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Neben dem Kaufhaus Joh soll ein fünfgeschossiges Wohnhaus entstehen. (Foto: nic)

Friedberger Innenstadt

Das sind die neuen Pläne für das ehemalige Kaufhaus Joh

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Das Planungskonzept für das Kaufhaus Joh in Friedberg liegt vor, samt Restaurant unterm Dach. Nebenan in der Schnurgasse soll ein fünfgeschossiges Wohnhaus gebaut werden.

Nicht nur die Markthändler, Kunden und Wahlkämpfer wirbelten am Samstag emsig über den belebten Elvis-Presley-Platz. Wer einen Blick hinter die Schaufenster des größten Hauses am Platz warf, konnte dahinter eine ganze Kolonne Handwerker entdecken. Die Inneneinrichtung wird abgebaut und entsorgt. Vier Jahre, nachdem das Kaufhaus Joh schließen musste und 60 Mitarbeiter arbeitslos wurden, soll das Gebäude wieder mit Leben gefüllt werden.

Der Immobilienentwickler 3V Invest aus Gründwald bei München plant einen Mix aus Gewerbe, Wohnen und Gastronomie. Zunächst steht die Kernsanierung an. Haustechnik und Innenausbauten werden erneuert. Die Außenfassade bleibt bestehen, umgestaltet werden die Schaufenster und der Zugang zum Untergeschoss, wo wieder ein Lebensmittelmarkt öffnen soll. Vom Erdgeschoss bis ins zweite Obergeschoss ist Einzelhandel vorgesehen, denkbar sind auch Arztpraxen oder Sportflächen. Wohnungen in der Schnurgasse Im dritten Obergeschoss und im Dach ist ein Restaurant geplant, dessen Gäste auch auf der Dachterrasse Platz nehmen können. Die Außenbewirtschaftung ist für den hinteren Teil des Daches vorgesehen. Eine umlaufende Glaswand dient als Wind- und Schallschutz, dahinter geht der Blick zur Stadtkirche, deren abendlich beleuchteter Turm einen einzigartigen Ausblick bieten wird. Nach Geschäftsschluss gelangen die Besucher mit einem separaten Aufzug ins Restaurant.

Neu gestaltet und überbaut wird ein Grundstücksstreifen entlang der Schnurgasse. Hier stehen bislang Müllcontainer, die Waren fürs Kaufhaus wurden hier angeliefert. Das soll auch künftig so sein, allerdings wird die neue Anlieferungszone für die Gewerbebetriebe in ein fünfgeschossiges Wohnhaus integriert, das gegenüber vom Café Novum entstehen soll. Im Baukörper soll auch das Trafohäuschen der Ovag "verschwinden". Angestrebt wird ein Mix aus Drei-Zimmer-Wohnungen, Studentenapartments und altersgerechten Wohnungen auf drei Etagen sowie ein Staffelgeschoss mit zwei bis drei Wohnungen – wie das Restaurant mit Dachterrasse und Blick zur Stadtkirche.

"Die kleine städtebauliche Brache wird aufgelöst", heißt es in der Verwaltungsvorlage zu dem Wohnhaus in der Schnurgasse. Ein Altstadtbewohner kritisierte dies am Samstag an den Wahlständen der Bürgermeisterkandidaten. Der Baukörper nehme der Altstadt das Licht, dann gebe es wieder eine dunkle Ecke mehr in dem Viertel. Es bleibt abzuwarten, was die Fraktionen im Stadtparlament dazu sagen. Sie müssen dem Bebauungsplan noch zustimmen. Keine Bepflanzung vorgesehen Das Planungskonzept trägt die Handschrift des Friedberger Architekturbüros Müller & Kölsch; die Architektur passt sich in die umliegende Bebauung ein, setzt aber zeitgemäße Akzente durch klare Strukturen.

Auf eine Umweltprüfung kann laut Stadtverwaltung verzichtet werden, da das gesamte Areal versiegelt ist. Im alten Bebauungsplan waren in der Färbergasse Bäume vorgeschrieben. Die wurden aber nie gepflanzt, weil der Platz dafür fehlte.

Info

Finanzielle Schieflage

Im Mai 2013 stellte das Kaufhaus Joh mit Hauptsitz in Gelnhausen sowie Filialen in Friedberg, Zwickau, Saalfeld und Gotha Insolvenzantrag. Die Zahlungsunfähigkeit drohte. In Friedberg verloren in der Folge 60 Mitarbeiter ihre Arbeitsstelle. Als Grund für die finanzielle Schieflage des über 250 Jahre alten Unternehmens wurden sinkende Umsätze, ein zunehmend aggressiver Wettbewerb und die steigende Konkurrenz von Einkäufen im Internet genannt. Dabei wurde stets betont, dass die Friedberger Filiale (mit 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche) für die Misere keine Verantwortung trägt. Hier stimmte offenbar die Kasse. Dennoch musste das Haus schließen, Friedberg fehlt seither ein Magnetbetrieb in der Innenstadt. Im Dezember 2016 übernahm die 3V Invest aus dem bayerischen Grünwald die Immobilie. Einen Namen hat das neue Kaufhaus-Projekt noch nicht. Da auf dem Reuß-Breitenfelder-Gelände Wohnungen entstehen sollen, wäre "Kaisergalerie" wieder frei. (jw)

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