1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Friedberg

Soll die Stelle ehrenamtlich oder besoldet ausgefüllt werden?

Erstellt:

Von: Jürgen Wagner

Kommentare

jw_barrierefrei_061022_4c_1
Der öffentliche Nahverkehr ist ein Thema, mit dem sich Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung beschäftigen. In Friedberg wird der Posten neu besetzt. Ob haupt- oder nebenamtlich, wird noch geklärt. © Imago Sportfotodienst GmbH

Friedberg sucht einen oder eine Beauftragte/n für die Belange von Menschen mit Behinderung. Noch ungeklärt ist, ob der Posten haupt- oder ehrenamtlich ausgefüllt wird.

Wer kümmert sich in Friedberg um die Belange von Menschen mit Handicaps? Wenn es Probleme beim Einstieg in den Bus gibt oder mit einem amtlichen Formular? Helmut Diehl, Vorsitzender des örtlichen VdK, weiß es. Die Vorstandsmitglieder des Sozialverbandes, der in Friedberg 900 Mitglieder zählt, erhalten viele Anfragen, können längst nicht allen Problemen nachgehen. Nach dem Behindertengleichstellungsgesetz benötigt jede Kommune eine Person, die sich um diese Probleme kümmert und die offiziell von der Stadt oder Gemeinde berufen wird.

Die Grünen fordern eine hauptamtliche Stelle. »Wir wollen den Antrag ändern, fordern eine 15-Stunden-Stelle«, sagte Michaela Schremmer am Dienstagabend im Sozialausschuss. Diehl hatte zuvor die Aufgaben des Postens umrissen. Neben persönlichen Belangen der Menschen gibt es auch eine Reihe von verwaltungsinternen Aufgaben. Baut die Stadt etwa eine Bushaltestelle um und beantragt dafür beim Land Fördermittel, muss der oder die Beauftragte den Antrag begutachten und bewerten; die technischen Details erarbeitet aber die Verwaltung.

Aktuell hat Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) diese Aufgabe interimistisch übernommen. »Ich musste mich da einarbeiten«, sagte der Bürgermeister. Davor wurde der Posten von der Rathaus-internen Behindertenbeauftragten miterledigt; das ist gesetzlich nicht mehr möglich. Deshalb sucht die Stadt seit gut anderthalb Jahren nach einer Frau oder einem Mann, die sich in der Materie auskennen und den Posten übernehmen.

»Es ist offenbar schwierig, jemanden zu finden, der das ehrenamtlich macht«, stellte Schremmer fest und fragte in die Runde, ob man denn noch mehr Zeit verstreichen lassen wolle. Auch Diehl und Antkowiak bekräftigten, dass hier Fachwissen erforderlich sei. Ist das ehrenamtlich (mit einer Aufwandsentschädigung) überhaupt zu schaffen? »Ich wäre dankbar über eine Fachfrau oder einen Fachmann«, sagte Antkowiak. Nur: Was genau soll die Person tun? Welche Aufgaben werden ihr übertragen? Sollte man nicht erst diese Fragen klären, bevor man entscheidet, ob die Stelle ehren- oder hauptamtlich besetzt wird? »Zunächst sollte ein Tätigkeitsprofil erstellt werden«, sagte Timo Haizmann (UWG).

CDU gegen Bänke in der Altstadt

Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) machte den Vorschlag, im nächsten Haushalt zwar eine Stelle vorzusehen, diese aber mit Sperrvermerk zu versehen. Bis zur Haushaltsberatung will die Verwaltung ein Stellenprofil erarbeiten, mit Hinweisen auf die Qualifikation der Bewerber. Der Sozialausschuss diskutierte auch über Sitzgelegenheiten auf dem Fünf-Finger-Platz. Der Vorlage der Stadt (Demontage des Brunnens, Versetzung der Säule, Pflanzung eines Baums und Aufstellung von zwei Bankelementen) wurde mehrheitlich zugestimmt, bei Nein-Stimmen der CDU, die Sitzgelegenheiten in der Altstadt mit Verweis auf den dann entstehenden nächtlichen Lärm ablehnt. Die übrigen Fraktionen sprachen sich für mehr Lebensqualität in der Altstadt aus. Dr. Regina Bechstein-Walther (FDP): »Da leben Menschen in Wohnungen ohne Terasse. Die sind froh, wenn sie nach draußen können.« Nur eines wird es auch in der Alstadt nicht geben: Rückenlehnen. Die laden nämlich zum urbanen Lümmeln ein.

Auch interessant

Kommentare