Geschäftsschluss nach 36 Jahren

Sanfter Ausstieg: Elektrohändler Häller zieht den Stecker

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Das Internet war nicht schuld: 36 Jahre lang blieben dem Elektrofachmarkt Häller in Friedberg die Kunden treu. Doch irgendwann muss Schluss sein. Häller versucht’s mit dem "sanften Ausstieg".

Die Regale sind abgebaut, im 260 Quadratmeter großen Verkaufsraum in der Strassheimer Straße 30 stehen noch vier Waschmaschinen und zwei Elektroherde, ein Batterien-Ständer und kleinere Geräte wie Bügeleisen oder Mixer. "Den Rest haben wir verkauft", sagt Peter Häller. "Nächste Woche wird ausgeliefert." Es geht also weiter, so ganz will und kann der 66-jährige Groß- und Einzelhandelskaufmann, der zugleich Radio- und Fernsehtechnikermeister ist, seine Passion nicht aufgeben. Aber das Ladengeschäft ist zu und die Rente eingereicht.

Im Mai 1993, vor 25 Jahren, bezog Häller seine eigenen Geschäftsräume im Industriegebiet Süd. Seinen Elektrofachhandel gab es da schon elf Jahre lang. Als erstes "Shop-in-Shop-Modell" in Friedberg hatte sich Häller 1982 selbstständig gemacht, firmierte in den Räumen des Elektrofachgeschäfts Schroeder, zuerst in der Friedensstraße, dann ein paar hundert Meter vom späteren, eigenen Standort entfernt in der Pfingstweide. "Damals gab es hier nur eine Handvoll Firmen." Häller kümmerte sich um die "braune Ware" (Unterhaltungselektronik), Schröder um die "weiße" (Waschmaschinen etc.). Verkauf, Installation und Wartung, alles aus einer Hand.

Bis zu zehn Angestellte

Das neu entstehende Industriegebiet Süd boomte. Häller und seine Kollegen organisierten in den Achtzigern im Zeichen des Pfingstbrunnens Tage der offenen Tür, mit Hubschrauberrundflügen und Kinderaktionen. Die Kunden strömten, die Firmen expandierten. Am neuen Standort wurde das Angebot ausgeweitet. Häller bot das komplette Sortiment, von der Hifi-Anlage bis zum Kühlschrank. "In Spitzenzeiten hatte ich zehn Angestellte. Wir fuhren mit drei Service-Teams zu den Kunden raus."

Acht oder zehn junge Leute hat er in 36 Jahren ausgebildet. Das Geschäft (und somit das wirtschaftliche Risiko) übernehmen, wollte keiner. Auch nicht die drei Kinder, die wie seine Frau im Laden mit anpackten und längst eigene Wege gehen. Die Unterhaltungselektronik war schon immer die große Leidenschaft von Peter Häller. Das fing an, als er Schüler war und sich als Aushilfe bei "Nowak und Maertins" (später "Nowak und Peichl") in Bad Nauheim ein paar Pfennige verdiente. Wenn Häller erzählt, spürt man, wie sehr ihm der Kontakt zu den Kunden am Herzen liegt. Wenn sich die Waschmaschine wieder dreht und der Fernseher wieder läuft, ist für sie die Welt wieder in Ordnung, und dann ist auch Häller zufrieden. Die kleineren Probleme erledigt er nebenbei am Telefon, so wie letzte Woche bei dem Kunden, dessen neuer Fernseher nicht lief. "Ich habe ihn gefragt, ob er ihn auch angeschaltet hat. Sonst bringt das mit der Fernbedienung nichts. Plötzlich lief der Fernseher", lacht Häller.

Hällers Erfolgsrezept

Klar, den Preisdruck durch den Internethandel habe man gespürt. "Aber das gab’s doch schon immer. Vor 40 Jahren haben Mediamarkt und Saturn die Kleinen unter Druck gesetzt, jetzt bekommen sie selbst das Internet zu spüren. Dafür hatten wir den Kundendienst", macht Häller klar, wie sich kleinere Firmen behaupten konnten. "Die Kunden waren uns persönlich bekannt. Das macht den Unterschied. Viele ältere Kunden schauen auch nicht zuerst auf den Preis, sie wollen Qualität kaufen." Die hatte Häller im Sortiment, samt Rund-um-Versorgung.

Den Kundendienst macht er weiter. Nicht im Fulltime-Job, sondern zwei Tage in der Woche, für langjährige Geschäftskunden, darunter viele Behörden. Das Reparatur-Geschäft ist rückläufig, seit Fernsehgeräte 20 Jahre halten und danach entsorgt werden, weil ein Neukauf günstiger ist.

Demnächst folgt der Abverkauf des restlichen Sortiments, alles zu stark verbilligten Preisen. Dann geht’s mit der Frau auf die Jagd; im Vogelsberg renovieren die beiden eine Jagdhütte. Langweilig werde ihm nicht, sagt Häller: "Wir sind gesund, wir haben drei gesunde Kinder, alles ist gut."

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