Machen Druck in Sachen Digitalisierung: Anna-Louisa Glaum, Schulsprecherin der Augustinerschule Friedberg (vorne), und ihre beiden Stellvertreter Naemi Kux und und René Uhlig, zugleich Kreisschulsprecher. FOTO: HEDWIG ROHDE
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Machen Druck in Sachen Digitalisierung: Anna-Louisa Glaum, Schulsprecherin der Augustinerschule Friedberg (vorne), und ihre beiden Stellvertreter Naemi Kux und und René Uhlig, zugleich Kreisschulsprecher. FOTO: HEDWIG ROHDE

Laptops in der Schule

Schüler verteilen schlechte Noten für Digitalunterricht

  • vonHedwig Rohde
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Die Digitalisierung schreitet voran - nur nicht an den Schulen. Schülervertreter aus der Wetterau sprechen von "Frust und Resignation", weil es mancherorts nicht einmal WLAN gibt.

In Deutschland hat die Corona-Pandemie mehr als das Gesundheitssystem auf den Prüfstand gestellt. Für die Schulen geriet der Lockdown zum Lackmustest - und hinsichtlich ihrer Möglichkeiten zum virtuellen Unterricht haben die meisten Bildungseinrichtungen diesen Test nur teilweise bestanden. Das große Warten auf den angekündigten Digitalisierungsschub des Bundes sorge für "frustrierte Eltern, resignierte Schülerinnen und Schüler und viele absolut überforderte Lehrerinnen und Lehrer", schreiben die Schulsprecherin der Friedberger Augustinerschule, Anna-Louisa Glaum, und Kreisschulsprecher René Uhlig in einer Pressemitteilung.

Die Schülervertreter monieren das Fehlen von W-LAN sowie zeitgemäßer Hard- und Software und fordern neben zügigem Handeln mehr Transparenz bei den Entscheidungen. Landrat Jan Weckler (siehe Kasten) räumte teilweise Defizite ein, wies aber den Vorwurf der "Intransparenz" zurück und verwies auf den Medienentwicklungsplan des Kreises, der bis Jahresende 2020 beschlossen werden soll.

"Das Thema Digitalisierung an den Schulen ist alt - aber gerade jetzt so wichtig wie noch nie", erklärt Uhlig. Seit der hessenweiten Schulschließung Mitte März habe es für sechs Wochen keinen Präsenzunterricht mehr gegeben, seit Ende April dann eine schrittweise Öffnung der Schulen, aber für die meisten Schülerinnen und Schüler bis heute nur stunden- und tageweise. Uhligs Fazit: "Der Großteil des Unterrichts muss also auch jetzt virtuell stattfinden."

"Der virtuelle Unterricht ist nur schleppend in Gang gekommen und immer noch lückenhaft. Bei der technischen Umsetzung gibt es erhebliche Schwierigkeiten", betont Glaum. Die offizielle Lernplattform des Wetteraukreises "wtkedu" sei unübersichtlich, der Server oft überlastet, so dass das Konferenz-Tool der Plattform vor allem vormittags keinen zuverlässigen Videounterricht erlaube. Lehrer wichen notgedrungen auf andere Plattformen aus, was den Schulalltag für die Schülerinnen und Schüler noch unübersichtlicher mache.

Kritik an offizieller Lernplattform

Auch in den Schulen finde meist kein normaler Unterricht statt. Wegen Abstandsregeln und Raumgrößen müssten Klassen halbiert oder gedrittelt werden. Im Idealfall könnte der in einem Raum gegebene Unterricht via Webcam in andere Räume übertragen werden. "Dies ist an den meisten öffentlichen Schulen aber nicht möglich und bei uns an der Augustinerschule auch nur in wenigen Räumen und mit allerlei Komplikationen", bedauert Glaum.

Lehrkräfte liefen statt dessen von Raum zu Raum. Leerlauf und Betreuung durch fachfremde Lehrer sorgten für Unmut bei Schülern ebenso wie bei Lehrern, von denen viele engagiert und motiviert seien, ihre digitale Kompetenz wegen fehlender Infrastruktur und strikter Vorgaben aber nicht einbringen könnten. Glaum: "Ein improvisiertes WLAN hat die Augustinerschule jetzt - weil der Förderverein der Schule es gespendet hat."

Unzufrieden zeigen sich Glaum, ihre Stellvertreterin Naemi Kux und Uhlig auch mit den aus ihrer Sicht nicht transparenten Entscheidungsprozessen. Jede Schule erstelle mit Mühe ein individuelles, pädagogisches Medienkonzept unter Angabe der benötigten Ausstattung, doch würden diese Anträge durch den Schulträger Wetteraukreis "größtenteils nicht bewilligt", ohne dass Schüler, Lehrer oder Bürger ausreichend gehört würden.

Ein Gremium, das die Einbeziehung der Schulen gewährleisten und ihr Mitspracherecht sichern solle, der "Einrichtungsbeirat" des Wetteraukreises, habe in den letzten Jahren offenbar nicht getagt und solle nun aufgelöst werden. Uhlig: "Diese Entscheidung können wir nicht nachvollziehen, gerade jetzt wäre ein solches Gremium sinnvoller denn je."

Landrat verweist auf den Digitalpakt

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