Schwimmbad-Debatte: "Als ob wir im Erdbebengebiet lebten"

Friedberg (jw). "Enttäuschend" nannte Cornelia Meisinger die Debatte über die Zukunft des Quellwasserschwimmbads Ockstadt. Die Vorsitzende des Fördervereins saß mit vielen Mitstreitern auf der Tribüne, als das Stadtparlament am Donnerstagabend im Kreishaus den Stand der Dinge diskutierte. Wirklich Neues gab es nicht, deshalb wohl auch die Enttäuschung der Zuhörer.

Weil die Befürchtung mitschwingt, das könne es gewesen sein mit einem der beliebtesten Identifikationsorte des Kirschendorfs.

Das Problem in Kürze: Im Januar wird bekannt, dass die Standsicherheit des leeren Beckens nicht gewährleistet ist. Ein Gutachten sagt das. Wer versichert die Arbeiter bei der Reinigung und dem Anstrich des Beckens? Stadt und Förderverein suchen nach Lösungen. Laut dem Verein besteht keine Gefahr für die Badegäste. Dies hatte der Statiker Stephan Pfeifhofer festgestellt und vorgeschlagen, die Wände bei der Renovierung mit Lasern zu überwachen; Einsturzgefahr bestehe ohnehin nicht. Die Zeit drängt. Soll im Juni die Saison eröffnet werden, muss Mitte April das Wasser raus.

"400 bis 500 Besucher kommen an einem guten Tag, vier bis fünf sind’s an einem schlechten", sagte Bürgermeister Michael Keller (SPD) auf eine Anfrage der UWG, die Fakten wissen wollte. Die zu erwartenden Kosten der Sanierung lägen bei rund 30 000 Euro, "die noch nicht im Haushalt drinstehen". Das soll wohl heißen: Kein Geld, kein Schwimmbad. Deutlicher wurde der Bürgermeister beim Kernproblem: Noch habe sich keine Versicherung bereiterklärt, das Risiko zu decken.

Ein Risiko, das nach Meinung vieler Ockstädter gar nicht besteht. "Als ob wir im Erdbebengebiet lebten", meinte ein Besucher kopfschüttelnd.

Streit entbrannte hernach um einen Antrag der CDU. "Der Magistrat wird aufgefordert, den Badebetrieb in der Badesaison 2012 in Ockstadt zu ermöglichen." Diesen Beschluss sollte das Parlament fassen. Der Ockstädter Ortsvorsteher Günther Weil (CDU) nannte den Antrag "ein politisches Signal", das Parlament solle ein Zeichen für den Erhalt des Bades setzen: "Wir wollen eine hoffnungsvolle Botschaft an die Bürger senden."

SPD und (in Zwischenrufen) Grüne werteten den Antrag jedoch als eine Art Misstrauensvotum gegenüber dem Bürgermeister und dem gesamten Magistrat. Laut Michael Klaus (SPD) schwingt hier die Unterstellung mit, der Magistrat habe bislang nichts getan. Alle wollten die Eröffnung des Bades. "Aber Ihr Motiv ist nicht seriös", so Klaus an die Adresse der CDU.

Auch Bürgermeister Keller geriet in Rage. Er las eine ganze Reihe von Terminen vor, an denen sich der Magistrat oder die Spitzen der Stadtverwaltung mit dem Problem beschäftigt und nach Lösungen gesucht hätten. "Das ist alles minutiös aufgelistet. Da brauche ich keine Aufforderung von Ihnen." Den Begriff "blödsinniger Antrag" nahm Keller nach Protestrufen der CDU zurück – und hatte ihn doch ausgesprochen. Gegen die Stimmen von CDU und FDP (bei Enthaltung der Linken) wurde der Antrag der Christdemokraten zur weiteren Beratung in den Ausschuss verwiesen.

"Uns läuft die Zeit weg", sagte Cornelia Meisinger nach der Sitzung. TÜV, Trinkwasserüberprüfung, Sanierung, das brauche seine Zeit. Rund 110 000 Euro stehen für das Schwimmbad im Haushalt. Der Förderverein will zusätzliche Arbeiten übernehmen, um Geld zu sparen. Wie Bürgermeister Keller der WZ sagte, ist noch kein Bademeister für die dreimonatige Saison gefunden, für die Chlorgasanlage müsse eine Alarmanlage angeschafft werden, was 17 000 Euro koste. Die Enttäuschung der Ockstädter ist verständlich, die Hoffnung, dass doch noch eine Versicherung gefunden wird, die das Risiko trägt, haben Stadt und Förderverein aber noch nicht aufgegeben.

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