Saubere Sache: Aufräumen nach der Silvesterknallerei

Friedberg/Bad Nauheim (jw). Es ist nicht nur die erste Reinigungsaktion des Jahres, sondern auch jene, die von den wenigsten Bürgern wahrgenommen wird. Während die nämlich noch schlafen, sind fleißige Arbeiter und freiwillige Helfer am Morgen des 1. Januar damit beschäftigt, die Reste der Silversterknallerei zu beseitigen.

Mit dabei seit nunmehr 17 Jahren ist die islamische Reformgemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat. Knapp 50 Helfer kehrten gestern Morgen in Friedberg die Kaiserstraße und in Bad Nauheim den Marktplatz. "Das ist eine symbolische Aktion. Wir wollen damit zeigen, dass wir zu dieser Gesellschaft gehören und integriert sind", sagt Azmat Ahmad, Sprecher der Friedberger Ahmadiyya-Gemeinde.

Am Neujahrsmorgen sind die Straßen in den Städten weitgehend leer, man trifft nur wenige Menschen. Da zieht ein armer Kerl von Mülleimer zu Mülleimer und sucht Pfandflaschen, dort suchen ein Papa und sein kleiner Sohn nach abgebrannten Silvesterraketen. "Die kann man gut zum Basteln gebrauchen", lacht der Vater, während der Sohnemann unter der Last der langen Holzstäbe ins Wanken gerät, aber so entschlossen guckt, als würde er sein wertvolles Sammelgut nie mehr rausrücken.

Für die Mitarbeiter des Bad Nauheimer Baubetriebshofs ist die Straßenreinigung an Neujahr eher eine profane Sache. Sechs Reinigungskräfte sind im Einsatz, einer davon ist Rainer Bundschuh. Er ist seit Jahrzehnten an Neujahr im Einsatz. Letztes Jahr hatte er Urlaub, irgendwie hat ihm etwas gefehlt. "Diesmal bin ich wieder dabei. Das muss einfach sein", lacht er. Drei, vier Stunden, dann sei der gröbste Dreck beseitigt.

"Diese Arbeit am Neujahrstag wird immer notwendiger. Von Jahr zu Jahr wird mehr Müll produziert", sagt die Erste Stadträtin Brigitta Nell-Düvel (Grüne). Die Mitarbeiter wüssten aus Erfahrung, wo viel gefeiert und geknallt wird und wo es nachher folglich am schlimmsten aussieht. Parkstraße, Stresemannstraße und Hauptstraße gehören dazu. Der Rest wird dann heute gekehrt. Neben den Reinigungskräften sind in Bad Nauheim auch zwei Mülltonnen-Autos unterwegs. Die grauen Tonnen sind ein beliebtes Ziel von Kracher-Anschlägen. Am Marktplatz ist eine davon regelrecht in Fetzen geflogen, sie wird ersetzt. Die Kosten der Silvesterknallerei tragen somit auch jene, die gar kein Geld für Raketen und Knallfrösche ausgeben.

In Bad Nauheim waren es elf Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde, die nach Gebet und gemeinsamem Frühstück zu Besen und Müllsäcken griffen und sauber machten. Man habe überlegt, ob die Pyrotechnik immer besser werde und mit weniger Verpackung auskomme oder ob die Explosionen so stark seien, dass die Reste gar nicht mehr eingesammelt werden müssten, erzählt Gemeinde-Sprecher Zahoor Qamar mit einem Schmunzeln.

Sein Kollege Azmat Ahmad in Friedberg hingegen berichtet, es gebe diesmal mehr Müll als in den Vorjahren. "Wir hätten viel mehr Besen benötigt." In Friedberg säubern die Ahmadiyya-Mitglieder die Kaiserstraße von der Burg bis zum Elvis-Presley-Platz. Was zusammengekehrt wird, landet in blauen Säcken, Mitarbeiter des Bauhofs holen den Müll dann ab. "Wir wollen mit der Aktion ein Zeichen setzen", sagt Ahmad. So wie die christlichen Kirchen wollen auch die Muslime darauf hinweisen, dass mit dem Feuerwerk letztlich "Geld verbrannt" wird. Geld, das ärmere Länder gut gebrauchen könnten. "Waqar-e-Amal" nennen die Ahmadiyya ihre Reinigungsaktion.

Das heißt so viel wie "ehrenvolle Arbeit ohne Gegenleistung" und erinnert daran, dass laut der Lehre des Islam der Mensch geboren wurde, "um Gott und seinen Mensch zu dienen". Zugleich könne man damit die Barrieren sozialer Unterschiede beseitigen.

Ausstellung in der Stadthalle

Dies ist auch das Ziel der Ausstellung "Eine Reise durch die islamische Zeit", welche die Friedberger Ahmadiyya-Gemeinde vom 6. bis 8. Januar in der Stadthalle zeigt. Die öffentliche Debatte über den Islam beschränke sich häufig auf einzelne Aspekte wie Fundamentalismus oder Extremismus. Dieser selektiven Wahrnehmung wolle die Ausstellung entgegenwirken, erklärt Ahmad. "Wir wollen das Bild vom Islam zurechtrücken und den Dialog mit den anderen Bürgern fortführen."

Zur Ausstellungseröffnung am Montag um 11 Uhr wird Landrat Joachim Arnold erwartet, die Öffnungszeiten in der Stadthalle sind täglich von 11 bis 20 Uhr. Neben den Ausstellungstafeln mit Informationen über den Islam werden von Montag bis Mittwoch jeweils um 18.30 Uhr Vorträge zu den Themen "Glaubensfreiheit im Islam", "Die Stellung der Frau im Islam" und "Der Prophet der Barmherzigkeit – Muhammad" angeboten.

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