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Liebe zum Blues: Glücklich nach dem Live-Auftritt sind (v. l.)Tom Peschel, Ludwig Seuss, Manfred Mildenberger und Christoph Böhm.

Schwingende Südstaaten-Songs

  • VonRedaktion
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Friedberg (bf). Das war knapp. Ludwig Seuss und seine Freunde kamen erst kurz vor Konzertbeginn an. Die Band geriet in den Sommerferien-Rückreiseverkehr - sieben Stunden auf der Autobahn.

Das Publikum wartete zumeist zu zweit vor der Bühne auf die Louisiana-Jazz-Spezialisten. In den Saal war es nach striktem Corona-Reglement noch mit Maske geführt worden; mit Tischen sorgten die Organisatoren in der ehemaligen Schwimmhalle für den gebotenen Abstand.

Der Südstaaten-Blues mit seinen Spielarten Cajun und Zydeco drückt ja starke Gefühle aus. Und die ziehen Seuss und seine Männer problemlos auch ohne Drogeneinfluss aus ihren Instrumenten heraus. Am Anfang ganz langsam, wie von T. Bob Walker komponiert: »She’s my baby, and I want her truly back!« Ohne diese schmerzhaften Trennungen gibt es nun mal keinen Blues.

Das nächste Stück variierte die Klage des verlassenen Mannes: »This is a mean old world«, sang Seuss. »You try to live by yourself« - und das ist bitter für den Verlassenen. Man sieht ihn förmlich vor sich, wie er spät abends in der Kneipe am Tresen durchhängt und noch einen Drink verlangt, um darin seinen Schmerz zu baden. Seuss ließ zum Lamento des Leidenden das Keyboard auf und ab perlen. Dann verstärkte die Gitarre das Gefühl weiter. Überhaupt gab Christoph Böhm fulminante Soli und Höhepunkte mit seiner E-Gitarre.

Deutlich war der Band anzusehen, wie sehr sie das Musizieren vor ihren Wetterauer Fans genoss. Der Schlagzeuger lächelte quasi durchgehend. »Es ist wirklich toll, dass wir überhaupt wieder spielen können«, sagte der strahlende Keyboarder und Sänger. Er bat um einen Applaus für die ehrenamtlichen Veranstalter vom Alten Hallenbad und speziell für deren Licht- und Tontechniker Leon.

Dann boten die Bayern den Friedbergern richtig alte Südstaaten-Songs, aus einer Welt, die es nicht mehr so gibt. Einst erklangen diese Lieder über Liebeskummer, Einsamkeit und Armut in schäbigen, verrauchten New Orleans-Kneipen.

Seuss wechselte vom Keyboard zum Klavier des Alten Hallenbades, entlockte ihm das Rollen der eisernen Zug-Räder, während das Schlagzeug wie eine Dampflok stampfte. »I’m standig at the track, waiting for the train come by. Waiting for my baby come back…« Aber die Liebste kommt nicht zurück. Danach ergriff der Bandleader sein Akkordeon und sang gelassen ein altes New Orleans-Lied. Diesen Tonfall hat man schon mal gehört - so ähnlich klangen später Dire Straits. Kein Thema für diesen Abend. Genauso wenig wie die Spider Murphy Gang (»Skandal im Sperrbezirk«), bei der Seuss als Keyboarder seinen Lebensunterhalt bestreitet. Im Alten Hallenbad ging es nur um seine Liebe - den Blues.

Publikum fordert Zugaben

Nach der Pause kehrte die Band zurück und stimmte mit Akkordeon, Sticks und African Drum einen schnellen Two-Step von Boosoo Chavis aus Lafayette an: »I fall on my knees - my baby, she’s gone!« Man müsste in einer corona-freien Welt ein bisschen betrunken sein und in der dunklen, verrauchten Kneipe stehen. Dann hätte man zu dieser Musik zu tanzen begonnen.

Zwei Stunden waren schnell vorbei. Das Publikum forderte zwei Zugaben, die die Band gerne genehmigte. Die Band fuhr am Abend dann nicht mehr nach Hause. Man wolle gerne wieder nach Friedberg kommen, sagte der Bandleader.

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