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Zeitgleich ist am Samstagabend in der Stadtkirche wie auch in der Marienkirche Abendmahl gefeiert worden. Die Besucher beider Gottesdienste treffen sich zum gemeinsamen Segen auf dem Stadtkirchenplatz. Passend dazu zeigt sich ein Regenbogen am Himmel.

Regenbogen zum gemeinsamen Segen

  • vonRedaktion
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Friedberg (pm). Einen schöneren Abschluss des Feierabendmahls zum ökumenischen Kirchentag am Samstagabend in der Friedberger Stadtkirche hätten sich die Beteiligten nicht wünschen können: Zum Segen, zu dem sich die Besucher der evangelischen wie der katholischen Eucharistiefeier auf dem Stadtkirchenplatz versammelt hatten, zeigte sich am Himmel ein Regenbogen.

»Ein tolles Zeichen für die Ökumene«, befand Dekan Volkhard Guth, auch wenn er bedauere, dass das ökumenische Abendmahl aufgrund der Pandemie-Lage nicht gemeinsam in einer Kirche gefeiert werden konnte.

Der Friedberger Ökumene-Kreis hatte den Festgottesdienst zum Kirchentag, der in Frankfurt gefeiert wurde, organisiert - pandemiesicher dank Kontakterfassung am Eingang und großen Abständen zwischen den Sitzplätzen. Zum Abendmahl blieben die Gottesdienstbesucher auf ihren Plätzen. Ehrenamtliche Helfer hatten für jeden Besucher ein Tellerchen mit einem kleinen Kelch Traubensaft und einer Oblate vorbereitet.

Pfarrer Christian Brost und Dekan Guth sprachen Einsetzungsworte, Diakon Bernd Gaube vertrat die katholische Pfarrei Friedberg. Musiker der Dekanatskantorei mit Kantor Uli Seeger an der Spitze gestalteten den Gottesdienst musikalisch. Solistin Jutta Hahn sang das Kirchentagslied »Schaut hin«. In der dialogisch gehaltenen Predigt von Brost und Guth ging es um den Jünger Thomas, dessen Begegnung mit Jesus im Johannesevangelium beschrieben ist. Als sich Jesus den Jüngern nach seiner Auferstehung zeigt, ist Thomas nicht dabei, heißt es. Als die Jünger ihm davon erzählen, glaubt er ihnen nicht. Daraufhin erscheint Jesus den Jüngern erneut, zeigt Thomas die Spuren der Nägel in seinen Händen und lässt ihn seine Wunden berühren. Der zuvor ungläubige Thomas spricht daraufhin ein mächtiges Glaubensbekenntnis aus: »Mein Herr und mein Gott!« nennt er Jesus. »Das Bekenntnis von Thomas übertrifft alle bisherigen Glaubensbekenntnisse«, sagte Pfarrer Brost. Aus dem fragenden Unglauben werde tiefer Glauben.

Über die Wunden in der Welt

Gott habe sich mit Christus allen Leidenden in der Welt offenbart. »Die Wunden Christi sind die Wunden der Menschheit«, sagte Guth. Die Welt sei voller Wunden: »Krieg und Gewalt, die Pandemie und ihre Folgen, Missbrauchsfälle oder das Artensterben.« »Auch der ökumenische Kirchentag spricht über Wunden«, ergänzte Brost. Missbrauch, Klimawandel, Antisemitismus oder Demokratieverlust waren Themen von Workshops, Gesprächen und Diskussionen. »Jesus ist in diesen Wunden mit uns.«

Schaut hin - das Motto des dritten ökumenischen Kirchentages - das sei die Aufforderung, nicht vor dem Leid zu kapitulieren, nicht dem Bösen das letzte Wort zu lassen. »Wir werden diese Wunden nicht alle heilen können«, sagte Guth »aber wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, sondern müssen sie wahrnehmen. Schaut hin!« »Wo wir menschliches Leid berühren, wo wir uns davon berühren und ergreifen lassen, da erleben wir, dass Gott da ist«, sagte Brost. »Thomas ist so nicht bloß ein Zweifler, er öffnet uns, die wir Jesus nicht gesehen haben, vielmehr das Tor zur Erkenntnis.«

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