Mit viel Freude auf neuem Posten: Raya Schmidt ist die neue Schulleiterin der Friedberger ARS. Die 59-Jährige ist "überzeugte IGSlerin" und hat schon einmal an einer Adolf-Reichwein-Schule unterrichtet.		FOTO: NICI MERZ
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Mit viel Freude auf neuem Posten: Raya Schmidt ist die neue Schulleiterin der Friedberger ARS. Die 59-Jährige ist »überzeugte IGSlerin« und hat schon einmal an einer Adolf-Reichwein-Schule unterrichtet. FOTO: NICI MERZ

Neue Schulleiterin der Friedberger Adolf-Reichwein-Schule

Die ARS ist für Raya Schmidt wie die Ankunft im Paradies

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Normalerweise wird eine neue Rektorin feierlich begrüßt. In Zeiten der Corona-Pandemie undenkbar. Raya Schmidt freut sich trotzdem auf die Adolf-Reichwein-Schule in Friedberg.

Corona macht alles anders. An ihrem ersten Tag an der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) waren Team-Sitzungen anberaumt. »Ich bin von Zimmer zu Zimmer und habe mich vorgestellt«, erzählt Raya Schmidt. »Die Kolleginnen und Kollegen waren sehr herzlich und freundlich. Ich habe hier wirklich ein tolles Team.« Von den rund 750 Schülerinnen und Schülern hat sie bislang nur einige wenige kennengelernt. Auch an der ARS wird derzeit digital unterrichtet, nur die Abschlussklassen 9 und 10 haben Präsenzunterricht, außerdem besuchen 30 Schüler die Betreuung.

Dass die große Feier ausfallen musste - für Schmidt kein wirkliches Problem. »Wir holen das nach.« Am 11. Januar war ihr Dienstantritt. Ihr Vorgänger Dieter Maier war im August an eine Gesamtschule im Kreis Gießen gewechselt. In der Zwischenzeit leitete Konrektor Martin Preuschen die ARS. »Ich hab’s wirklich gut getroffen«, freut sich Schmidt. Das Kollegium sei relativ jung und habe viele Ideen für die Unterrichtsgestaltung.

Die Adolf-Reichwein-Schule ist eine Integrierte Gesamtschule. Die Schüler werden nach ihrem individuellen Leistungsvermögen und ihren Begabungen gefördert und gefordert. Dieses Schulsystem biete viele Chancen. »Ich bin eine überzeugte IGS-lerin«, schreibt Schmidt in einem Grußwort auf der Internetseite der ARS. Und die ARS ist auch nicht die erste Bildungseinrichtung mit diesem Namen, an dem sie Kunst und Biologie unterrichtet. Nach dem Abitur (auf einer IGS) und dem Studium in Frankfurt wurde sie Lehrerin an der Adolf-Reichwein-Schule in Lüdenscheid.

Reichwein, in Ober-Rosbach aufgewachsen, in Friedberg und Bad Nauheim zur Schule gegangen, war ein bedeutender Reformpädagoge; als Widerstandskämpfer wurde er von der Nazi-Diktatur hingerichtet. Eines seiner Leitbilder lautete: »Jedes Kind soll nach seinem eigenen Rhythmus wachsen können.« Viele Pädagogen sehen die IGS als ideale Schulform, um dieses Ziel umzusetzen.

Begabungen fördern, aber auch Leistungen fordern: Das gelte an der ARS. »Und wir haben wirklich viel zu bieten«, sagt Schmidt und zählt die Schwerpunkte der Schule auf. Die Kooperation mit der Musikschule, die Preise der Theater-AG, das Schulorchester, den Chor, aber auch besondere Sprachangebote, von Zertifikaten bis hin zu Spanisch als zweiter Fremdsprache. Die ARS ist »MINT-freundliche Schule«, setzt Schwerpunkte in Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften. In einem der Schul-Labore steht ein 3-D-Drucker. »Das ist eine zukunftsweisende Technik. Wir müssen immer dran denken: Wir bilden Schüler für Berufe aus, die es heute teils noch gar nicht gibt.«

Insofern ist der derzeitige digitale Unterricht auch die Prüfung aufs Exempel. Sie habe gerade Rückmeldungen der Eltern erhalten. »Die waren positiv.« Die Digitalisierung nennt Schmidt denn auch als einen Unterrichtsschwerpunkt. »Wir brauchen WLAN in allen Gebäuden. Die Schüler müssen den Umgang mit digitaler Technik lernen. Sie sollen begreifen, was es heißt, sich im Internet zu bewegen. Was ist wahr, welche Nachrichten sind falsch? Und wir müssen den Schülern ›Nettikette‹ beibringen«; den respektvollen Umgang mit anderen Nutzern.

Die Schüler nutzen im Unterricht verschiedenen Online-Plattformen zur Kommunikation mit den Lehrerinnen und Lehrern. Die Hausaufgaben kann jeder auf der Internetseite der Schule einsehen: Die 5. Klasse erforscht gerade Märchen, in der 6. Klasse werden Aufsätze zum Thema »Glück« geschrieben.

Die Beschulung zu Hause sei ein Spagat, sagt Schmidt. Wie alle anderen in der Schulgemeinde wünscht sie sich ein baldiges Ende der Pandemie. Zumal die ARS über ein wunderbares Gelände verfüge: Eingerahmt von Schulgebäuden und Turnhalle wirkt der große Schulhof fast wie ein umfriedeter Garten. »Das ist mir gleich aufgefallen, wie schön das hier ist.«

Das Geheimnis ihres Vornamens

Raya Schmidt (59) unterrichtet Kunst und Biologie. Sie ist, wie sie verrät, »glücklich verheiratet«, lebt in der Nähe von Gießen und hat zwei erwachsene Kinder. Ihr nicht alltäglicher Vorname gehe auf eine alte Liebe ihres Vaters zu Russland zurück. Raya ist eine Kurzform von Raissa und bedeutet sinngemäß »Paradies«. Da ist sie in einem umschlossenen Garten, in dem sich normalerweise 750 Kinder und Jugendliche tummeln, an der richtigen Adresse.

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