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Parkende Fahrzeuge sind ein möglicher Gefahrenpunkt auf dem Schulweg: Aufgrund ihrer Körpergröße könnten Kinder von vorbeifahrenden Autos übersehen werden. SYMBOLFOTO: DPA

Kurz vor Ende der Ferien

Sicher in die Schule kommen: Wetterauer Verkehrswacht gibt Tipps

  • VonKim Luisa Engel
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Mit dem Schulbeginn stehen die Einschulungen bevor. Allerhand Neues kommt auf die Kinder zu - auch der Schulweg. Die Verkehrswacht Wetterau gibt Tipps, was Kinder und Eltern beachten sollten.

Der erste Tag in der Grundschule ist für Kinder oft schon aufregend genug. Auf einmal heißt es, still sitzen statt spielen. Statt der Lieblings-Erzieherin gibt eine Lehrerin oder ein Lehrer den Ton an. Und dann ist da auch noch der neue Schulweg, der zu Fuß bestritten werden muss. Damit sich die Kinder dabei sicher fühlen, ist es ratsam, dass sie den Weg vorher mit ihren Eltern üben. Doch dabei sollte einiges beachtet werden. Welche Gefahrenquellen auf dem Schulweg lauern können und wie man diesen effektiv trainieren kann, hat der Vorsitzende der Verkehrswacht Wetterau, Philipp Leichner, verraten.

Grundsätzlich bestünden für Kinder dieselben Gefahren im Straßenverkehr wie für andere Fußgänger auch, sagt Leichner. Eine besondere Gefahr ginge jedoch von Ampeln, Zebrastreifen oder Straßenüberquerungen aus - dort sei das Verkehrsaufkommen nämlich höher. Doch vor allem kleine Straßen, bei denen keine Querung vorgesehen ist, seien gefährlich - Kinder liefen oftmals zwischen parkenden Autos entlang. »Aufgrund ihrer Körpergröße werden sie möglicherweise nicht gesehen«, erklärt Leichner.

Einfahrten als Gefahrenpunkte

Nach Informationen des Vereins seien Kinder den Anforderungen des Straßenverkehrs frühestens mit zehn Jahren »vollauf gewachsen«. Bis zu diesem Alter seien ihr Sehvermögen, ihre Fähigkeit zur Ortung von Geräuschen und ihre Motorik noch nicht ausreichend ausgebildet. Die Geschwindigkeit und die Entfernung von sich nähernden Fahrzeugen könnten sie zudem oft noch nicht richtig einschätzen. Deshalb sei es wichtig, mit den Kindern zu üben und sie für mögliche Gefahren zu sensibilisieren.

In der Regel seien trainierte Kinder an Zebrastreifen oder Ampeln aufmerksam, sagt Leichner. Bei kleineren Straßen, wo sie nichts Auffälliges erkennen, könnten sie jedoch unvorsichtig sein. »Ansonsten sind Einfahrten auf Bürgersteigen Gefahrenpunkte, weil sich die Kinder dort sicher fühlen«, sagt Leichner. Auch auf Fahrradfahrer, die auf dem Gehweg unterwegs sind, müssten sie aufpassen.

Für Eltern, die mit dem künftigen Grundschüler den Schulweg üben wollen, gibt es eine goldene Regel. Laut Leichner ist es wichtig, dass die Eltern den sichersten Weg finden - dieser muss nicht immer der kürzeste sein. Ist der Weg gefunden, sollten sich die Eltern die potenziellen Gefahren vorab bewusst machen, um sie später individuell trainieren zu können.

»Elterntaxis« vermeiden

Eine Faustregel, wie oft man den Weg abgehen sollte, bis das Kind sicher ist, gibt es nicht. Für die Ausbildung des Kindes sei es wichtig, Routinen zu entwickeln. Das gelte nicht nur für den Schulweg, sondern auch für die alltägliche Teilnahme am Straßenverkehr. Leichner: »Es sollte vor dem Hinübergehen immer nach rechts und links geschaut werden.«

Der Schulweg sollte in unterschiedlichen Stufen eingeübt werden. Zuerst laufen Eltern den Weg in beide Richtungen mehrmals zusammen mit dem Kind ab. Dann sollte der Grundschüler unter Beobachtung einige Meter vorauslaufen, sodass er das Gefühl hat, es alleine zu machen. In einem dritten Schritt sollte das Kind alleine laufen, erklärt Leichner. Dabei sei auch zu beachten, ob, wann oder wie sich der Verkehr im Laufe des Tages verändere.

Seit Jahren schon ist die Landesverkehrswacht Hessen zusammen mit den Kreisvereinen bemüht, das »Elterntaxi«-Problem an Schulen zu verringern. Zum einen herrsche dadurch mehr Verkehr auf den letzten Metern des Schulwegs anderer Kinder, erklärt Leichner. Zum anderen sei die Infrastruktur der Schulen oft nicht für die vielen parkenden und wendenden Autos ausgelegt - unübersichtliche, potenziell gefährliche Situationen könnten entstehen.

Material für Eltern

Deshalb können Gemeinden und Schulen gemeinsam mit der Verkehrswacht Wetterau Konzepte zur Verbesserung der Infrastruktur, aber auch zur Verlagerung von Abhol- und Bringzonen entwickeln. »Es gibt eine Vielzahl von Projekten, bei denen sich das schon gebessert hat«, berichtet Leichner. Vergangenes Jahr war es aufgrund der Pandemie oft nicht möglich, Schulwegsicherheits-Trainings in Kindergärten anzubieten. Umso wichtiger sei es, dass Eltern mit den Kindern übten, um eventuelle Defizite auszugleichen. Trotz aller angebotenen Möglichkeiten sollten sie den individuellen Schulweg immer noch einmal mit dem Kind besprechen und üben - und sich nicht auf Kindergarten oder Vorschule verlassen.

Die Verkehrswacht Wetterau bietet Eltern von Schulanfängern ein Info-Paket im PDF-Format an. Dieses kann per E-Mail an h.euler@verkehrswacht-wetteraukreis.de angefordert werden. Weitere Informationen zur Sicherheit auf Schulwegen unter: www.verkehrswacht-wetteraukreis.de.

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