Schleichwege zu nutzen kann teuer werden. In Friedberg sorgte nun eine Verkehrskontrolle für Ärger. (Symbolbild)
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Schleichwege zu nutzen kann teuer werden. In Friedberg sorgte nun eine Verkehrskontrolle für Ärger. (Symbolbild)

Verkehrskontrolle sorgt für Ärger

Friedberg: Autofahrerin liegt nach Schleichweg-Kontrolle im Clinch mit Ordnungspolizei

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Googelt man »Straßensperrung« und »Wahnsinn«, erhält man 38 000 Ergebnisse. Eines davon sorgte jüngst in Friedberg für Ärger. Weil Ordnungspolizisten ihrem Job nachgingen.

Friedberg – Die Ortsdurchfahrt von Fauerbach ist wieder frei, der Verkehr fließt. In der Ortsmitte des Friedberger Stadtteils wurden Versorgungsleitungen verlegt. Die Umleitung war großräumig ausgeschildert, aber wie das so ist, suchten sich viele Autofahrer einen Schleichweg. Einer war die Bügelstraße. Anwohner berichteten von brenzligen Situationen, als Autos in hohem Tempo im Gegenverkehr auf den Bürgersteig auswichen und Fußgänger Reißaus suchten. Die Stadt schritt ein, machte die Bügelstraße zur Einbahnstraße und schickte Ordnungspolizisten zur Kontrolle raus.

»Es gibt noch andere Schleichwege« lautete am Freitag die Überschrift eines Artikels, in dem beschrieben wurde, wie Autofahrer die enge Wilhelm-Leuschner-Straße in eine Art Autobahnzufahrt verwandelten. Auch die Straße »Am Herrengarten«, direkt hinter dem Bahndamm, wurde als Schleichweg benutzt.

Friedberg: „Anlieger frei“ oder inoffizielle Maut-Straße?

»Anlieger frei« verheißt dort ein Schild. Am Montag vergangene Woche kontrollierten dort Ordnungspolizisten den Durchgangsverkehr. Eine Leserin berichtete der WZ von ihrem Zusammentreffen mit den Ordnungshütern. Sie musste ihren Vater in Ossenheim mit Medikamenten versorgen, da dieser das Haus nicht verlassen durfte. Sie fuhr bis vor die Baustelle, wusste nicht weiter und bog rechts ab in die Kirchgasse. Das Schild »Anlieger frei« habe sie gesehen. »Das gebe ich auch zu.« Dass sie angehalten wurde und nun ein Bußgeld über 20 Euro zahlen muss - ist halt so. Aber dann kam’s.

Wird eine Straße gesperrt, müssen Autofahrer, die nicht auf die Umgehungsschilder geachtet haben, erst einmal navigieren.

Vor und nach ihr fuhren weitere Fahrzeuge, die ebenfalls angehalten wurden. »Deshalb fragte ich die Beamten, wo ich lang fahren könnte, da es nicht ausgeschildert war und ich nach Ossenheim muss. Daraufhin sagte der Beamte mir, ich könnte die Straße geradeaus fahren, wenn ich 20 Euro bezahle.« Also eine Art Maut? Die Leserin berichtet, sie habe nachgefragt, wo da der Sinn sei. Der Ordnungspolizist habe geantwortet, man müsse die Anwohner schützen, die Straße sei nur für Anlieger frei.

Friedberg: Beim zweiten Mal Platzverweis

Die Leserin fragt sich, warum die Ordnungspolizisten in der Mitte der Gasse standen und nicht vorne, »um die Leute zu navigieren, damit diese erst gar nicht reinfahren«. Sie fuhr zurück, ihr Mann fotografierte die Verkehrsschilder, die sie den Ordnungspolizisten zeigen wollte. Als sie dort wieder vorfuhr, wurde sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie erneut gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen habe. Daraufhin bekam sie einen Platzverweis erteilt.

Die Ordnungspolizisten hätten ihr nicht die Umgehung nennen könne, kritisiert die Leserin. Und sie sei auch nicht die einzige gewesen, die danach gefragt habe. »Aber komplett Friedberg zu umfahren und auf eigene Faust eine Umleitung zu suchen, erscheint mir in diesem Fall unverhältnismäßig.« Die Ordnungspolizisten »sollten wirklich wichtigeres zu tun haben, als dort Bußgelder zu verhängen.«

Da widerspricht Erste Stadträtin und Ordnungsdezernentin Marion Götz (SPD). »Das ist ja gerade die Aufgabe der Ordnungspolizei, besonders, wenn es zu Beeinträchtigungen der Anwohner kommt.« Für die Ausschilderung der Umgehung sei der Wetteraukreis verantwortlich gewesen. »Die Schilder haben dagestanden und waren gut zu sehen.« Viele hielten sich aber nicht dran.

Friedberg: Verkehrskontrollen gewinnen „keine Beliebtheitspreise“

Die Ordnungspolizisten hätten das Gespräch mit der Dame etwas anders geschildert. »Die Dame wurde als sehr uneinsichtig beschrieben.« Auch habe es kein Angebot gegeben, dass sie für 20 Euro die Straße befahren dürfe; das sei wohl ein Missverständnis.

Die Verkehrskontrollen seien notwendig gewesen, da sich »Autofahrer reihenweise nicht an die Beschilderung hielten und es massive Beschwerden der Anwohner gab«, sagte Götz. Viele Autofahrer würden Umleitungsschilder einfach missachten. »Das haben wir vergangenes Jahr in der komplett gesperrten Bismarckstraße gesehen. Da sind Autofahrer trotz der Schilder direkt bis vor die Baustelle gefahren.«

Mit Verkehrskontrollen, weiß die Erste Stadträtin, gewinne man »keinen Beliebtheitspreis«; dennoch seien sie nötig. Götz: »Es gab in der Bügelstraße gefährliche Situationen, als Mütter mit Kinderwagen oder ältere Menschen auf dem Bürgersteig von Autos bedrängt wurden. Ohne Kontrollen geht es nicht.«

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