koe_ScreenshotLoveLetter_4c
+
Mit viel Abstand, aber umso mehr Herzblut widmen sich Ursula Buschhorn und Peter Kremer dem »Drama in Briefen« des Erfolgsautors A. R. Gurney.

Schauspieler lesen vor leeren Stühlen

  • vonHaimo Emminger
    schließen

Friedberg (emh). Endlich konnte der Spielbetrieb der Volksbühne wieder Fahrt aufnehmen, wenn auch nur im Livestream und damit vor leeren Stühlen in der Stadthalle. Dafür aber mit den sehr bekannten Film-, Bühnen- und TV-Seriendarstellern Ursula Buschhorn und Peter Kremer, die »Love Letters« spielten. Geschrieben hat das erstmals 1988 in New York aufgeführte »Drama in Briefen« der Erfolgsautor A.

R. Gurney, dessen Stück zum Pulitzerpreis nominiert worden war.

Auf der riesigen dunklen Bühne der Stadthalle sitzen die Protagonisten an zwei Tischen in gebührendem Abstand, Melissa Gardener und Andrew Makepeace Lad III., die sich aus der frühen Schulzeit kennen. Sie lesen Notizen, Briefe und Postkarten, die sie dem anderen schreiben. Es muss den Mimen nicht leichtgefallen sein, vor sich einen Zuschauerraum mit 700 leeren Plätzen, und unpersönlichen Kameras zu wissen.

Ernst des Lebens fordert Tribut

Doch die Profis ihrer Zunft finden sich schnell in ihre Rollen als sprechende Schreiber ihrer Mitteilungen. Sie flüstern, rufen, begehren auf, unterbrechen sich, erschöpften sich, wenn sie ihre Hoffnungen, ehrgeizigen Ziele, Träume und Enttäuschungen, Siege und Niederlagen über einen Zeitraum von rund 50 Jahren zu Papier bringen.

Zu schüchtern in der Schulzeit, um einander näherzukommen, drücken die Briefe unerfüllte Hoffnungen aus. Der Militärdienst und Studium rücken Melissa und Andrew geografisch auseinander - der Ernst des Lebens fordert seinen Tribut, aber über das Geschriebene bleiben sie auch emotional in Kontakt. Während Melissas Ehe (eine Tochter) in die Brüche geht und sie sich der Kunst widmet, trinkt und mehrere Entzüge braucht, berichtet Andrew über drei tolle Kinder, wird gar Senator. Die Mitteilungen werden seinerseits sachlicher, ihrerseits vom Absturz gezeichnet. »Die Welt hat so verschiedene Menschen hervorgebracht: Die versoffene Geile und der korrekte Erfolgreiche!«

Mit den Jahren änderte sich auch die Kleidung: Anfangs beide im T-Shirt, später weiße Bluse, Hemd, Schlips, Jackett. Immer wieder steht die Frage nach einem Treffen im Hintergrund der Briefe. Aber die politische Karriere, seine Frau, die Kinder. »Du musst Geduld haben!« Und: »Telefoniere nicht mehr, jeder Anruf wird von meinem Büro überprüft.

Auf Dauer schlägt der Brief doch das Telefon. Über die wider Erwarten schließlich doch noch gemeinsam verbrachte Nacht jubelt Melissa: »So viel Spaß im Bett habe ich noch nie gehabt; Es war die Erfüllung der letzten 50 Jahre!«

Bei seinem nächsten Versuch für ein Treffen ist es schon zu spät. Sie will nicht, dass er sie besucht, und stirbt beim erneuten Entzug.

Mit einem weißen Tuch über dem Kopf hört sie den Brief Andrews an ihre Mutter: »Wir haben uns in verschiedene Richtungen entwickelt, aber wir haben uns doch etwas gegeben. Ich weiß jetzt, dass ich sie geliebt habe, seit der 2. Schulklasse.« Die Tote antwortet: »Andy, ich danke Dir.«

Das bewegende Stück hätte sich beim Live-Auftritt sicher noch stärker entfalten können. Leider konnten es jetzt nur die Abonnenten der Volksbühne über den per E-Mail zugesendeten Zugangscode sehen. Das waren - ebenfalls leider - nur rund 170.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare