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Sieben letzten Worte am Kreuz

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Wer ist Augustin Pfleger? Der 1635 in der Nähe Karlsbads zur Welt gekommene und ebendort 1686 Verstorbene zählt zu den vielen zu Unrecht vergessenen Barockkomponisten. Über Leben und Werk ist wenig bekannt. In den Jahren um 1665 wirkt er als Kapellmeister am Hof des Herzogs Christian Albrecht von Holstein-Gottorf. Dort erwirbt er sich so hohes Ansehen, dass auch die Herzöge von Mecklenburg ihm eine Stelle in Güstrow anbieten.

In den Gottorfer Jahren ist Pflegers Passionsmusik über die »Sieben letzten Worte Christi am Kreuz« entstanden. Sie zählt zu den ersten Beispielen dieses Genres in der Nachfolge von Heinrich Schütz.

Stadtkantor Ulrich Seeger stellte dieses Werk in den Mittelpunkt des Karfreitagskonzerts in der Friedberger Stadtkirche. Mitwirkende waren die drei Gambisten Martina Kirchhoff, Renate Mundi und Georg Noeldeke sowie Andrea Seeger und Gudrun Knapp an der Violine. Gesangssolisten waren Matthias Horn als Bass, Ulrich Seeger als Tenor, die Sopranistin Jutta Hahn, Christina Klöppel als Mezzosopran und die Altistin Henriette Walther. Thomas Wilhelm sorgte für die Grundierung am Generalbass.

Bereits der einleitende Dialog zwischen Bass und Sopran zieht den Hörer in seinen Bann. Pflegers Musik zeichnet sich durch hohe Dynamik und starke Kontraste zwischen mystisch-vergeistigten und stürmisch-bewegten Passagen aus. »Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst«: Matthias Horn beeindruckt mit seinem volltönenden Bass. Gleiches gilt für Jutta Hahn als ebenbürtige Partnerin im einleitenden wunderbaren Duett.

Pfarrerin Claudia Ginkel stellte - das musikalische Geschehen flankierend - die letzten Worte Christi ins Zentrum ihrer Meditationen: Von »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun« nach Lukas 23, 34 ff. über »Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein« (Lukas 23, 43 ff.), »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Markus 15, 34 ff.), »Es ist vollbracht!« (Johannes 19, 30 ff.) bis hin zu »Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist« (Lukas 23, 46 ff.) erhellte sie den biblischen Kontext dieser Worte - eine gelungene Hilfe zum Verständnis des spirituellen Gehalts von Pflegers Passionsmusik.

Einer von deren weiteren Höhepunkten ist der Dialog zwischen Sopran und Mezzosopran in der dritten Strophe (»Bös‹ ist der Sünder Schuld, …, doch größer Gottes Huld«). Mit dem gemeinsam angestimmten Schlusschoral »O Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet«, zeigen die vier Solisten in wunderbarer Harmonie nicht nur ihr eigenes Können, sondern auch das hohe Niveau von Pflegers opus magnum.

Dietrich Buxtehudes Vertonung einer Stelle aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja: »Fürwahr, er trug unsre Krankheit« markierte den Beginn des Konzerts in der Stadtkirche.

Der 1697 im Alter von nur 32 Jahren in Husum verstorbene Nicolaus Bruhns hinterließ neben vier Orgelwerken auch zwölf geistliche Kantaten, unter anderem. »Ich liege und schlafe« nach Psalm 4, 9 ff. Sie gibt den Akteuren gute Gelegenheit zur Demonstration ihres perfekten Zusammenspiels.

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