+
In diesem Post zeigt der AfD-Kreisvorstand die Verbundenheit zu Andreas Kalbitz.

Richtungsstreit in der Wetterauer AfD?

  • schließen

Wetteraukreis(hed/pm). Der Rauswurf von Andreas Kalbitz aus der AfD scheint auch den Wetterauer Kreisverband zu entzweien. Der Vorstand der AfD Wetterau, der für den Betrieb der Facebook-Seite des Kreisverbandes verantwortlich ist - im Impressum steht der Bad Nauheimer Andreas Lichert -, hatte einen Beitrag gepostet, der Kreisverband stehe zu Kalbitz. Dieser ist neben Björn Höcke und Lichert selbst einer der bundesweit wichtigsten Vertreter des offiziell aufgelösten, rechtsextremen "Flügels" innerhalb der AfD.

Doch nicht alle in der Wetterauer AfD stehen zu Kalbitz: Der Fraktionsvorsitzende im Wetterauer Kreistag, Michael Kuger (Bad Vilbel), hatte den Kreisvorstand in einem öffentlich einsehbaren Kommentar aufgefordert, den Post zu löschen, da dieser nicht für den gesamten Kreisverband sprechen könne. Ihm sei auch kein entsprechender Mitgliederbeschluss bekannt. Auf WZ-Anfrage antwortet Kuger, der Eintrag auf der Facebook-Seite des Kreisverbandes sei fehlerhaft gewesen. Durch den Kommentar zum Link sei "ein falscher Eindruck über die Gesamtmitgliedschaft der AfD Wetterau erweckt" worden. Er habe öffentlich interveniert, "um Schaden von der Fraktion und dem Kreisverband der AfD Wetterau abzuwenden. Der Post wurde daraufhin gelöscht und damit der Fehler bestätigt."

Seine persönliche Meinung in der Causa Kalbitz decke sich dem Inhalt eines Artikels der Wochenzeitung "Junge Freiheit". "Im Übrigen vertraue ich in der Sache unserem Bundesvorstand." Im Artikel wird der Rauswurf von Kalbitz durch Parteichef Jörg Meuthen als "Befreiungsschlag" gewertet - und als "ein mächtiges Ausrufezeichen, das schon lange überfällig war, wenn die AfD die wachsende Gefahr, in einem politischen Getto zu enden, noch einmal abwenden will".

Zu innerparteilichen Angelegenheiten wolle er sich nicht äußern, sagte Kuger, der dem Kreisvorstand selbst nicht angehört. Lichert antwortete nicht auf die WZ-Anfrage.

Antifa-BI: Kreis-AfD extrem rechts

Für Andreas Balser, den Vorsitzenden der Antifaschistischen Bildungsinitiative Wetterau, zeigt der Vorgang, dass die Wetterauer AfD abdriftet. Der Vorstand gelte seit der Wahl Licherts als "extrem rechter Kreisverband innerhalb der extrem rechten AfD". Es sei erinnert an die Auftritte von Björn Höcke und Andreas Kalbitz in Büdingen.

Lichert sei nicht nur durch seine bundesweite Führungsposition in der neuen Rechten durch den "Verein für Staatspolitik" als Aushängeschild der extremen Rechten bekannt. Auch durch seinen Versuch, seine extrem rechte Projektwerkstatt in Karben zu etablieren, habe er deutlich seine politische Agenda gezeigt, so Balser. In Karben tagte auch die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Identitäre Bewegung. Balser: "Wenn die extrem rechte AfD irgendeine Grenze zu Gruppen wie der rechtsextremen und verfassungsfeindlichen NPD ziehen möchte, müsste sie konsequent sein und auch Andreas Lichert und Björn Höcke ausschließen."

Es sei vielsagend für den Zustand der AfD Wetterau, dass der Fraktionsvorsitzende, anstatt den direkten Draht zu seiner Partei zu wählen, einen öffentlichen Kommentar hierzu abgeben müsse.

"Die Taktik, extrem rechte Ideologien unter dem Deckmantel der Bürgerlichkeit innerhalb der AfD versteckt zu halten, um für breite Wählerschichten wählbar zu sein, ist seit Jahren gescheitert", meint Balser. Die AfD ähnele unter anderen in ihrer Teilbeobachtung durch den Verfassungsschutz sowie ihrer politischen Aussagen der NPD und sei "in vielen Punkten nicht mehr von ihr unterscheidbar". Einen parteiinternen Machtkampf werde der rechte Flügel im Wetteraukreis gewinnen, ist sich Balser sicher. Die AfD kämpfe mit der NPD im gleichen Spektrum und vertrete ähnliche Positionen. FOTO: PM

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare