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Die Teilnehmer der Studienfahrt vor der Ruine von Mellifont Abbey.

Reise in ein geteiltes Land

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Friedberg(har). Nordirland sollte das Hauptziel der neuntägigen Studienfahrt werden. Darauf hatten sich die Friedberger Deutsch-Iren schon vor einem Jahr verständigt. Damals bestand noch Hoffnung auf einen geregelten Brexit Großbritanniens. Dass jedoch bei der Fahrt vom 28. September bis zum 6. Oktober die Briten und somit auch Nordirland noch immer Teil der EU sein würden, überraschte die Organisationsgruppe mit Präsident Karl Buxmann, Herbert Bartholomai, Petra Keinholz und Kallo Bösche ebenso wie die 44 Teilnehmer.

Krankheitsbedingt konnte Buxmann, der seit Gründung der Friedberger Gesellschaft zur Förderung deutsch-irischer Verständigung an deren Spitze steht, erstmals nicht an einer Irland-Fahrt teilnehmen. Schon beim ersten Halt an den Ruinen der Abtei Mellifont Abbey, etwa acht Kilometer nordwestlich von Drogheda, entstand das Gruppenbild, das, verbunden mit besten Genesungswünschen, an Buxmann geschickt wurde.

Die Brexit-Diskussion begleitete die Gruppe auf ihrer gesamten Reise. "Es gibt keine irische Grenze, es gibt nur eine Grenze in Irland, die die Briten gemacht haben", sagte ein Ire. "Wir fühlen uns als Europäer, und wir sind Iren", sagte ein Zeitzeuge, der die Gruppe durch den Bereich von Derry führte, der durch den "Bloody Sunday" traurige Berühmtheit erlangte. Am 30. Januar 1972 erschossen Mitglieder einer Eliteeinheit der britischen Armee wahllos 13 unbewaffnete Männer, darunter zahlreiche Jugendliche unter 18 Jahren, die an einem friedlichen Protestmarsch gegen die Internierung ohne Gerichtsverhandlung teilnahmen.

"Der Bloody Sunday" hat der IRA erst den großen Zulauf beschert", erklärte der Zeitzeuge. Im "Museum of Free Derry" wird die Geschichte der Unterdrückung und Diskriminierung der Katholiken in Nordirland umfassend dokumentiert. Es war dies der emotionale Höhepunkt der Fahrt.

Ein weiteres Ziel war Belfast. Die Stadtrundfahrt führte vorbei an den noch heute vorhandenen, bis zu neun Meter hohen Mauern mit politischen Wandgemälden. Diese Wallanlagen trennen noch heute die Bezirke der Nationalisten und der katholischen Bevölkerung. Ein Höhepunkt war ferner der Besuch des 2012 eröffneten Titanic-Museums, das direkt an der ehemaligen Helling, dem Bauplatz der Titanic, steht. Die vier Sternzacken des Museumsgebäudes ragen ebenso hoch in den Himmel wie einst der Bug des Rekordschiffs.

Drehort für "Game of Thrones"

Doch auch die einmalige Landschaft, die Kultur und die Geschichte im Norden der Grünen Insel standen auf dem Programm. Eine Wanderung im Glenariff Forest Park führte zu tosenden Wasserfällen, während Strandspaziergänge am Downhill Strand und Culdaff Beach der Entspannung dienten. In der Republik Irland wurde mit der Malin Head Signal Station der nördlichste Festlandpunkt Irlands besucht. Der Wind blies kräftig, doch es blieb ebenso trocken wie bei allen Ausflügen, die auch zu Drehorten der Kultserie "Game of Thrones" führten. Abends saßen die Teilnehmer in den Hotelbars zusammen. An mehreren Abenden spielten Peter Bayer aus Bellersheim (Gitarre) und Kurt Tippmann aus Lang-Göns (Blues Harp) irische Songs, Blues und Oldies.

Auf der Rückfahrt nach Dublin wartete mit dem Besuch des Freilichtmuseums "Ulster American Folk Park" ein letztes Highlight auf die Gruppe. In dem "irischen Hessenpark" mit über 30 Gebäuden und einem Schiff wird die Emigration vieler Iren in die USA erzählt. Von der "alten Welt" mit der Farm, auf der einst Thomas Mellon, später Gründer der Mellon Bank in den USA, lebte, geht es durch ein Schiff nach Amerika, wo die Iren ein neues Zuhause fanden.

Am Abend wurde der Rückflug angetreten. Mit halbstündiger Verspätung wurde Frankfurt erreicht. Schon jetzt freuen sich viele Teilnehmer auf die nächste Studienfahrt der Deutsch-Iren in den Herbstferien 2021.

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