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Seit Kindesbeinen auf dem Markt

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg(har). Nach mehr als 25 Jahren verabschiedete sich Mitte Mai das Hüttenberger Ehepaar Inge und Bernd Glaum vom samstäglichen Wochenmarkt auf dem Friedberger Elvis-Presley-Platz. Eier, Handkäse, Brot und Butter verkauften sie. Viele Stammkunden befürchteten, nun auf den Handkäse verzichten zu müssen. Doch das Ehepaar hat mit Max und Sven Weber zwei Nachfolger aus ihrem Heimatdorf gefunden.

Das Erstaunliche daran: Max, der bei der Stadt offiziell als Standinhaber geführt wird, ist gerade einmal 21 Jahre alt, sein Bruder Sven drei Jahre jünger. "Wir setzen auf Regionalität, aber auch auf gute Qualität", meint Max, der im Hauptberuf als Elektriker arbeitet, während Bruder Sven im nächsten Jahr Abi macht. "Wir waren ja schon als Kinder mit unserer Mutter auf dem Markt in Biebertal", erzählt Sven. Max ergänzt lachend: "Bei mir sind das jetzt 18 Jahre Markterfahrung."

Auch früh aufstehen macht den beiden Jungs nichts aus. Die Brüder stammen aus der in Hüttenberg bekannten Bäckerei Weber, die Mutter Elke zusammen mit Opa Ernst betreibt. Max Weber: "Unser Opa ist 87, er kommt noch immer jede Nacht um zwei Uhr in die Bäckerei und macht den Teig für das Brot."

Dieses Brot verkauften schon die Glaums auf dem Friedberger Wochenmarkt. Inge Glaum hatte sich schon immer gewünscht, dass die beiden Brüder einmal ihre Nachfolge antreten würden.

Das machen die beiden jungen Männer mit viel Enthusiasmus, einem erweiterten Angebot sowie einer Änderung: Den Handkäse beziehen die beiden von der kleinen Käserei Mack, einem von drei Betrieben, die noch den Traditionskäse in der "deutschen Handkäs-Hauptstadt" (Max Weber) herstellen. "Uns schmeckt dieser besser, doch das ist Geschmackssache", sagt Max Weber. Die Mehrheit der Kunden befürworte den "HandkäseWechsel", einige trauern dem bisher angebotenen "Stinkekäse" (ein Stammkunde) nach.

Neu im Angebot ist "Kochkees" von Uwe Volk aus Rodenhausen (Marburger Land). Volk stellt den Käse nach altem Familienrezept her und verkauft ihn ebenfalls auf Wochenmärkten, zusammen mit Hüttenberger Handkäse. Max Weber: "Uwe holt jeden Freitag Handkäse in Hüttenberg und bringt uns Kochkäse."

Aus der Region, bis auf die Marmelade

Dieser hat in den letzten Wochen schon etliche Friedberger überzeugt, ebenso wie die geräucherte Wurst aus der kleinen Hüttenberger Metzgerei Marz, wo noch vor Ort geschlachtet wird. Natürlich bieten die beiden Brüder weiterhin das vom Opa gebackenen Brot an. Neu auf dem Markt sind mehrere Blechkuchen wie Butter-Apfel und Streuselkuchen sowie aktuell Zwetschenkuchen. "In Hüttenberg haben Blechkuchen eine lange Tradition", sagt Sven Weber. Sobald es die Temperaturen zulassen, werden die Brüder auch Bienenstich mitbringen. "Momentan ist es zu warm."

Auch der schon von den Glaums angebotene Honig kommt aus der Region. Doch auch bei den Webers gilt: "Keine Regel ohne Ausnahme." Die angebotenen Marmeladen kommen von einer kleinen Manufaktur im Schwarzwald. "Die haben wir im Urlaub entdeckt, wir haben hier keine bessere Marmelade gefunden", erzählen die Brüder unisono.

Bevor sie am Samstagmorgen ihren Bus beladen, sind die zwei, die vor fünf Uhr aufstehen, schon in Hüttenberg unterwegs und liefern an die Stammkunden die in der Woche zuvor bestellten Brötchen aus. Max Weber: "Das hat bei uns im Dorf samstags eine lange Tradition, und die setzen wir gerne weiter fort." Echte Traditionalisten halt - die beiden jungen Webers.

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