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Sebastian Scheid ist konzentriert und kreativ bei der Arbeit. So fertigt er seine keramischen Installationen.

Schalen zum Hinschauen

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Wetteraukreis (prw). Keramischen Installationen von Sebastian Scheid sind derzeit bei »Kunst in Kirchen in der Wetterau« in der evangelischen Kirche Düdelsheim zu sehen. Dieses Jahr lautete das Motto der Kunstaktion »hinschauen«.

»Hinschauen bedeutet für eine Konzentration auf die Grundwerte der Menschlichkeit. Sie ist es, auf die wir uns ausrichten sollten, die Achtung vor anderen Menschen, vor der Natur und allen Geschöpfen. Hinschauen, wo andere wegschauen. Hinschauen und erklären, wo andere nichts sehen«, so der Keramiker Sebastian Scheid, der in Düdelsheim seine Werkstatt hat.

Scheid zeigt im Chor der Kirche sechs große Schalen, die jeweils unter den Auflagern der Rippen des Netzgewölbes hängen. Jede Schale ist ein Punkt, an dem man angeregt wird, sich mit seinen Gedanken in das Zentrum ziehen zu lassen, genau hinzuschauen.

Was sieht man bei dem Blick in die Schale, die auch als eine Art Linse oder ein Auge betrachtet werden kann? Die unterschiedlich gestalteten Schalen haben Größe und Form in etwa gemein. Jede Schale soll durch ihre Gestaltung andere Assoziationen wecken und zu einem unterschiedlichen Hinschauen verleiten. Die Schalen haben unterschiedliche Namen und interpretieren in ihrer Gestaltung Erde, Feuer, Himmel, Mond, Universum und Meer.

Scheid sieht eine große Gemeinsamkeit zwischen dem Pilgern als Form der Meditation, der Kirche als Ort der Besinnung auf Gott und dem Töpfern. Eine Arbeit, bei der der Künstler in sich ruhen muss, um sein Werk zu schaffen.

Der Wetterauer Künstler spricht über seine Motivation und beantwortet Fragen zu seinen Objekten.

Worin bestand für Sie der Reiz an »Kunst in Kirchen« teilzunehmen?

Als Wetterauer war mir Kunst in Kirchen von den vergangenen Veranstaltungen her bekannt. In diesem Jahr eine Konzeption für meine Heimatkirche in Düdelsheim machen zu dürfen, ist eine reizvolle Aufgabe für mich. Zu sehen wie die anderen Künstler »ihre« Kirchen und das Thema »hinschauen« bearbeiten ist zusätzlich sehr interessant.

Was reizt Sie als Künstler, in einer Kirche auszustellen?

Ein Kirchenraum unterscheidet sich allein schon in seiner Dimension und Architektur zu den meisten anderen Ausstellungsräumen. Es stellt eine Herausforderung dar, in diesem Fall den ältesten Teil der Kirche, den frühgotischen Chor mit seinem Kreuzrippengewölbe zu bespielen.

Mit Ihrem Beitrag beziehen Sie Position zum Thema »hinschauen«. Sehen Sie darin ganz allgemein eine gesellschaftliche Relevanz?

Beim Thema »hinschauen« sehe ich eine gesellschaftliche Relevanz. Hinschauen im Kontext von »Kunst in Kirchen« impliziert für mich eine vertiefte Betrachtung von gesellschaftlichen Problemen. Mit meinem Beitrag möchte ich den Blick fokussieren auf etwas, das im Alltag unterzugehen droht, sei es im ganz persönlichen Leben oder in unserer Gesellschaft allgemein.

Eine Kirche ist der Ort, in dem man das Gespräch mit Gott sucht. Traditionelle Kirchenbilder erleichtern dieses Gespräch. Zeitgenössische Kunst kann da wie ein Fremdkörper wirken. Ist das so gewollt?

Das kann ich nur für mich und meinen Beitrag beantworten. Ich glaube nicht, dass meine keramische Installation der sechs Schalen in der Kirche als Fremdkörper wahrgenommen wird. Meine Intention ist es dem Betrachter einen Ort zu geben, an dem er innehält und angeregt wird, genauer hinzuschauen.

Darf Kunst hier provozieren und anecken? Was darf Kunst überhaupt, was ist ihre Aufgabe?

Natürlich darf Kunst provozieren und anecken, aber meines Erachtens nicht um des Selbstzweckes der Provokation willen und allein, um Aufmerksamkeit zu erheischen. Kunst kann aktuelle Themen, die unsere Gesellschaft beschäftigen, behandeln und zum Diskurs anregen. Kunst kann die Welt so zeigen, wie sie der Künstler sieht, ob gegenständlich oder abstrakt, es gibt unendliche Positionen.

Welche Reaktionen erwarten Sie von den Besucherinnen und Besuchern?

Ich erhoffe mir, dass meine Installation die Besucherinnen und Besucher dazu anregt, einen Moment zu verharren und hinzuschauen. In der Mitte des frühgotischen Chors steht der Altar als Mittelpunkt der Kirche, dahinter unter den Auflagern des Kreuzrippengewölbes hängen die sechs keramischen Arbeiten, vielleicht ermöglicht diese Konstellation einen ganz persönlichen inneren Dialog.

Die Schalen des Künstlers hängen im ältesten Teil der Kirche, dem frühgotischen Chor mit seinem Kreuzrippengewölbe.

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