Im Gottesdienst zur Herbstsynode sind (vorne, von links) Pfarrerin Anette Bill, Pfarrer Stefan Frey und Pfarrerin Gabriele Dix für ihre neuen Aufgaben von Pfarrerin Kerstin Tenholte (hinten rechts) gesegnet worden. Mit dabei: (hinten von links) Dekan Volkhard Guth, Klinikseelsorger Mathias Fritsch und Pfarrer für Altenseelsorge Ernst Rohleder. FOTO: ALH
+
Im Gottesdienst zur Herbstsynode sind (vorne, von links) Pfarrerin Anette Bill, Pfarrer Stefan Frey und Pfarrerin Gabriele Dix für ihre neuen Aufgaben von Pfarrerin Kerstin Tenholte (hinten rechts) gesegnet worden. Mit dabei: (hinten von links) Dekan Volkhard Guth, Klinikseelsorger Mathias Fritsch und Pfarrer für Altenseelsorge Ernst Rohleder. FOTO: ALH

Für die Seele sorgen

Wetteraukreis(alh). Das eigentlich Unaushaltbare mit aushalten - das ist ein Anliegen von Pfarrerin Gabriele Dix. Sie ist Palliativseelsorgerin im evangelischen Dekanat Wetterau. Täglich begleitet sie unheilbar kranke Menschen auf der Palliativstation im Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim, besucht im Rahmen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung Wetterau Sterbende und ihre Angehörigen zu Hause. Sie ist da, um Schmerz, Trauer oder Wut mit den Betroffenen auszuhalten. Gemeinsam mit Pfarrerin Anette Bill und Pfarrer Stefan Frey, wurde sie kürzlich im Gottesdienst zur Dekanatssynode für ihren Dienst gesegnet.

"Als Pfarrerin komme ich zunächst als Hörende zu den Patienten", sagt Anette Bill, die im Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim im Einsatz ist. Wie Dix und Frey bietet sie Seelsorge unabhängig von Konfession und Religion an. Die ausgebildete Supervisorin macht häufig Besuche auf den onkologischen Stationen. "Die Diagnose Krebs stellt das Leben der meisten Menschen komplett auf den Kopf", sagt sie.

In den verschiedenen Phasen der Krankheit braucht nicht nur der Körper, sondern auch die Seele besondere Aufmerksamkeit. Einfühlsam versucht Bill in Gesprächen herauszufinden, was den Menschen auf dem Herzen liegt. "Der Glaube kann, muss dabei aber kein Thema sein." Manchmal betet Bill mit Patienten. Einige wünschen sich, von ihr gesegnet zu werden.

"In dem Strudel von körperlichen Schmerzen, aufwühlenden Emotionen und belastenden Gedanken sind viele Patienten überraschend stark", sagt Bill. "Sie wollen oft ihre Angehörigen zunächst noch trösten." Im Gespräch mit der Seelsorgerin haben die Patienten Gelegenheit, ihre Ängste und Gefühle auszudrücken und zu sortieren. "Gemeinsam können wir dann weiter fragen: Wie kann ich mein Leben neu organisieren? Was gibt mir Halt, Kraft und Hoffnung - jetzt, wo mir auch Tod und Sterben als Themen plötzlich so nahe kommen?" Seelsorge - das heißt, sich Zeit für die Seele nehmen. "In unserer schnelllebigen Zeit ist alles darauf ausgelegt, den Geist und den Körper zu optimieren", sagt Bill. "Da gerät die Seele schnell in Vergessenheit."

Bei Pfarrerin Gabriele Dix geht es oft um ethische Fragen: Wie können kleine Andeutungen von Kommunikation bei Sterbenden wahr- und ernst genommen werden? Wie lange wird einem Menschen Essen und Trinken angeboten? Wann darf jemand sterben? Die Pfarrerin ist aber auch da, um Fragen wie "Warum ich?" oder "Wo ist Gott in meinem Leiden?" aufzunehmen und sie in Gottes Hand zu legen. Aber: "Ich zwinge meinen Glauben nicht auf, ich biete ihn lediglich an." Kirchlicher Segen werde sehr gerne angenommen.

Die Begleitung unheilbar kranker Menschen und Sterbender sei herausfordernd, aber der Job erfülle sie. "Ich bekomme viel Dankbarkeit zurück, von denen, die sich auf meine Unterstützung einlassen", sagt Dix. Sie plant Beerdigungen mit Angehörigen und den Sterbenden selbst, leiste Aufklärungsarbeit zum Thema Patientenverfügungen. "Ich tue mit meiner Arbeit jeden Tag etwas Sinnvolles, das gibt mir Kraft." Bei ihren Besuchen schauen die Seelsorger/innen nicht auf die Uhr. Sie nehmen sich so viel Zeit wie nötig. Sie vermitteln bei Bedarf Kontakte zu anderen Anlaufstellen und feiern außerhalb von Corona Gottesdienste im Krankenhaus.

Menschen berühren

"Ich komme nie, um zu missionieren", sagt auch Stefan Frey, der im Bürgerhospital Friedberg nicht nur für Patienten und deren Angehörige da ist, sondern auch alle, die in der Klinik mit den Patienten arbeiten. Er hält schwere Situationen aus, Hände fest, wenn sie es brauchen, entlastet Angehörige. Seit vielen Jahren.

Was ihn besonders berührt: "Mir gegenüber sind die meisten Menschen offen und ehrlich", sagt Frey. "Sie lassen sich berühren." Für ihn ist die Seelsorge eine ureigene Aufgabe der Kirche. Dahinter steht immer die Frage: "Was willst du, dass ich dir tun soll." Mit dem Spruch hat er sich segnen lassen. Die Frage leitet seine Arbeit. "Der Nächste, der unsere Hilfe benötigt, liegt uns oft vor den Füßen. Wir müssen nur die Augen aufmachen."

Die täglichen Erlebnisse können belastend sein. "Manches kann man ablegen, aber nicht alles." Frey sucht sich Ruhepunkte. Meditation etwa, aber auch die Familie und Musik seien ein Ausgleich. "Und ich ermahne mich selbst immer wieder, nicht zu streng mit mir zu sein. Ich muss akzeptieren, wenn mir mal etwas nicht gelingt."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare