Am Samstag wird das erste Sträußchen rausgehängt

Friedberg/Bad Nauheim (jw). Was kann schöner sein, als ein Ebbelwoi im Freien, ergänzt durch Handkäs’ oder Hausmacherwurst. Rechtzeitig zum Beginn der Außenbewirtschaftungs-Saison hat der Landtag das Gaststättengesetz geändert: Straußwirtschaften dürfen mehr Gäste bewirten, müssen sich nicht mehr auf "kalte und einfach zubereitete warme Speisen" beschränken.

Die beiden heimischen Straußwirtschaften "Zum Gerippte" in Ockstadt und "Rote Pumpe" in Nieder-Mörlen sind davon aber nicht betroffen. Beide Lokalitäten haben eine Gaststättenkonzession, durften auch vorher schon mehr als übliche Straußwirtschaften. Die "Rote Pumpe" öffnet am Samstag ihren Betrieb, das "Gerippte" startet am 20. April in die Saison.

In Straußwirtschaften wird selbst erzeugter Wein ausgeschenkt. Karl der Großen soll im Jahr 812 den Winzern den Betrieb erlaubt haben. Der Name leitet sich von Sträußen ab, dieam Tor aufgehängt werden. Gut möglich, dass es auch in der Wetterau bald mehr Straußwirtschaften gibt. CDU und FDP sehen die Novellierung des Gaststättengesetzes als "Beitrag zur Entbürokratisierung". Es gilt aber weiterhin: Straußwirtschaften haben längstens vier Monate im Jahr geöffnet, zwei Wochen vorher muss der Betrieb den Behörden gemeldet werden.

Ulli Schwabe ("Rote Pumpe") und Eva Maria Scharf ("Zum Gerippte") würden es begrüßen, wenn weitere Straußwirtschaften öffnen. Schwabe: "Je mehr, desto interessanter für die Gäste. Vielfalt lockt Touristen an. Nur müssen die Straußwirtschaften auch guten Apfelwein keltern." Ein Grund, weshalb viele Kelterer davor zurückschrecken, nennt Scharf: "Viele haben Angst vor den Gesetzen. Aber das ist gar nicht so kompliziert, und die Hygienevorschriften sind zum Besten des Kunden."

Außerdem macht eine Straußwirtschaft viel Arbeit. Meist hilft die ganze Familie mit. "Man darf die Arbeit nicht unterschätzen", sagt Scharf. Und es kommt das Wetter hinzu. "Wir spüren die Klimaveränderungen schon seit fünf Jahren. Es ist früher warm, aber im letzten Jahr war der Juni eine einzige Katastrophe." Kalt und regenerisch war’s. Trotz der vielen Arbeit freut sich Eva Maria Scharf auf den Beginn ihrer mittlerweile 17. Saison: "Man muss den Trubel lieben. Die Apfelweinkundschaft ist fröhlich, gesellig und babbelt gern."

Auch wenn aufgrund der Gaststättenkonzession die frühere Vorgabe von 40 Sitzplätzen nicht galt, kann sowohl im "Gerippten" als auch in der "Roten Pumpe" etwa diese Zahl an Gästen bewirtet werden. Hinzu kommen Plätze in den Scheunen. "Wir haben zusätzlich zum Hof den Kuhstall", erzählt Uli Schwabe. Kommen mehr Gäste, werden noch Tische und Bänke dazugestellt. Auch die Speisekarte ist in beiden Betrieben reichhaltiger als in üblichen Straußwirtschaften. Einschränkungen gibt’s nur aus Platzgründen. Während es im "Gerippten" auch Braten oder Bratkartoffeln gibt, setzt die "Rote Pumpe" laut Schwabe "auf unsere Spezialität: den Handkäse. Wird in Ockstadt hausgemachter und gemischter Apfelwein serviert (Eva Maria Scharf: "Mein Mann sagt immer: Wir sind einfach und bodenständig."), so gibt’s in Nieder-Mörlen auch sortenreines Stöffchen.

Beitrag zum Naturschutz

Neu ist dort ein Apfelschaumwein vom Johannisberg. "Der erste Sekt vom Johannisberg", grinst Schwabe. Die roten Kaiser-Wilhelm-Äpfel kommen von der vom Naturschutzbund betreuten Wiese am Skulpturenpark. Im "Gerippte" werden dieses Jahr erstmals Lammknacker serviert: eine Art Pfefferbeißer aus Fleisch von heimischen Schafen. Scharf: "Die riechen nicht nach Lamm, schmecken super." Und sind, wie Landrat Joachim Arnold jüngst bei einem Treffen der Kooperation "Wetterauer Landgenuss" betont habe, ein Beitrag zum Naturschutz. Scharf: "Die Schafe halten die Flächen sauber, die Pflege der Streuobstwiesen erhält unsere Naturlandschaft. Gaststätten, die heimische Produkte anbieten, tragen ihren Teil dazu bei."

Reguläre Straußwirtschaften ohne Gaststättenkonzession gibt es in Friedberg und Bad Nauheim keine. Wie eine Mitarbeiterin des Friedberger Gewerbeamtes sagte, gilt für solche Betriebe eine "Konzessionierung unter vereinfachten Bedingungen". Anmeldungen neuer Betriebe gibt es bislang noch keine.

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