Vom Hof des "Sonnenkönigs"

  • vonGerhard Kollmer
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Ludwig XIV., mächtigster Herrscher seiner Zeit und passionierter Tänzer, war ein großer Freund des Theaters und der Musik. An seinem Hof zu Versailles wirkten zahlreiche Musiker – unter ihnen als einer der bedeutendsten der vor 350 Jahren in Paris geborene und 1733 ebendort gestorbene François Couperin, Organist und Komponist aus einer bedeutenden Musikerdynastie. Der 1693 zum Hofkomponisten für sakrale Musik ernannte Couperin schuf u. a. über 240 Werke für Cembalo, die er in 27 Suiten zusammenfasste.

Ludwig XIV., mächtigster Herrscher seiner Zeit und passionierter Tänzer, war ein großer Freund des Theaters und der Musik. An seinem Hof zu Versailles wirkten zahlreiche Musiker – unter ihnen als einer der bedeutendsten der vor 350 Jahren in Paris geborene und 1733 ebendort gestorbene François Couperin, Organist und Komponist aus einer bedeutenden Musikerdynastie. Der 1693 zum Hofkomponisten für sakrale Musik ernannte Couperin schuf u. a. über 240 Werke für Cembalo, die er in 27 Suiten zusammenfasste.

Eine dieser "Pièces de Clavecin" trägt den poetischen Titel "Le Rossignol" (die Nachtigall) und wurde im Rahmen der Friedberger Sommerkonzerte vom Frankfurter Trio "La Tirata" in einer Bearbeitung für Laute und Traversflöte zum Vortrag gebracht. Die drei Musiker – Daja Hinrichs an der Traversflöte, Renate Mundi/Viola da Gamba und Yoshio Takayanagi an Laute und Barockgitarre – sind bestens vertraut mit französischer Barockmusik und hatten ihr Programm "Un soir à Versailles" betitelt.

Bereits vor der Pause erklang ein weiteres Werk Couperins – sein achtes Konzert im theatralischen Stil. Es handelt sich dabei um eine siebenteilige beschwingte Bühnenmusik, in der die liedhafte Gattung des "Air" den Ton angibt. Besonders die "Sarabande", ein langsam-eleganter höfischer Tanz, und das darauf folgende leidenschaftlich-bewegte "Air de Baccantes" ließen dieses Werk in der meisterhaften Interpretation der drei Musiker zu einem Höhepunkt des zweistündigen Abends werden. Begonnen hatte die Soirée mit der sechsteiligen Dritten Suite für Traversflöte und basso continuo von Jacques-Martin Hotteterre (1674 – 1763). Dieser Tonsetzer trug durch seine Werke wesentlich zur Erweiterung des Repertoires für Traversflöte bei. Es war eine Freude, sich vom weichen, noblen Klang dieses Instruments verzaubern zu lassen – gespielt von Daja Hinrichs, einer Meisterin des filigranen, anspruchsvollen Klangkörpers. Renate Mundi an der siebensaitigen Viola da Gamba – einer Vorläuferin des heutigen Violoncellos – sorgte nicht nur für die musikalische Grundierung, sondern ihr gelang es auch scheinbar mühelos, die höchst unterschiedlichen Instrumente zu einer festgefügten Einheit zu verbinden. In dem funkelnden Juwel "Die Träumerin" des bedeutenden Barockkomponisten Marin Marais – geschrieben in der anspruchsvollen Tonart f-Moll – entlockte sie ihrem Instrument wunderbare sonore Klänge. Der Hörer fühlte sich nicht nur in diesen Momenten an den Versailler Hof versetzt, wo im milden Licht der Abendsonne im kleinen, feinen Kreis musiziert (und anschließend getafelt) wurde. Marin Marais war auch mit einem "tombeau" – einem musikalischen "Grabmal" – für seinen Lehrer Sainte-Colombe vertreten.

Wunderbare Klänge

Ein weiteres Highlight war die von Yoshio Takayanagi an der Barockgitarre virtuos vorgetragene "Caprice de Chaconne" des 1615 geborenen italienischen Tonsetzers Francesco Corbetta. Dieses geradezu modern anmutende Stück beeindruckt vor allem durch seinen sinnlichen, zuweilen fast entfesselten Klang.

Das erfolgreich auf den Spuren der höfischen Barockmusik wandelnde Trio "La Tirata" wurde nach einer dreisätzigen Sonate in a-Moll des 1689 geborenen Joseph de Boismortier mit lang anhaltendem Applaus in den lauen Sommerabend der ehemaligen Reichsstadt Friedberg entlassen.

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