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Auf der gepachteten Ackerparzelle eigenes Gemüse anbauen: Das ist das Konzept des Friedberger Saisongartens. FOTO: PV

Saisongarten: In Corona-Zeiten mehr Parzellen

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Friedberg(pm). Mit 30 verpachteten Parzellen hatte der Friedberger Saisongarten, der hinter dem Fauerbacher Sportplatz angelegt ist, 2019 im fünften Jahr des Bestehens einen neuen Rekord aufgestellt.

In diesem Jahr ist alles noch mal ein bisschen anders: Bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie wird nach Angaben der Projekt-Verantwortlichen momentan deutlich, wie sehr die deutsche Gesellschaft bei der Versorgung mit Lebensmitteln vom globalen Warenstrom abhängig ist.

Weniger abhängig von Warenangebot

Und auch davon, dass Saisonarbeiter und Saisonarbeiterinnen aus Osteuropa nach Deutschland einreisen können, um hier Obst und Gemüse zu ernten. Peter Klingmann, Betreiber des Saisongartens in Friedberg-Fauerbach fürchtet, dass durch den Mangel an Saisonkräften in diesem Jahr eine Knappheit an Gemüse herrschen könnte, insbesondere bei den Sorten, die im Anbau besonders aufwendig sind und die nicht maschinell geerntet werden können.

Auch vielen Wetterauern scheint es jetzt wichtiger zu werden, sich ein Stück weit unabhängig vom Warenangebot in den Supermärkten zu machen und sich mit Gemüse selbst zu versorgen. Ein eigener Gemüsegarten, und sei es auch nur ein Stück Acker wie beim Saisongarten, bietet nach Aussage von Klingmann aber noch mehr: Unmittelbar vor der Haustür sei der Saisongarten ein Ort im Freien, in dem man Kraft tanken und kurz abschalten könne. Von Mai bis in den Herbst hinein stehe dort qualitativ hochwertiges regionales, saisonales und ökologisch angebautes Gemüse zum Selbsternten zur Verfügung.

Die Pächter könnten einen Teil der Lebensmittelversorgung selbst regeln und auf den einen oder anderen Supermarktgang verzichten. "Gerade psychisch, sozial und ernährungstechnisch kann so ein Gemüsegarten sehr wichtig in diesen Krisenzeiten sein", sagt Klingmann. Hier könnten die Menschen trotz extremer Einschränkungen konstruktiv und schaffend bleiben. Jetzt sehe man, wie wichtig der eigene Gemüsegarten direkt am Wohnort sein könne.

Nachfrage nach Flächen steigt

Aufgrund der steigenden Nachfrage hat sich der Saisongartenbetreiber entschlossen, sein Angebot an Parzellen noch einmal aufzustocken - 35 davon sind in diesem Jahr bereits verpachtet, aber es gibt noch ein wenig Luft nach oben. "Saatgut für 15 weitere Parzellen habe ich bestellt, nun versuche ich, auch die georderten Gemüse-Jungpflanzen weiter aufzustocken", sagt Peter Klingmann.

Je nach Wetterlage öffnet der Saisongarten Ende April oder Anfang Mai am Fauerbacher Sportplatz seine "Pforten", dann können die Pächterinnen und Pächter ihr mit 25 Gemüse- und Salatsorten vorbereitetes Ackerstück übernehmen. Wasser zum Gießen ist in der Pacht enthalten. Der Abstand zwischen den Parzellen ist groß genug, sodass beim Gärtnern in Corona-Zeiten der Mindestabstand gewahrt werden kann. Für die Benutzung des gemeinschaftlichen Werkzeugs sollten eigene Gartenhandschuhe mitgebracht werden.

Wer sich dafür interessiert, einen Saisongarten zu pachten, findet weitere Informationen auf der Internet-Homepage www.saisongarten-friedberg.de. Dort ist auch die Nutzungsvereinbarung zu finden. Betreut wird das Saisongarten-Projekt seit 2014 von Michaela Schremmer, Unterstützung leistet die Lebensmittelkette Tegut.

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