laf_Flatterband_220521_4c
+
Im Revier Büdingen-Wolf sollen 2000 »Flatterbänder« neben den jungen Eichen Rehe abschrecken und einen Verbiss verhindern.

»Rehwildjagd mit Augenmaß«

  • vonRedaktion
    schließen

Wetteraukreis (pm). Absprache satt Obergrenze: Mit dem Gesetzesentwurf der Bundesregierung für das Bundesjagdgesetz sollen bisher verpflichtende Abschusspläne für Rehwild wegfallen. Stattdessen sollen sich Waldbesitzer und Jäger künftig auf einen jährlichen Mindestabschuss pro Revier verständigen - ohne Obergrenze.

Schutz für Neupflanzungen

Der Deutsche Jagdverband (DJV) fordert Änderungen im Entwurf: Dort, wo Forstpflanzen für den Waldumbau gepflanzt werden müssten, sei Schutz notwendig. Der DJV lehne eine Festlegung von Abschusszahlen allein auf Basis von Verbissgutachten entschieden ab und fordere eine umfassende Lebensraumbewertung.

Professor Klaus Hackländer von der Universität für Bodenkultur Wien sagt, es sei Irrglaube, dass allein erhöhter Jagddruck den Waldumbau ermögliche. Er plädiert für eine großflächige wildökologische Raumplanung, die Ruhezonen und Lebensraumverbesserung umfasst.

In der Hegegemeinschaft Büdingen-Nord unterstützen die Jäger den Waldumbau zum klimagerechten Mischwald. »In unseren Revieren betreiben wir die Rehwildbejagung mit Augenmaß und unterstützen die Bemühungen von Forst und Kommune in den gemeinschaftlichen Jagdbezirken, Jungkulturen nachwachsen zu lassen«, betont der Vorsitzende Ulrich Imhof. Gleichzeitig unterstützten viele Jagdpächter mit ihren Jägern Neuanpflanzungen durch Schutzmaßnahmen. Im Revier Büdingen-Wolf wurden 2000 kleine Roteichen durch Holzpflöcke und Flatterbänder geschützt. »Rund um diese Fläche werden wir alles an Rehwild erlegen«, sagt Revierpächter Hans-Dieter Stehr.

Den Rhythmus gestört

Ulrich Imhof weist auf den gewaltigen Corona-Freizeitdruck hin: Die Zahl der Hundehalter habe sich erhöht, die für Unruhe im Revier sorgten. Neue Rad- und Wanderwege mitten durch den Wald führten dazu, dass viele Menschen das Wild in seinem Lebensryhthmus störten.

Stehrs Beobachtungen im Revier Büdingen-Wolf zufolge habe man das Reh zum Nachttier gemacht. »Durch die starke Beunruhigung des Feldteils zwischen 6 und 23 Uhr tritt unser Rehwild erst in den späten Abendstunden aus«. Der Respekt vor dem Tier solle laut Stehr in die Diskussion mit einbezogen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare