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Der Film »Die Vögel« zählt zu den Hitchcock-Klassikern: Synchronsprecher und Schauspieler Jens Wawrczek bringt gestenreich Wut, Verzweiflung und Angst auf die Bühne.

Schauer über den Rücken

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Bis heute hat Alfred Hitchcock weltweit unzählige Fans. Der britische Regisseur, Autor und Filmproduzent gilt mit seinen 54 Spielfilmen als der Meister des spannenden und zugleich humorvollen Thrillers schlechthin. Ein ganz großer Hitchcock-Fan ist Schauspieler Jens Wawrczeck, der am Freitagabend zu Gast im Theater »Altes Hallenbad« war.

Aus »Die drei ???«

Mit seiner Lesereihe »Hitch und ich« erfüllte sich Wawrczeck einen lang gehegten Traum. Bekannt wurde der 1963 in Dänemark geborene Wawrczeck jedoch in seiner Rolle und damit als Stimme des Detektivs Peter Shaw in der Hörspielserie »Die drei ???«.

»Ich liebe die Filme von Hitchcock, der wie kein anderer seine Ängste und Sehnsüchte, aber auch seinen englischen Humor in Bilder umgesetzt hat«, sagte Wawrczeck zu Beginn seiner »szenischen Lesung«, wie der Abend angekündigt worden war. Doch diese Bezeichnung wird dem Auftritt Wawrczecks nicht gerecht. Dem gefragten Synchron- und Hörspielsprecher ist es gelungen, die literarische Vorlage von Hitchcocks Klassiker »Die Vögel« so lebendig auf die Bühne zu bringen, dass den Besuchern immer wieder ein Schauer über den Rücken lief. Es gelang ihm, die Besucher so zu fesseln, dass von diesen im abgedunkelten Raum nichts zu hören waren. Wawrczeck zelebriert Wut, Angst und Verzweiflung der von Vögeln angegriffenen Familie authentisch, nicht zuletzt dank seiner ausdrucksstarken Gestik. Zu dem gruselig-spannenden Seh- und Hörgenuss trug auch Jan-Peter Pflug bei. Dieser erzeugte die zum Text passenden Geräusche auf dem Theremin, dem 1920 erfundenen einzigen elektronischen Musikinstrument, das berührungslos gespielt wird und dabei direkt Töne erzeugt.

Zwei Elektroden dienen als Antennen des Hochfrequenssenders und Pflug steuert durch das bewegen seiner Hände sowohl Tonhöhe als auch Lautstärke, die durch den angeschlossenen Laptop noch verfremdet werden. Das Schreien der Möwen wirkt absolut authentisch, während das Flügelschlagen der Vögel »klassisch« durch Rascheln von Papier direkt vor einem Mikrofon entsteht. Düster und gruselig sind auch die elektronischen Musiksequenzen zwischen den einzelnen Kapiteln der Novelle und die Untermalung einiger Filmszenen aus dem Hitchcock-Klassiker.

Mit offenem Ende

Hoch konzentriert agieren Wawrczeck und Pflug während des gesamten Auftritts, indem der Schauspieler immer wieder in die Rollen der Protagonisten schlüpft und so noch mehr Spannung erzeugt.

Eines haben die Novelle und der Film gemeinsam: Es gibt keine Erklärung, warum die Vögel plötzlich aggressiv werden, Menschen angreifen: Nach dem offenen Ende belohnten die Besucher die beiden Akteure mit langem Beifall. »Wir entlassen sie nicht depressiv, sondern spielen als Rausschmeißer immer ein passendes Lied aus einem Hitchcock-Film«, sagte Wawrczeck, während Pflug vom Theremin zum Akkordeon wechselte.

Zu den Vögeln jedoch passte kein Lied aus einem Hitchcock-Film. So entschieden sich die Beiden für »Feed the Birds« (Füttere die Vögel) aus dem 1964 entstandenen Film »Mary Poppins«. »Beide Filme passen zumindest zeitlich zusammen«, erklärte Wawrczeck, der anschließend zahlreiche Fragen zu Hitchcock und den literarischen Vorlagen beantwortete, während Pflug auf der Bühne Besuchern das Theremin erläuterte.

Gruseliger Hörgenuss: Mit dem berührungslos gespielten Theremin erzeugt Jan-Peter Pflug das Schreien der Möwen.

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