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Nach 35 Jahren wird Jürgen Umsonst im Dezember seinen Schreibtisch räumen.

Nach gut 35 Jahren

Friedberger Stadtjugendpfleger Jürgen Umsonst geht in Ruhestand: „Es war am Anfang nicht einfach“

  • VonHarald Schuchardt
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Nach 35 Jahren als Stadtjugendpfleger in Friedberg wird Jürgen Umsonst bald in den Ruhestand gehen. In dieser Zeit hat er viel erreicht. Sein Start in dem Job war alles andere als leicht.

Friedberg – Am 1. September 1986 hat Jürgen Umsonst als Stadtjugendpfleger in Friedberg begonnen. Damals war er der einzige Angestellte in der Stadtverwaltung, der für Jugendarbeit zuständig war. Nach gut 35 Jahren geht der heute 65-Jährige zum Jahresende in den verdienten Ruhestand.

Schon als Jugendlicher war Umsonst im 1975 eröffneten Jugendzentrum in der Bismarckstraße aktiv. Als Mitglied der Pfadfinderschaft VCP kam er in den Stadtjugendring und in die Gremien des damals selbstverwalteten Jugendzentrums, das 1985 unter heftigen Protesten der Jugendlichen geschlossen und wenig später abgerissen wurde.

»Es war am Anfang nicht einfach«, erinnert sich der Sozialarbeiter, der während seiner Studienzeit im Jugendzentrum bei der Planung von Veranstaltungen und beim Burgfest oder beim »Kinderplanet« des Stadtjugendrings aktiv gewesen ist.

Jugendarbeit in Friedberg lag damals brach

Zunächst hatte er Religion, Sport und Deutsch auf Lehramt studiert. »Diese Kombination war dem Numerus Clausus geschuldet«, erläutert Umsonst schmunzelnd. Trotzdem gab es Anfang der 80er Jahre kaum Lehrerstellen, sodass er noch ein Studium der Sozialarbeit an der FH Frankfurt dranhängte. Sein Jahrespraktikum absolvierte er im Karl-Wagner-Haus, bevor er im Dezember 1985 eine Anstellung im Zentralen Aufnahmelager in Gießen erhielt. Während dieser Zeit bewarb sich Jürgen Umsonst auf die Stelle des Stadtjugendpflegers und erhielt die Zusage. »Ich hatte damals gemischte Gefühle, denn das, was ich kannte, war ja nicht mehr da. Die Stimmung im Jugendbereich war sehr negativ«, erinnert sich der Vater zweier erwachsener Söhne, der mit seiner Frau in Reichelsheim lebt.

Die Jugendarbeit lag brach. Sein Büro unter dem Dach bestand aus einem Schreibtisch, einer Schreibmaschine und einem Telefon mit Wählscheibe sowie leeren Regalen. »Sonst nichts«, sagt Umsonst. Ziel war es, die Jugendarbeit in der Stadt neu aufzustellen, in erster Linie dezentral. Aber auch eine neu feste Jugendeinrichtung sollte entstehen, was schließlich 20 Jahre dauern sollte. Das »Konzept für die Jugendarbeit in der Stadt« wurde von einer Kommission, bestehend aus Stadtverordneten, Magistratsmitgliedern und sachkundigen Bürgern, erstellt.

Mehr als 180 Ferienfreizeiten für Friedberger Jugendliche organisiert

Als erste Maßnahme wurde ein Freizeit- und Fahrtenangebot für Jugendliche entwickelt, das bereits 1987 startete. »Erstmals wurden vorhandene Jugendgruppen mit einbezogen«, betont Umsonst. Das waren unter anderem die beiden Pfadfinderschaften VCP und St. Georg, die DLRG und die evangelische Jugend sowie der Stadtjugendring.

Das Fahrtenprogramm wurde zum festen Bestandteil der Jugendarbeit, bis es von der Corona-Pandemie vorübergehend gestoppt wurde. Bis dahin hatte Umsonst zusammen mit den Kooperationspartnern über 180 Ferienfreizeiten mit über 4300 Teilnehmern organisiert. Zweiter wichtiger Schritt war das Spielplatzkonzept, dessen Umsetzung 1989 mit der Einführung der mobilen Spielplatzbetreuung (MOBS) begann. Das MOBS-Mobil fährt noch immer auf die Spielplätze. Das Team mit seinen vielen Spielideen ist bis heute bei den Kindern beliebt.

Großes Lob für das Junity in Friedberg

Jürgen Umsonst war in seinen Anfangsjahren weiterhin in die Organisation des 1999 letztmals veranstalteten Burgfestes und des »Kinderplanet« auf der Seewiese eingebunden, der inzwischen von der Stadt auf die Beine gestellt wird. »1986 und 1987 haben wir das Burgfest bei mir zu Hause oder in Gaststätten organisiert. Das Jugendzentrum fehlte einfach«, blickt Umsonst zurück, der in den ersten Jahren bei seiner Tätigkeit viel Unterstützung vom damaligen Ersten Stadtrat Gerhard Mosbach bekommen hat. »Es war ein Vorteil, dass wir uns aus der Pfadfinderarbeit gut kannten«, sagt Umsonst.

Dass es 25 Jahre dauerte, bis das Junity 2010 eröffnet wurde, war für ihn eine rein politische Entscheidung. »Auch die Skeptiker einer solchen Einrichtung wurden inzwischen eines Besseren belehrt. Das Junity funktioniert bestens«, freut sich Umsonst, der nun beginnt, sein Büro mit den vielen Plakaten aus Burgfestzeiten auszuräumen. »Das sind Erinnerungen, die ich gerne mitnehme.« Der Bald-Ruheständler möchte sich nun zu Hause, im Garten, auf dem Baugrundstück und einer gepachteten Ackerfläche mehr einbringen.

Jürgen Umsonst organisiert Open-Air-Kino in Friedberg

Zusammen mit Hans-Albert Wunderer, dem ehemaligen Betreiber des Kinocenters Friedberg, organisiert Jürgen Umsonst seit 1999 maßgeblich das Open-Air-Kino im Friedberger Rathauspark. Beide wollen vorerst weitermachen, zumal das Projekt inzwischen von der Hessischen Filmförderung unterstützt wird. Als die Idee aufkam, den Rathauspark als Open-Air-Kino zu nutzen, übernahm die Stadtjugendpflege die Organisation. Umsonst: »Wir hatten guten Kontakt zu Hans-Albert, da er alljährlich im Rahmen des Kinderplanets für wenig Geld Filmvorführungen für Kinder in seinem Kino organisierte.« So kam es zu der Zusammenarbeit, die beide nun gemeinsam fortsetzen wollen. Wie sagte Wunderer beim Abschluss des Open-Air-Kinos in diesem Jahr: »Ohne Jürgen geht das nicht.«

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