In eindrucksvollen Bildern zeigt der Autor der Studie, wie ein Bach durch Klimaveränderungen und Grundwassergewinnung im Sommer 2018 ausgetrocknet ist. In diesem Quellsumpf hatte sich noch ein wenig Wasser gesammelt, er hatte aber so gut wie keinen Zufluss mehr.
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In eindrucksvollen Bildern zeigt der Autor der Studie, wie ein Bach durch Klimaveränderungen und Grundwassergewinnung im Sommer 2018 ausgetrocknet ist. In diesem Quellsumpf hatte sich noch ein wenig Wasser gesammelt, er hatte aber so gut wie keinen Zufluss mehr.

Streit ums Wasser

Schutzgemeinschaft Vogelsberg fordert: Lieber Regen- als Grundwasser

  • vonOliver Potengowski
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Zum 30. Geburtstag hat sich die Schutzgemeinschaft Vogelsberg mit einer Studie beschenkt: Wie kann die Wasserversorgung fürs Rhein-Main-Gebiet mit Naturschutz vereinbart werden?

Im Rückblick auf die Geschichte der Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) räumte deren wissenschaftlicher Berater und Autor der Studie, Dr. Hans-Otto Wack, ein, dass auch die Schutzgemeinschaft in dieser Zeit dazugelernt habe.

Mit Schildern und Aktionen hatte die SGV nach ihrer Gründung im Herbst 1989 drei Jahre gegen die Fernwasserleitungen nach Frankfurt protestiert, die immer mehr Biotope im Vogelsberg bedrohten. Es sei klar gewesen, wo der Feind steht, erinnerte sich Wack bei der Jubiläumsfeier, die in der NABU-Umweltwerkstatt Wetterau stattfand, an die Konflikte in den frühen Jahren. Da habe auch mal ein Bagger oder ein Brunnenkopf gebrannt, räumte er eine Radikalisierung angesichts der scheinbar übermächtigen Wasserversorgungsunternehmen ein.

Konstruktive Vorschläge machen

24 Stunden lang blockierten Mitglieder der SGV im heißen, trockenen Sommer 1992 das Wasserwerk Inheiden, von dem aus ein Teil des Vogelsbergtrinkwassers nach Frankfurt geleitet wird. "In dieser Nacht fing es an zu regnen", beschrieb Wack ein scheinbares Wunder nach wochenlanger Dürre. Mindestens genauso wunderbar war, dass die SGV nach dieser Blockade plötzlich als Gesprächspartner akzeptiert und eingeladen wurde. Das sei auch für die SGV ein Lernprozess gewesen. Wack: "Weil wir zum ersten Mal begriffen haben, dass in Wiesbaden bei der obersten Wasserbehörde nicht nur böse Feinde sitzen." Deshalb habe es nicht mehr genügt, gegen Missstände zu protestieren, man habe auch konstruktive Vorschläge machen müssen.

Zwar sind die Interessen immer noch im Grundsatz gegensätzlich. Die Wasserversorger, unter anderem Mainova, Hessen-Wasser und Ovag, wollen Wasser aus dem Vogelsberg nach Frankfurt leiten, das nur 20 bis 25 Prozent des Trinkwasserbedarfs aus eigenen Quellen deckt. Die SGV will Ökologie und Landwirtschaft im Vogelsberg schützen und deshalb weniger Wasser abgeben. In 30 Jahren ist aber auch Verständnis gewachsen.

Weitergehender Stadt-Land-Konflikt

"Mit Hilfe des Wassers, das nach Frankfurt geflossen ist, wurde die Elektrifizierung Oberhessens finanziert", erinnerte Wack an die Ursprünge der Fernwasserversorgung am Ende des 19. Jahrhunderts. "Das war ein Geben und Nehmen, und das wünschen wir uns heute wieder." In ihrer Dokumentation und Studie zur Wasserversorgung mahnt die SGV, dass der Konflikt um die Fernwasserleitungen mit einem weitergehenden Stadt-Land-Konflikt verbunden sei.

Die SGV räumt aber auch ein, dass der ursprüngliche Konflikt zwischen Wassergewinnung und Naturschutz im Vogelsberg geringer geworden ist. "Seit Einführung der umweltschonenden Grundwassergewinnung vor ca. 20 Jahren lässt sich beweisen, dass die Wasserversorgung Rhein-Main und der Wasserbedarf des Naturraums miteinander vereinbar sind", stellt die SGV in der Publikation fest. Voraussetzung sei, dass bei Betrieb und Genehmigung die Vorgaben dieses Systems, zum Beispiel die Beachtung von Mindestgrundwasserpegeln, eingehalten würden. In einigen Gebieten nähmen die Konflikte wieder zu, weil die Regeln nicht beachtet würden.

Für eigene Brunnen

Die SGV fordert, dass Frankfurt eigene Brunnen erhält und seinen Trinkwasserbedarf zu einem höheren Anteil selber deckt. Letzteres sei eine gesetzliche Vorgabe. Dies könne durch einen geringeren Trinkwasserverbrauch erreicht werden. So könne für Toilettenspülung oder Grünflächenbewässerung auch Regen- oder Mainwasser genutzt werden.

Dies ist bisher aber nicht im Interesse der Stadt Frankfurt und der Versorgungsunternehmen, an denen sie beteiligt ist. 5,7 Millionen Euro Gewinn hat die Mainova 2018 mit dem Trinkwasserverkauf erwirtschaftet. Damit trägt sie erheblich zum städtischen Haushalt bei. So lässt sich die Analyse der SGV in Teilen auch als Kapitalismuskritik lesen. Als privatwirtschaftlich arbeitende Unternehmen müssten die Versorger Umsatz und Gewinn steigern. Deshalb sei es notwendig, die Wasserversorgung wieder öffentlich-rechtlich zu organisieren, wolle man ernsthaft Einsparungen erreichen.

Resonanz in Frankfurt verhalten

Aus Sorge über die immer stärker sichtbaren Folgen der Grundwassergewinnung zur Versorgung Frankfurts gründete sich am 11. September 1989 auf dem Hoherodskopf die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV). Damals ahnten die Gründer noch nicht, welchen langen Atem sie brauchen würden, um tatsächliche Veränderungen zu erreichen. Zwar wurde die SGV seit Anfang der 90er Jahre als Gesprächspartner ernst genommen. Doch erst mit dem Erlass der Landesregierung, der die umweltschonende Wasserversorgung vorschreibt, begann unter anderem die Ovag eine ernsthafte Kooperation mit der SGV. Wiederholt zeigte die SGV auch im Stadtzentrum Frankfurt, auf dem Römerberg und dem Roßmarkt Präsenz. Die Resonanz insbesondere auch der Frankfurter Stadtpolitik war jedoch eher verhalten. Die Dokumentation und Konzeptstudie "Zukunftsfähige Wasserversorgung Rhein-Main und ihre Vereinbarkeit mit Natur- und Wasserschutz" hatte die SGV bereits im September 2018 in Grundzügen präsentiert. Danach wurde die Publikation noch einmal überarbeitet und ergänzt, so dass sie rechtzeitig zum Jubiläum zum Preis von je 14 Euro angeboten werden konnte.

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