Robert Mörler: 100 Jahre und kein bisschen leiser

Friedberg-Ockstadt (har). Jeden Montag geht Robert Mörler in die Singstunde des Gesangvereins Frohsinn ins Bürgerhaus und das will er auch weiterhin tun. Das Erstaunliche dabei: Der begeisterte Sänger feiert am 3. Januar seinen 100. Geburtstag.

Mit 18 trat Mörler in den Frohsinn ein, "seitdem ist Singen einfach mein Leben", sagt der Jubilar, der mit seinem Elektromobil, dem "Senioren-Scooter", natürlich alleine ins Bürgerhaus fährt.

"Singen macht mir noch immer Spa?, erzählt Mörler, der zusammen mit drei gleichaltrigen Freunden im Jahre 1932 in den Chor eintrat. "Mein Vater war zwar auch Sänger, aber dass wir singen wollen, haben wir vier ganz alleine beschlossen." Seitdem singt er im Tenor. Ins Schwärmen gerät Mörler, wenn er von den Theateraufführungen des Vereins in den Sechzigerjahren erzählt: "Da war ich im ›Schwarzwaldmädel" oder in der ›Mühle im Schwarzwald" Solist und hab’ im Duett mit Frauen gesungen." Eine feste Größe war Mörler über Jahrzehnte auch bei den Faschingsveranstaltungen des Frohsinn. Noch mit 72 Jahren stand er seinen Mann im Männerballett.

Morgens Müsli, abends Bier

Bei den Konzerten der Frohsinn-Sänger sitzt er jetzt nur noch unter den Zuschauern, das lange Stehen strengt ihn zu sehr an. Doch aufgeben will er das Singen natürlich nicht. Vor zwei Jahren wurde er vom Hessischen Sängerbund für 80 Jahre aktives Singen geehrt, eine Ehrung, die im Verband gar nicht mehr vorgesehen ist. Die Ehrenurkunde ist nur eine von mehreren, die im Flur von Mörlers Wohnung in der Nauheimer Straße hängt, doch das ist nur ein Teil von zahlreichen Urkunden, die er im Laufe der Jahrzehnte erhalten hat. In seinem Elternhaus lebt er seit dem Tod von Ehefrau Lina vor 24 Jahren alleine, macht sich Frühstück und Abendessen selbst. Sohn Heinz, der jüngste von vier Söhnen, lebt mit seiner Familie im Hinterhaus des einstigen landwirtschaftlichen Betriebs. Die Familie schaut nach dem noch sehr rüstigen Senior, der so manches Ritual schon seit Jahrzehnten beibehält.

Dazu gehören die Frühstücksgewohnheiten: "Morgens esse ich immer Müsli, entweder mit Brombeer- oder Holundersaft, dazu einen Apfel oder eine Banane", erzählt der Witwer. Zum Abendessen gönnt er sich eine halbe Flasche Bier, die zweite Hälfte wird beim Fernsehen getrunken.

Mit fünf Sachen durch Ockstadt

Mörler wurde am 3. Januar 1914 in Ockstadt geboren, hatte noch zwei Brüder und eine Schwester. Nachdem er acht Jahre die Ockstädter Schule besucht hatte, folgten zwei Jahre auf der Landwirtschaftsschule in Friedberg. Nach der Heirat mit Ehefrau Lina blieb er auf dem elterlichen Hof und führte den landwirtschaftlichen Betrieb weiter. Vier Söhne bekam das Ehepaar, Lothar, Otmar, Bernhard und Heinz wohnen alle in Ockstadt. Als Sohn Lothar den Hof übernahm, war der Jubilar 55 Jahre alt und wollte weiterarbeiten. Er nahm eine Anstellung bei der damaligen Deutschen Bundespost in Frankfurt an und fuhr die folgenden zehn Jahre bis zur Rente in die Mainmetropole.

Das alte Fachwerkhaus an der Straße, in dem er geboren wurde, ist längst abgerissen. Das neue Haus hat er mit seinen Söhnen überwiegend in Eigenarbeit gebaut, ebenso wie das große Haus im hinteren Teil des Grundstücks. Zur Familie gehören mittlerweile acht Enkel und zwölf Urenkel. Natürlich schauen die Söhne und andere Familienmitglieder immer wieder nach ihrem Vater, der bis vor gut einem Jahr noch mit dem eigenen Pkw fuhr. Doch das Autofahren musste Mörler schweren Herzens aufgeben.

Stattdessen fährt er nun mit dem Elektromobil durch Ockstadt. "Das fährt höchstens fünf Kilometer die Stunde, das ist ganz schön langsam", sagt das Geburtstagskind. Seine letzten Fahrten mit dem Auto gingen meist zum Aussiedlerhof an der Landesstraße in Richtung Bad Nauheim, wo Sohn Lothar wohnt, der langjährige Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins. Auch Robert Mörler ist "seit Jahrzehnten" Mitglied im OGV, bis ins hohe Alter war er bei der Kirschenernte dabei. "Das hat mir Spaß gemacht. Auch das Veredeln von Obstsorten habe ich gerne gemacht", erzählt Mörler, der auch die schlimmen Kriegsjahre und die Gefangenschaft in Frankreich relativ gut überstanden hat, wenn ihm auch einige Erfrierungen zu schaffen machten.

Auch mehrere schwerere Erkrankungen in den letzten Jahren konnten der Frohnatur nichts anhaben, er hakt sie einfach ab. An seinem 90. Geburtstag hatte er verkündet, nur noch runde Geburtstage zu feiern. Das hat er nun revidiert: "Wir feiern jetzt die Geburtstage, solange es geht.

" Und das könnten noch einige werden, denn die Großeltern wurden beide über 90 Jahre alt, die Mutter 94, sein Vater 86 und auch seine Brüder erreichten alle die 80.

Natürlich wird der runde Geburtstag mit der Doppel-Null heute groß gefeiert. Ab 10 Uhr ist bei Robert Mörler die Tür für alle offen, die ihm gratulieren wollen, und da er ein geselliger Mensch ist, freut er sich auf die Besucher. Die Wetterauer Zeitung wünscht dem Jubilar noch viele schöne Jahre und weiterhin viel Spaß beim Singen.

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