Ein Teddybär liegt neben einer Grabkerze.
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Die Zeit heilt nicht alle Wunden: Wenn das eigene Kind stirbt, bleibt das für immer unvergessen. Das Trauma des Verlustes ist für viele Eltern kaum zu überwinden. (Symbolbild)

Sternenkinder

Selbsthilfegruppe in Friedberg: Wenn das eigene Kind stirb

  • vonInge Schneider
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Für Eltern ist es ein unfassbarer Einschnitt: Das eigene Kind stirbt. Eine betroffene Mutter will eine Selbsthilfegruppe in Friedberg gründen.

Friedberg – »Mit den eigenen Eltern stirbt die Vergangenheit - mit dem eigenen Kind aber stirbt die Zukunft.« Das geflügelte Wort gibt nur unzureichend wieder, welches Trauma Mütter und Väter erleiden, wenn sie ihr Kind verlieren.

Wann auch immer dies geschieht, ob bereits während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach, durch den plötzlichen Kindstod, durch eine spätere Krankheit oder einen Unfall: Das Trauma lässt sich kaum verarbeiten, die Zeit heilt bei Weitem nicht alle Wunden, das »Sternenkind« bleibt für immer unvergessen und ein Teil seiner Familie.

Irena Schwarz ist selbst Betroffene, erst vor gut zwei Monaten verlor sie ihren Sohn in der 17. Schwangerschaftswoche und brachte ihn im Rahmen einer sogenannten stillen Geburt zur Welt.

Selbsthilfegruppe in Friedberg will Schweigen über Sternenkinder durchbrechen

Was für andere Eltern ein freudiges Ereignis ist, wurde für sie Willkommen und radikaler Abschied zugleich, ein Moment, an dem Mütter und Väter oft zerbrechen.

Irena Schwarz geht mutig und mit unvorstellbarer Kraft ihren eigenen Weg: Unterstützt von der Selbsthilfekontaktstelle des Wetteraukreises und durch das Jugendamt möchte die junge Mutter, die vor 14 Jahren nach Deutschland kam und seit ihrem 20. Lebensjahr hier lebt, die Wand des Traumas, der Trauer, der Tränen und des Schweigens durchbrechen.

Erst auf Distanz und später in Präsenz will sie eine Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern ins Leben rufen. »Die Selbsthilfegruppe gründe ich, weil ich nach dem Tod meines Sohnes selbst auf der Suche nach einem solchen Kreis war, in meiner Nähe aber keinen finden konnte«, erläutert sie ihre Beweggründe.

Selbsthilfegruppe in Friedberg: Auch die Väter nicht alleine lassen

»Ich erhoffe mir, dass wir durch den Austausch unter Betroffenen besser mit unserem Schicksal umgehen und wieder nach vorne blicken können. Eine fachliche Schulung oder Ausbildung habe ich nicht, aber ich bin betroffen und finde es sehr wichtig, darüber zu sprechen. Ich denke, es tut in allem unvorstellbaren Schmerz gut, zu wissen, dass keine Mutter und kein Vater mit dem Geschehen alleine ist, dass sie sich vielmehr austauschen können mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben und es auch verstehen.«

In der Art der Trauer hat die junge Mutter viele Unterschiede und einige Gemeinsamkeiten ausgemacht. Sehr wichtig ist ihr, dass neben den Müttern auch die Väter in ihrem Schmerz nicht vergessen werden: »Wie Eltern trauern - das ist sehr unterschiedlich und so verschieden, wie die Menschen, die Familien und ihre Geschichten sind und wie das Kind es war. Eines ist allen Eltern, die ich kenne, jedoch gemeinsam: Das Kind bleibt für immer unvergessen in ihren Herzen. Viele holen sich professionelle Hilfe, wenn sie merken, dass sie die Trauer alleine nicht bewältigen können. Und das ist absolut kein Grund, sich zu schämen, ganz im Gegenteil! Die Selbsthilfegruppe kann auf dem Gebiet der gegenseitigen Hilfe ein weiterer Baustein sein, um wieder etwas mehr Licht im Leben zu sehen.«

Die Beisetzung ihres eigenen Sohnes hat Irena Schwarz wie in Trance erlebt, erst nach und nach erfassten sie und ihr Mann ansatzweise, was geschehen war. Ein Prozess, der bis heute nicht vollendet ist und es vielleicht niemals ganz sein wird, wie sie sagt. »Es gibt nichts Schlimmeres, als sein eigenes Kind beerdigen zu müssen. Nach einem solchen Ereignis wird jedem in der Familie aber auch bewusst, was im Leben wirklich wichtig ist.«

Selbsthilfegruppe in Friedberg: Den Eltern zuhören

Die Reaktionen des weiteren Familien- und Freundeskreises, auch der Gesellschaft, sind für verwaiste Eltern nicht immer förderlich und sinnvoll, manchmal sogar schwer zu ertragen - so die Erfahrungen von Irena Schwarz als Betroffene: »Trauernde Mütter und Väter möchten, wie ich glaube, vor allem, dass ihnen jemand zuhört und sie versteht. Dass man ihnen keine Vorwürfe macht. Und dass man sie mit dem folgenden Satz verschont: Du bist noch jung, du kannst ja noch ein Kind bekommen.«

»In unserer Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern ist jeder sehr herzlich willkommen! Es spielt absolut keine Rolle, wie viel Zeit seit dem Verlust des eigenen Kindes vergangen ist und wie lange man schon trauert. Jede einzelne Erfahrung ist wichtig und wertvoll«, sagt Irena Schwarz. Persönliche Treffen sollen auf jeden Fall stattfinden, sobald es die Situation der Pandemie zulässt (Kontakt: schwarz.irena@aol.com).

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