil Marthaler darin nicht vorkommt«, begrüßte Altenburg die Zuhörer.

Statt dem bekannten Kommissar, der in Frankfurt und Umgebung ermittelt, steht nun der Frankfurter Ermittler Neuhaus im Mittelpunkt. Dieser untersteht direkt dem Präsidenten des Bundeskriminalamts und wird zur neu gegründeten »Sondereinheit Terrorabwehr (Seta)« nach Berlin beordert.

Dort ermittelt die Gruppe in einer Baracke auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof in einer Mordserie, die die Hauptstadt im Herbst 2017 kurz vor der Bundestagswahl und ein Jahr nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz erschüttert.

»Ich brauchte eine neue Figur, die nicht so hessisch ermittelt«, erklärt Seghers, der - wie schon bei seinen anderen Romanen - für seine Lesungen ein besonderes »Lesemanuskript« geschaffen hat, um so Brüche zu vermeiden. 45 Minuten liest Seghers am Stück und fesselt die Besucher mit vielen kleinen Details und Auszügen aus dem Roman, die viele spannende Fragen aufwerfen.

Dazu gehört die Beziehung von Neuhaus zu seiner Mutter, die im Gefängnis saß, als er zur Welt kam. Die Frage, ob er denn eine Schwester habe, beantwortet die Mutter bei der Verabschiedung ihres Sohnes unmittelbar vor der Berlinfahrt nicht. Die Fahrt endet, dank einer Sperrung der A5 nach einem Unfall, zunächst in der Wetterau.

Zwischenstopp in der Wetterau

Im Imbiss »Onkel Tom’s Hütte« trifft er auf die farbige Wirtin Miriam, die sich rassistischer Angriffe erwehren muss. »In der Wetterau werden Neger noch Neger genannt« sagt sie und es bleibt erneut offen, ob und wie diese besondere Begegnung im Verlauf der Geschichte eine Rolle spielt. Dass Neuhaus tatsächlich ein Einzelgänger ist, wird nach seiner Ankunft in Berlin deutlich.

Mit den neuen Kollegen kommt er nicht sonderlich gut zurecht - mit einer Ausnahme. Die Polizistin Suna-Marie, Tochter einer deutsch-türkischen Familie, fasziniert Neuhaus,. Es entsteht so etwas wie eine Freundschaft. Da wird bei den Ermittlungen auch schon mal über Sex gesprochen.

Kaum in Berlin angekommen, ermittelt die Seta in einem Mord an einem jüdischen Aktivisten, es folgen weitere Morde und es taucht ein Bekennerschreiben des Kommandos »Anis Amri« auf, benannt nach dem Breitscheidplatz-Attentäter.

Mit der Explosion einer Autobombe, die Neuhaus hautnah erlebt, endet die spannende Lesung, die Platz für viele Fragen ließ. »Wenn Sie keine Fragen stellen, rufe ich Sie einzeln auf«, hatte Altenburg zu Beginn des Abends gedroht.

Dem war nicht so, es wurde viel gefragt und diskutiert. Dass er seinen neuen Fall nach Berlin verlegte, begründete Altenburg so: »Ich wurde immer wieder mal angesprochen, ob ich eine Geschichte schreiben könnte, die in Berlin spielt.«So näherte er sich der Bundeshauptstadt, in die er mehrmals hinfuhr und sich im Besondern die Stadtteile Neukölln und Kreuzberg, die in seinem Roman in Mittelpunkt stehen, »erlief.« Schnell habe er gespürt, dass er hier genügend Stoff für eine Geschichte habe.

Das Breitscheid-Attentat als Grundlage seiner Story lag nah, denn »die Frage nach der politischen Dimension bleibt offen.« Noch nie seien so viele Fehler gemacht worden, wie vor und nach dem Attentat. Altenburg: »Ich brauche immer einen realen Bezug, um eine Geschichte zu schreiben.«

Den wird es auch bei seinem nächsten Krimi geben. Dann wird auch Kommissar Marthaler wieder dabei sein. Soviel verriet der Schriftsteller noch: Es wird eine Achse zwischen Frankfurt und Berlin geben.« Bei Jan Seghers und seinen Romanen bleibt es also spannend. Die Krimi-Fans dürfen sich freuen.

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