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Zeigen sich zufrieden mit der Jahresbilanz 2020 der Sparkasse Oberhessen: die Landräte Manfred Görig (o. l.) und Jan Weckler (o. r.) sowie die Vorstandsmitglieder (u. v. l.) Frank Dehnke, Thomas Falk und Roman Kubla.

Solide Zahlen in schwierigen Zeiten

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Wetteraukreis (pm). 2020 wird als Jahr der Extreme in die Geschichte eingehen. »Wir freuen uns, dass wir auch - oder gerade - für dieses besondere Jahr gute und solide Zahlen vorlegen können«, sagte Frank Dehnke, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Oberhessen. Er legte am Freitag mit seinen Vorstandskollegen Thomas Falk und Roman Kubla das Jahresergebnis vor.

Erstmals steht bei der Bilanzsumme eine »fünf« vor dem Komma. Sie stieg laut Vorstand um 12,46 Prozent auf 5,49 Milliarden Euro. Doch der Bilanzgewinn nach Steuern ging um 20 Prozent auf jetzt 8 Millionen Euro zurück. »Das ist immer noch sehr gut, wenn man bedenkt, dass allein der Zinsüberschuss, unsere Haupteinnahmequelle, um 3,6 auf 72,5 Millionen Euro zurückging«, sagte Dehnke.

Deutlich mehr gewerbliche Kredite

Zu Beginn der Pandemie habe die Liquiditätsversorgung und die Sicherstellung des Zahlungsverkehrs im Vordergrund gestanden. Schnell seien aber die Nöte und Sorgen der Menschen zum Hauptthema geworden: Es habe gegolten, individuelle Lösungen zur Sicherung der Liquidität oder Kompensation der Umsatzeinbußen zu finden. Allein mit den gewerblichen Kunden seien über 3000 Beratungsgespräche geführt worden.

»Im gewerblichen Bereich haben wir noch keinen einzigen coronabedingten Kreditausfall bzw. eine Insolvenz verzeichnet«, berichtete Kubla. Insgesamt seien 2020 rund 26,4 Millionen Euro staatlicher Corona-Förderprogramme der KfW und WI-Bank an heimische Unternehmen ausgezahlt worden. Bei 2181 Krediten mit einer Gesamtdarlehenssumme von über 244 Millionen Euro sei die Aussetzung der Zins- und Tilgungszahlungen gewährt worden. »Zusätzlich haben wir ein eigenes Kreditprogramm aufgelegt«, sagte Falk.

Das Neugeschäft bei gewerblichen Krediten sei um 32 Prozent auf 341,7 Millionen Euro gestiegen. Mit 1,656 Milliarden Euro nutzten die Firmen rund 134 Millionen Euro mehr, um ihre Entwicklung zu finanzieren. Einen Boom verzeichnete man bei Krediten zu Erneuerbaren Energien: Sie seien um 560 Prozent gestiegen. Auch die Nachfrage nach Wohneigentum sei ungebrochen.

Einzig Konsumentenkredite seien um rund 25 Prozent rückläufig gewesen. »Das ist auch kein Wunder«, meinte Kubla. Schließlich seien die Verbraucher wegen Corona zurückhaltender bei privaten Anschaffungen. Dafür wird mehr gespart: Die Kundeneinlagen wuchsen nach dem Spitzenwert 2019 nochmals um rund 500 Millionen Euro oder 13 Prozent mehr auf über 4,3 Milliarden Euro an. Allein auf Tagesgeldkonten wurde über 114 Millionen Euro mehr geparkt.

»Eine langfristige Anlage in Wertpapieren würde in der Niedrigzinsphase aber mehr Rendite bringen«, sagte Kubla. 2020 sei trotz beachtlicher »Corona-Delle« kein schlechtes Jahr für Wertpapiersparer gewesen: Der Dax habe um über 3,5 Prozent zulegen können.

Banking von zu Hause aus sei coronabedingt enorm gefragt. Auch der Trend zum bargeldlosen Bezahlen habe sich deutlich gesteigert. Gegenüber 2019 sei 2020 die Nutzung der Geldautomaten hingegen um 18,7 Prozent zurückgegangen - das bedeute 727 405 weniger Barabhebungen. Einen besonderen Schub habe das kontaktlose Bezahlen mit Karte oder Smartphone bekommen: Im Juli 2019 waren es 270 000 kontaktlose Bezahlvorgänge mit der Sparkassen-Card, im Juli 2020 mehr als doppelt so viele.

Auch in der Krise sei sich die Sparkasse Oberhessen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst: Mit über 500 000 Euro seien 963 Projekte gemeinnütziger Vereine und Einrichtungen unterstützt worden. »Für Vereine und Institutionen, die besonders von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind, haben wir ein Sonderförderprogramm aufgelegt«, betonte Dehnke. Dieses solle von 100 000 im Vorjahr auf nun 110 000 Euro ausgebaut werden.

Negativzinsen ab 1. März

Weil die Sparkasse bislang keine Verwahrentgelte genommen habe, sei sie 2020 förmlich mit Geld geflutet worden, konkret: 500 Millionen Euro. »Uns fehlen jedoch Möglichkeiten, diese Gelder sinnvoll zu investieren oder zinsbringend anzulegen«, sagte Dehnke. Daher würden zum 1. März ab einem bestimmten Betrag Negativzinsen eingeführt - derzeit 0,5 Prozent. Pro Person sollen Freibeträge von 100 000 Euro für Sichteinlagen (Girokonto, Tagesgeld) plus 10 000 Euro für Spareinlagen (Sparbuch) gelten. Für juristische Personen (Firmen) sind es 250 000 Euro. Dehnke betonte: 95 Prozent der Kunden werde die Neuerung nicht betreffen.

Als Vertreter der beiden Eigentümer, der Landkreise Wetterau und Vogelsberg, zeigten sich der Vogelsberger Landrat Manfred Görig und der Wetterauer Landrat Jan Weckler zufrieden mit den Zahlen.

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