Schulsozialarbeit: Der Bedarf ist groß

Friedberg (pdw). Mehr Sozialarbeiter an den Schulen – das will Landrat Joachim Arnold umsetzen, sobald der Wetteraukreis den Rettungsschirm verlassen hat. "Der Bedarf ist groß und die Arbeit, die an vielen Schulen geleistet wird, großartig", betonte der Landrat bei einem Besuch an der Henry-Benrath-Schule (HBS) in Friedberg.

Die Schulsozialarbeit an der HBS ist vergleichsweise gut ausgestattet. Über mehrere Programme teilen sich vier Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter dreieinhalb Personalstellen. "Eine hohe Ausstattung", wie Schulleiterin Tanja Wesemann bestätigt, "die aber auch nötig ist bei den Anforderungen, die an die Schule gestellt werden." Durch den Zuzug von Familien mit Migrationshintergrund nach Friedberg kommen neue Schülerinnen und Schüler an die HBS.

Intensivklasse mit 16 Kindern

Deutsch ist für sie eine Fremdsprache und wird teilweise überhaupt nicht gesprochen. Zudem liegt bei vielen Kindern eine Flüchtlingsproblematik vor. Neben der Sprachbarriere erschweren teilweise traumatische Erlebnisse das Einfinden in Gesellschaft und Schulalltag. "Uns fehlen die sächlichen, räumlichen und personellen Voraussetzungen, um die wachsende Zahl dieser Schüler optimal zu beschulen und ihnen die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie dringend benötigen", sagt Wesemann.

"Eine Intensivklasse wurde mittlerweile eröffnet, in der 16 Kinder unterschiedlicher Sprachen und unterschiedlichen Alters unterrichtet werden. Auch das Niveau könnte unterschiedlicher nicht sein. Da sind Analphabeten dabei, aber auch Kinder, die Gymnasialniveau erreichen", berichtet die Schulleiterin. Yvonne Damm, pädagogische Leiterin der HBS, berichtet von Kindern, die es nicht gewohnt sind, regelmäßig zur Schule zu gehen. "In solchen Familien bleibt das Kind zu Hause, wenn Geschwister betreut oder Eltern auf Behördengänge begleitet werden müssen." Mitunter komme es vor, dass Kinder mitten in der Schulzeit für zwei Wochen verreisen, um den kranken Großvater in Bulgarien zu besuchen. "Mit solchen Problemen sind wir alleingelassen und würden uns wünschen, dass auch andere Schulen hier mehr Verantwortung übernehmen. Dabei sind wir gerne bereit, unser Wissen im Bereich der Intensiv-Klassen weiterzugeben", bekräftigt Schulleiterin Wesemann.

Der Klassenrat löst das Problem

Welche positiven Auswirkungen Schulsozialarbeit haben kann, berichtet Sozialarbeiterin Tine Hölzinger: "Wir haben ein festes Programm für alle Jahrgangsstufen, in dem bestimmte Themen bearbeitet werden. Vom sozialen Lernen über Klassenrat und Klassentraining bis hin zu Projekttagen mit Themen wie Mobbing, Gewaltprävention oder Suchtprävention reicht die Palette unserer Angebote."

Ziel sei es, in den Lerngruppen eine Atmosphäre zu erreichen, die von Vertrauen und Toleranz geprägt ist. "Wir wollen die Kinder in ihrer Persönlichkeit festigen, damit bestimmte Probleme gar nicht erst entstehen."

Die Sozialarbeiterin berichtet von einer schönen Erfahrung mit der 7. Hauptschulklasse, die sie vor zwei Jahren übernommen hatte. "Das war eine schwierige Klasse mit schwierigen Charakteren ganz unterschiedlicher Herkunft. Dieser Tage gab es ein klasseninternes Problem, weil übereinander gelästert wurde. Der Konflikt wurde im Klassenrat gemeinsam gelöst. Da konnte man spüren, wie Schulsozialarbeit die Schüler befähigt, wertschätzend miteinander umzugehen. Das war eine Erfahrung, die man in manchen Gymnasialklassen nicht macht."

Für Landrat Arnold sind die positiven Erfahrungen an der HBS ein weiterer Anreiz, sich für den Ausbau der Schulsozialarbeit einzusetzen. "Aus eigener Kraft können wir das leider erst dann tun, wenn wir den Rettungsschirm verlassen. Dafür brauchen wir stabile Finanzen und einen ausgeglichenen Haushalt."

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