IHK-Prüfung vor Gericht

Schwerbehinderter Azubi bekommt keine Assistenz

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Wetteraukreis(pm). Ein schwerbehinderter Auszubildender aus der Wetterau hat vor Gericht eine Niederlage hinnehmen müssen. Er hatte für seine Verkäufer-Abschlussprüfung bei der IHK eine persönliche Assistenz begehrt, die für ihn Prüfungsfragen in einfache Sprache überträgt und ihm Unterstützung bei der Formulierung seiner Antworten gibt. Das Verwaltungsgericht Gießen hat die Klage in einem am 19. November verkündeten Urteil, das jetzt mit der schriftlichen Begründung vorliegt, abgewiesen.

Der Kläger, der nach einer Hirnblutung an den Folgeschäden einer Gesichtsfeldeinschränkung und einer Sprachstörung (Aphasie) leidet, hatte in der Vergangenheit für seine schriftlichen Prüfungen bereits mehr Zeit eingeräumt bekommen. Außerdem waren die Aufgaben für ihn vergrößert worden. Die Bereitstellung einer persönlichen Assistenz für die mündliche Prüfung lehnte das Verwaltungsgericht nach Auswertung fachärztlicher Gutachten und Anhörung der Beauftragten der Hessischen Landesregierung für Menschen mit Behinderungen jedoch ab.

Zwar gebiete das Gebot auf Chancengleichheit, dass bei Prüfungen die besonderen Verhältnisse behinderter Menschen berücksichtigt werden müssten. Dies finde aber seine Grenzen, wenn durch den Nachteilsausgleich der wahre Leistungsstand im Vergleich zu den Mitprüflingen nicht mehr ermittelbar wäre. "Eine Person, die blind ist, kann nicht Berufskraftfahrer werden", heißt es in einer Pressemitteilung des Gerichts.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; die Kammer hat die Berufung beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel zugelassen.

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