Volle Busse, kaum Abstand. Viele Eltern befürchten, dass sich ihre Kinder auf dem Weg zur Schule anstecken. Die Grünen haben das nun im Kreistag thematisiert. SYMBOLFOTO: DPA
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Volle Busse, kaum Abstand. Viele Eltern befürchten, dass sich ihre Kinder auf dem Weg zur Schule anstecken. Die Grünen haben das nun im Kreistag thematisiert. SYMBOLFOTO: DPA

Reisebusse zur Schülerbeförderung?

  • vonJürgen W. Niehoff
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Wetteraukreis(jwn). Wenn morgens die Kinder mit dem Bus zur Schule und die Erwachsenen zu ihrer Arbeitsstelle fahren, herrscht auch in Normalzeiten oftmals schon unangenehme Enge in den Bussen. In der Corona-Zeit wird das nun wegen der möglichen Ansteckungsgefahr zum Problem. Die Grünen wollten mit einem Dringlichkeitsantrag in der Kreistagssitzung am Mittwoch hier für Abhilfe sorgen.

In ihrem Antrag forderten sie zum einen die Verkehrsbetriebe RMV und VGO auf, durch ein erweitertes Busangebot für Entlastung im morgendlichen Schülerverkehr zu sorgen. Das könne durch das zusätzliche Anmieten von zurzeit stillstehenden Reisebussen mit deren Personal geschehen. Zum anderen sollen die Schulen durch eine Staffelung der Schulanfangszeiten für weitere Entlastung der Schulbusse sorgen.

Ergänzt wurde der Antrag der Grünen durch weitere Forderungen der FDP-Fraktion. Sie sprach sich für den zusätzlichen Einbau von Plexiglasscheiben in den Reisebussen aus sowie für mehr Kontrollen der Maskenpflicht in den jeweiligen Bussen. "Wenn überhaupt, dann stecken sich die Schüler in den Busse mit dem Coronavirus an und nicht in der Schule", begründete der FDP-Kreistags- und Bundestagsabgeordnete Peter Heidt. Er habe Ähnliches schon in der Verbandsversammlung der ZOV vorgetragen und sei da von dem zuständigen Vorstandsmitglied Oswin Veith mit den Worten "Wird erledigt" geradezu süffisant abgefertigt worden.

Dass diese Anträge einige Probleme mit sich bringen würden, darauf wies anschließend Landrat Jan Weckler (CDU) hin. Der Schülerverkehr an sich stelle schon eine große Herausforderung dar, weil beim Verstoß gegen das Maskentragegebot lediglich Polizei oder Mitarbeiter der Ordnungsämter einschreiten dürften, nicht aber die Busfahrer oder die Mitarbeiter von RMV oder VGO. Da aber weder die Polizei noch die Ordnungsämter über genügend Personal verfügten, um diese Kontrollen flächendeckend durchführen zu können, seien vor allem die Eltern gefordert. Sie müssten auf ihre Kinder einwirken, damit diese sich nicht bei jeder Gelegenheit ihrer Masken entledigen.

Auch bei der Staffelung der Schulanfangszeiten sieht Weckler ein größeres Problem. Denn das habe unmittelbare Auswirkungen auf den Linienverkehr und zwar auf die Zuverlässigkeit in Sachen Pünktlichkeit. Das beträfe dann vor allem die Eltern auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle. Im Übrigen dürfen nach der momentanen Gesetzeslage und auch nach den geltenden Versicherungsstatuten Reisebusse nicht im öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt werden.

Und weil auch das Gesetz zur Regelung der Abstandspflicht in Corona-Zeiten den vorgeschriebenen Abstand von 1,5 Metern im ÖPNV ausdrücklich aufhebt, sei nun das Land gefordert, für entsprechende Abhilfe zu sorgen.

Von der Regierungskoalition aus CDU und SPD hieß es, man verstehe die Sorgen der Eltern und wolle das Problem deshalb nicht einfach auf andere Schultern verlagern. Beide Fraktionen beantragten die Überweisung der Angelegenheit zur weiteren Beratung in den Bildungsausschuss. Dort sollen bereits in der nächsten Sitzung Vertreter von RMV und ZOV angehört und nach Konzepten in Sachen Schülerbeförderung befragt werden.

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