In der Saarstraße soll eine Kleinkinderbetreuung entstehen

Friedberg (jw). Was tun, wenn der Bund Vorschriften macht und die Kommunen die Zeche zahlen müssen? Diese Frage stellt sich besonders bei der Kleinkinderbetreuung. Bis 2013 soll für jedes dritte Kind unter drei Jahren ein Krippen- oder Tagesmutter-Platz zur Verfügung stehen. Friedberg will aus der Not eine Tugend machen und auf vorhandene Gebäude zurückgreifen. Im städtischen Gebäude in der Saarstraße 12 soll eine neue Betreuungseinrichtung entstehen.

Einer von mehreren Vorteilen dieses Standorts: Die Sanierung des mehrstöckigen Hauses würde lediglich 360 000 Euro kosten.. Am Donnerstagabend (28. Januar) begrüßte Stadtverordnetenvorsteher Hendrick Hollender die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung und des Ortsbeirats Kernstadt zum Besichtigungstermin in der Saarstraße 12. In dem Gebäude, an der Ecke zum Edelspfad gelegen, war früher der Mieterschutzbund und dann jahrelang die Geschäftsstelle der Wetterauer SPD untergebracht; das L-förmige Gebäude im Hof, das zunächst nicht in die Planung einbezogen ist, beherbergte früher das Zollamt. Im Haupthaus stehen auf drei Stockwerken jeweils rund 100 Quadratmeter zur Verfügung, das oberste Stockwerk ist vermietet, die Wohnung wird von der Planung nicht berührt. Die Stadt hatte ein Architekturbüro mit einer Vorplanung beauftragt. 15 Räume könnten auf den drei Stockwerken entstehen: Gruppen-, Schlaf-, Aufenthalts-, Bewegungs-, Personal- und Sanitärräume. Im Hof zum Edelspfad hin soll ein Fahrstuhl angebaut werden, aus Gründen des Brandschutzes wird außerdem eine Außentreppe gebaut. Der Haupteingang liegt im Hof zur Saarstraße hin, dort muss eine Rampe für die Kinderwagen gebaut werden.

Mitarbeiter der Stadtverwaltung und des Architekturbüros erläuterten die Pläne. Demnach sind im Erdgeschoss Büro, Speisesaal und Küche geplant, in den beiden oberen Geschossen sollen Kochnischen in den Gruppenräumen eingerichtet werden. Insgesamt 20 Kinder in zwei Betreuungsgruppen könnten hier einen Platz finden.

Neben dem Hof kann auch ein etwa 5 mal 10 Meter großes Gartengrundstück in der Saarstraße genutzt werden. Um dorthin zu gelangen, müssen die Kinder allerdings durch das alte Zollamt. Pläne für eine Nutzung dieses Gebäudes gibt es noch nicht, Bürgermeister Michael Keller versprach aber, das Zollamt werde nicht an Privat verkauft, sondern bleibe für eine öffentliche Nutzung erhalten.

Bemängelt wurde, dass lediglich in den beiden Obergeschossen Sanitärräume vorgesehen sind; eine zusätzliche Toilette im Erdgeschoss wurde gefordert. Ein weiterer Knackpunkt: Reichen die Parkplätze? Morgens um 7.30 Uhr bringen die Eltern ihre Kinder, holen sie gegen 16.30 Uhr wieder ab. Diese Zeiten würden sich mit dem Schulbeginn in der benachbarten Adolf-Reichwein-Schule nicht überschneiden, sagte Bürgermeister Keller, und die Parkplatzfrage sei regelbar, etwa über Parkverbotszonen und eigens eingerichtete Haltebuchten.

Hinterfragt wurde auch, ob Treppen in einer Betreuungseinrichtung sinnvoll oder, wie der CDU-Vorsitzende Olaf Beisel meinte, nicht eher störend sind. Keller: »Treppen sind für Kinder spannende Erfahrungswelten und Lernorte.«

Ein weiterer Kritikpunkt war die energetische Sanierung des Gebäudes. Die ist nämlich erst gar nicht vorgesehen, wie die Grünen auf Nachfrage erfuhren. Für die Einrichtung erhalte die Stadt Geld aus dem Bundesinvestitionsprogramm, diese Mittel seien für 25 Jahre gebunden, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Horst Weitzel: »Die Stadt investiert also und es ist keine Wärmedämmung der Wände vorgesehen.« Sein Kollege Andrej Seuss kommentierte dies mit den ironischen Worten, dies nenne man wohl »nachhaltiges Planen«. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Olaf Osten hingegen nannte das Projekt - trotz mancher kleiner Bedenken - »eine vernünftige Überlegung«. Etwas verwundert waren viele Parlamentarier über die relativ niedrigen Sanierungskosten. Der Löwenanteil ist für die Haustechnik vorgesehen, sprich für Heizung, Elektrizität und Wasserversorgung. Hier hatten einige Stadtverordnete Zweifel, ob die vorgesehenen 360 000 Euro ausreichen.

Neubau würde 1 Million kosten

Würde die Stadt einen Neubau für 20 Betreuungsplätze errichten lassen, würde dieser nach Auskunft von Stadtbauamtsleiter Dr. Werner Braam rund 1 Million Euro kosten. Die Verwaltung habe, nachdem eine erste Vorlage vom Haupt- und Finanzausschuss als zu teuer abgelehnt wurde, extra günstig geplant, sagte Hauptamtsleiterin Cornelia Becker. Keller unterstrich die günstige Lage des Gebäudes: Schule sowie drei Kindergärten liegen in unmittelbarer Nähe, das gleiche gilt für Arbeitsamt, Stadtverwaltung und Landratsamt, und bis zur Kaiserstraße und zum Bahnhof ist es auch nicht weit. »Für die Eltern ist das eine Einrichtung der kurzen Wege«, sagte der Bürgermeister. Das letzte Wort hat nun die Stadtverordnetenversammlung.

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