Die Friedberger Kläranlage zählt nach Auskunft des Betriebsleiters zu den saubersten Anlagen ihrer Art in Hessen. Um Medikamente aus dem Schmutzwasserzu filtern, muss eine vierte Reinigungsstufe gebaut werden. ARCHIVFOTO: NICI MERZ
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Die Friedberger Kläranlage zählt nach Auskunft des Betriebsleiters zu den saubersten Anlagen ihrer Art in Hessen. Um Medikamente aus dem Schmutzwasserzu filtern, muss eine vierte Reinigungsstufe gebaut werden. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Schmerzmittel im Abwasser

  • vonred Redaktion
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Friedberg(pm). Die städtische Kläranlage ist eine hochwichtige Einrichtung. Das Geld, das dort investiert wird, ist sehr gut investiertes Geld - so lautet das Fazit eines Besuchs der Friedberger FDP-Fraktion in der Kläranlage. Diese Anlage der Entsorgungsbetriebe mit sechs Mitarbeitern und einem Auszubildenden stehe selten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, gelegentlich werde über die Arbeit, die dort geleistet wird, gar gelächelt. "Wer meint, dass hier eine Hilfstätigkeit am Rande ausgeübt wird, wird der Leistung, die hier erbracht wird, nicht gerecht. Zudem wird das Schmutzwasser, das hier geklärt wird, von allen Menschen in der Stadt erzeugt", sagt die Stadtverordnete Dr. Regina Bechstein-Walther, die auch Mitglied der Betriebskommission der Entsorgungsbetriebe ist.

Volker Stumpf, der den Kläranlagenbetrieb seit 2004 leitet, führte die FDP-Besucher durch die Anlage, die zu den saubersten in Hessen gehöre. "Natürlich sind Verbesserungen immer möglich. Aber das ist Sache des Gesetzgebers und der Aufsichtsbehörden." Stumpf führte die Besucher über die weitläufige Anlage, vom Einlauf, wo das Schmutzwasser aus den Haushalten und den Gewerbe- und Industriebetrieben ankommt, über das Rechenhaus, wo feste Stoffe herausgeholt und in Containern gesammelt werden, bis zum Sandfang. Dort beginnt die erste Stufe der mechanischen Reinigung, Sand und weitere grobkörnige Stoffe werden aus dem Schmutzwasser gefiltert. Ein Zwischenhebewerk bringt das Wasser in ein höher gelegenes Vorklärbecken. Im Belebungsbecken beginnt dann die bakterielle Säuberung des in diesem Stadium bereits klareren Abwassers. Im Nachklärungsbecken wird das Wasser erneut behandelt und dann in die Usa geleitet.

Wohin mit dem Klärschlamm?

Ein Teil des Klärschlamms wird von der Landwirtschaft verwertet. Das ist nicht unproblematisch, da Schadstoffe in die Nahrungsmittelkette gelangen können. Der Rest wird verbrannt, wobei häufig lange Wege zurückzulegen sind. Güssgen-Ackva: "Das ist ein Problem fehlender Müllverbrennungsanlagen, die niemand in der Nähe haben will, obgleich sie technisch ausgefeilt sind und sogar in Energiekreisläufe eingebunden werden können. Hier ist die überregionale Politik gefragt."

Die FDP-Stadtverordneten interessierten sich auch für die Erweiterungsmöglichkeiten der Kläranlage, die nach Auskunft von Stumpf auf mittlere Sicht unproblematisch ist. Er wies jedoch darauf hin, dass man mit Blick auf die Einwohnerzahl einer Stadt immer auch bedarfsgerecht erweitern müsse. Eine gute Kläranlage müsse immer ausgelastet sein. Eine große Anlage, die nicht ausgelastet sei, könne nicht wirkungsvoll arbeiten.

Übrigens hängen neben der Kernstadt alle Friedberger Stadtteile bis auf Bruchenbrücken an der Kläranlage in Fauerbach. Die Abwässer aus Bruchenbrücken werden in Niddatal geklärt, die Stadt Friedberg zahlt hierfür einen Ausgleich.

Von hohem Interesse ist für die für FDP das Thema weiterer Klärungsstufen. Dabei geht es um die Aussonderung von Spurenstoffen aus Medikamenten. Es gibt bereits Anlagen in Deutschland, die eine solche vierte Stufe leisten. Die gesetzlichen Vorgaben sind in Hessen aber noch nicht auf dem Weg. "Die Erweiterung der Klärungsstufen ist wichtig und sinnvoll. Der Medikamentenrückstand allein des Schmerzmittels Diclofenac, der ohne diese Klärung weiterhin in die Gewässer, auch in die Usa, eingelassen wird, führt bei Fischen und Vögeln zu schweren Krankheiten, etwa zu Nierenversagen. Hinzukommen Rückstände von anderen Schmerzmitteln und weiterer Medikamente", so Dr. Regina Bechstein-Walther.

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