»Schule als Ganzes im Blick«

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Zehn Jahre war Sonja Litzenberger im Staatlichen Schulamt für den Hochtaunus- und Wetteraukreis tätig. Nun leitet sie das Schulamt des Main-Kinzig-Kreises. Ihre Arbeit sei ein tägliches Abenteuer, erzählt die 55-Jährige. Das System Schule, sagt sie, sei alles andere als realitätsfern.

Wer mit Sonja Litzenberger über ihren Werdegang spricht, merkt, wie gerne sie Lehrerin gewesen ist. Heute hat sie zwar immer noch mit Schule zu tun, leitet aber keine Klassen mehr, sondern einen ganzen Schulbezirk. Seit zwei Monaten ist die 55-Jährige offiziell Leiterin des Staatlichen Schulamts Main-Kinzig-Kreis. Fast drei Jahre hatte das Amt nach der Pensionierung von Sylvia Ruppel nur vorübergehende Leitungen. Litzenberger ist nun verantwortlich für rund 51 100 Schülerinnen und Schüler sowie 3960 Lehrerinnen und Lehrer an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen.

Vor knapp einem Jahr kam sie per Abordnung nach Hanau, wo sie erst zuständig für die Gymnasien im Kreis war. »Mein erster Arbeitstag war am 9. März 2020«, erinnert sie sich. Eine Woche später zwang Corona das Land in den ersten Lockdown. So musste sie trotz ihrer über 20 Jahre langen Erfahrung an Schulen und in Schulverwaltung »alles neu denken«. Das sei gut gelungen, findet sie. So wurde das Landesabitur 2020 bereits unter Corona-Bedingungen abgehalten. Aufgrund der positiven Erfahrungen sieht sie dem Abitur 2021 gelassen entgegen.

Im August 2020 wurde sie dauerhaft nach Hanau versetzt und übernahm die stellvertretende Amtsleitung, kurz darauf rückte sie in die kommissarische Leitung vor und bewarb sich auf die Stelle der Amtsleitung. Litzenberger verlässt sich auf ihre Erfahrung im Schulamt für den Hochtaunus- und Wetteraukreis. Schließlich war sie dort zehn Jahre in unterschiedlichen Positionen tätig, am Ende als stellvertretende Amtsleiterin.

Ursprünglich kommt sie aus einem kleinen nordrhein-westfälischen Ort. Sie wird in dem von Katholiken dominierten Rheinland in einer evangelischen Gemeinde groß. Dort übernimmt sie als 13-Jährige den Flötenunterricht für jüngere Kinder - und entdeckt den Spaß am Unterrichten. »Wenn man in den Augen der Kinder den Lernprozess erkennt, das ist ein schöner Moment.« Also studiert Litzenberger Germanistik und Evangelische Theologie in Aachen.

An der Universität lernt sie ihren späteren Mann kennen und kommt mit ihm nach Hessen. In Bad Homburg absolviert Litzenberger ihr Referendariat und arbeitet dann einige Jahre als Vertretungskraft an verschiedenen Schulen. Eine Zeit, die ihr viele Eindrücke von Schule in den unterschiedlichsten Konstellationen ermöglicht habe. Schließlich wird sie am Gymnasium Augustinerschule in Friedberg heimisch, wo sie zuletzt stellvertretende Schulleiterin war.

»Ich habe immer die Schule als Ganzes im Blick gehabt«, sagt sie, darum habe sie schon früh viele Aufgaben neben dem Unterricht wahrgenommen, u. a. Abordnungen ans Staatliche Schulamt. »Für mich ist Schule eines der spannendsten Systeme, die wir haben.« Es gibt schließlich Schulen mit zehn Lehrkräften und Schulen mit 150, auch die Altersspanne der Schüler sei zu berücksichtigen. »Das birgt eine große Herausforderung, das ist ein tägliches Abenteuer.« Was ihre Aufgabe dabei sei? »Halt geben, Steuerung sein, Bindungen aufbauen.«

Das Ziel: Die Schülerschaft zu befähigen, Probleme lösen zu können und die Basis für eine gelungene Biografie zu haben. Zu ihren schönsten Erlebnissen als Lehrerin zählt sie die Momente, in denen dieses Heranwachsen junger Menschen sich in einem Augenblick kristallisiert. »Abiturfeiern sind etwas sehr Rührendes und Beeindruckendes.«

Jungen Menschen Instrumente und Kompetenzen an die Hand zu geben und ihnen Perspektiven zu eröffnen, ist ihr heute noch wichtig. Darum verteidigt sie das System Schule vehement gegen Kritik, realitätsfern zu sein. Denn wer ein Gedicht analysieren könne, der könne auch allgemeine Geschäftsbedingungen oder einen Mietvertrag verstehen.

Warum sie trotz der Begeisterung für ihre pädagogische Arbeit in die Verwaltung gewechselt ist? Weil sie etwas Neues machen und den Blick auf verschiedene Schulen erweitern wollte. Sie wolle beim Schulamt gewinnbringend für die ganze Region tätig sein. Dafür stehen ihr 80 Mitarbeiter zur Seite, ergänzt durch aus Schulen abgeordnete Lehrkräfte, die etwa als Fachberater fungieren. Mit diesem Team sieht sie das Schulamt auch unter Corona gut aufgestellt. Gerade aus Krisen könne man gestärkt hervorgehen, wenn alle an einem Strang zögen. Sie betont: Die Verantwortung für Schule müsse die Gesellschaft als Ganzes tragen.

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