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Steine, Schlamm, feuchte Erde: Die Baustellenfahrzeuge, die vom Zuckerfabrikgelände auf die Fauerbacher Straße einbiegen, um Erde aus einer Baugrube abzutransportieren, hinterlassen deutliche Spuren. Die Beschwerden häufen sich. Foto: Nici Merz

Baugelände Zuckerfabrik

Schmutz von Baustelle: Ärger über Wetterauer Glatteis

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Fuhren die Bauern früher ihre Rüben zur Friedberger Zuckerfabrik, brachten sie den Schlamm der Äcker mit in die Kreisstadt. Nun ist das "Wetterauer Glatteis" zurück. Eine Baustelle sorgt für Ärger.

Friedberg - Schlamm, Matsch, feuchte Erde und Steine, wohin man blickt. Die Baustellenzufahrt zum Zuckerfabrikgelände verläuft über den Gehweg an der Fauerbacher Straße. Doch zwischen Bauland, Gehweg und Fahrbahn ist kein Unterschied auszumachen. Die Matschschicht ist mehrere Zentimeter dick.

Auf der Fauerbacher Straße kann man der Lehmspur der Laster folgen, sie läuft vor bis vor zu den Einkaufsmärkten. Fahren Autos drüber, spritzen Steinchen hoch, die den Lack beschädigen. Für Radfahrer kann die Sache wesentlich gefährlicher ausgehen, wie eine Leserin erzählt. "Mein Sohn, der täglich mit dem Fahrrad zu Schule und seinem Schülerjob bei ABB fährt, hat sich mehrere Schuhe, Hosen, Jacken und Rucksäcke stark verschmutzt. Obwohl sein Fahrrad mit Schutzblechen ausgestattet ist, wird bei Regen der Matsch bis in den Rücken hochgeschleudert", berichtet Christine Zeissler. "Schlimmer noch: Letzte Woche ist er bei Regen auf dem Lehm-Wasser-Schmier fast gestürzt", schreibt sie in einer Mail an die Stadt - nach etlichen Versuchen, telefonisch im Rathaus ihr Problem vorzutragen. "Hinter ihm fuhren Autos, er konnte sich gerade noch abfangen", sagt Zeissler der WZ.

Friedberg: Vor Kita auf Straße ausweichen

Vor dem Bahntunnel in der Fritz-Reuter-Straße werden Rad- und Fußweg zusammengeführt. Die Auffahrt war dieser Tage ebenfalls vermatscht, ein echtes Sicherheitsrisiko. Das besteht auch am Gehweg wenige Meter vor der Kita, wo laut Zeissler immer wieder Laster halten und den Gehweg versperren. "Eine Mutter musste wegen einem parkenden Betonmischer mit einem Kind an der Hand und dem anderen im Kinderwagen auf die vielbefahrene Straße ausweichen."

Seit dem Sommer gebe es das Problem. Zeissler: "Der Dreck wurde in all den Wochen nicht ein einziges Mal entfernt und häuft sich immer mehr an." Die Friedbergerin verweist auf die Straßenverkehrsordnung, wo eindeutig festgehalten ist: Durch Baustellen verschmutzte Straßen müssen vom Verursacher gereinigt werden. Zeissler fordert die Stadt auf, unverzüglich tätig zu werden.

"Wir sind da dran", hieß es gestern aus dem Rathaus. Die Ordnungspolizei sei am Dienstagmorgen vor Ort gewesen, es werde geprüft, ob künftig Geldbußen verhängt werden. "Wir werden die Baustelle jetzt täglich kontrollieren." Auch der Bauträger, die Firma Dietmar Bücher aus Idstein", hat Besserung gelobt. "Das ist die feuchte Witterung. Wir setzen dort jetzt täglich zwei Mal die Kehrmaschine ein", versprach ein Mitarbeiter. Die Leserin schlägt eine Reinigungsstraße vor. "In Frankfurt, wo ich arbeite, klappt das." Am Dienstagmorgen sei die Situation "besonders krass" gewesen, sagte die Leserin am Telefon. "Eine dicke fette Pampe bedeckt Straße und Gehweg. Ein Taxi fuhr im Schritttempo, um nicht wegzurutschen."

Info: Baugebiet Zuckerfabrik

In 16 viergeschossigen Mehrfamilienhäusern mit Staffelgeschossen und begrünten Flachdächern sollen auf dem 2,4 Hektar großen Restgelände der Zuckerfabrik rund 250 Wohnungen entstehen. Pro Gebäude sind 7 bis 19 Wohneinheiten mit 2- bis 5-Zimmerwohnungen und einer Wohnfläche zwischen 70 und 140 Quadratmetern vorgesehen. Terrassen und Balkone sind weitgehend nach Südwesten ausgerichtet. Der Bahndamm wird bepflanzt. Für alle Mieter werden laut Bauträger Tiefgaragenplätze gebaut. Halte die Konjunktion an, rechnet die Firma Bücher damit, das letzte der 16 Häuser in acht Jahren errichtet zu haben.

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