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Radschnellwege durch die Wetterau: Vorschläge von Bürgern erwünscht

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Von: Jürgen Wagner

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Radfahrer auf einem Radweg.
In einigen Jahren sollen Radschnellwege Pendler ins Rhein-Main-Gebiet bringen. Der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main stellt auf einer Internetseite mögliche Varianten für die Wetterau vor. © DPA Deutsche Presseagentur

Mit dem Fahrrad auf die Arbeit ins Rhein-Main-Gebiet: Das soll durch Radschnellwege leichter und sicherer werden. Bis 14. November sammelt der Regionalverband Vorschläge für die Trasse.

Wetteraukreis - Der Wetterbericht hatte für Samstag Sonne vorausgesagt, ein idealer Tag für eine Radtour. Blöd nur, dass auf Wetterberichte kein Verlass mehr ist. Eine graue Nebelsuppe hängt über Friedberg, als sich Alt-Bürgermeister Michael Keller und seine Frau Susanne am Vormittag auf die E-Bikes schwingen. Das Wetter? Kein Problem. »Auf unserer Route sind wir ruckzuck in Frankfurt«, sagen die Kellers.

Vor zwei Jahren wurde der erste hessische Radschnellweg bei Darmstadt eröffnet. Das Land treibt das Projekt voran, der Regionalverband plant neun Radschnellwege. Durch direkte Verbindungen könnten die Fahrtzeiten um 30 bis 50 Prozent verkürzt werden.

Der Regionalverband hat eine Machbarkeitsstudie gestartet, die Bürger sollen mitreden. Auf einer Internetseite können mögliche Routen kommentiert werden. Der Radschnellweg durch die Wetterau führt von Butzbach bis Frankfurt, soll acht Kommunen verbinden. 2020 haben die Anreinerkommunen und der Wetteraukreis einen Kooperationsvertrag unterzeichnet.

Radschnellwege in Friedberg: Rad-Autobahn quer durch die Stadt nicht optimal

Betrachtet man die Vorschläge für Friedberg, fällt auf, dass alle Routen quer durch die Stadt führen. »Ein Radschnellweg durch die enge Leonhardstraße? Schwer vorstellbar«, sagt Keller und nennt weitere Probleme: Die Radfahrer müssen nicht nur den Kasernenberg bezwingen. Kommen sie von Bad Nauheim (entweder durch den Kühlen Grund oder über Kreisstraße, Junity-Kreisel, Städter Weg und Weiherstraße) und haben die Seewiese überquert, müssen sie den Hügel zum Bürgerhospital hochkraxeln. Ohne E-Bike eine schweißtreibende Angelegenheit. Und muss das überhaupt sein, ein Radschnellweg quer durch die Stadt? Mit Pkw-Verkehr und Ampeln? Michael und Susanne Keller haben einen anderen Vorschlag.

Der Ortsbeirat der Kernstadt forderte neulich eine Querungshilfe an der B3-Zufahrt am Burgfeld. Hier endet ein Schotterweg. Keller: »Der ideale Einstieg für den Radschnellweg.« Von hier führt unsere Route über den Riedgraben um das Baugebiet am Steinernen Kreuz herum. Wär’s nicht neblig, böte sich ein herrlicher Blick auf den Ockstädter Kirschenberg, den Winterstein und im Süden bis nach Frankfurt. Diese Route wäre auch touristisch ein Hingucker.

Michael und Susanne Keller am Riedgraben mit ihren Fahrrädern.
Michael und Susanne Keller am Riedgraben: Hier könnte der Radschnellweg beginnen. © Jürgen Wagner

Radschnellwege durch die Wetterau: Mit 25 Sachen über die Feldwege

Wir überqueren den Äppelwoiweg und die Ockstädter Straße, bis wir einen Schlenker Richtung Ockstadt machen und nach links abbiegen, um die B 455 an einer Bedarfsampel zu überqueren. Der Weg ist weitgehend eben, wir kommen locker auf 20 bis 25 km/h, was in der Stadt, wo Fußgänger zu beachten sind, schwierig ist. Über Feldwege geht es zügig nach Rosbach, wo neue Radwege asphaltiert (aber noch nicht ausgeschildert) wurden. Susanne Keller: »Von dieser Route gibt es zig Möglichkeiten, um nach links oder rechts abzubiegen.« So kommt man nach Wöllstadt oder Rodheim und in den Taunus. Aktuell ist das noch etwas beschwerlich. Ein kurzer Abschnitt ist gepflastert, auf anderen Abschnitten wünscht man sich breitere Radwege, damit einem die Landwirte nicht ins Gehege kommen.

Am Pfadfinderzentrum im Lilienwald kurz vor Petterweil machen wir kehrt. Keine zehn Minuten, und wir hätten die Stadtgrenze nach Frankfurt überquert. Von Friedberg weniger als 25 Kilometer entfernt, mit dem E-Bike ein Klacks. Susanne Keller: »Auf einem Radschnellweg muss man schnell fahren können.« Hier draußen im Feld ist das weitgehend gefahrlos möglich. Michael Keller spricht von einem »Korridor«, wenn er den Routenvorschlag erläutert. Man könne auch parallel verlaufende Wege nutzen. Nur mitten durch Friedberg durch, das sei nicht gut.

Im Abschnitt zwischen Bad Vilbel und Wöllstadt schlägt der Regionalverband eine gelbe Variante vor: von Berkersheim und Harheim kommend westlich an Karben und den beiden Wöllstadts vorbei. »Diese Variante sollte in Höhe von Friedberg fortgeführt werden«, sagt der Alt-Bürgermeister. Die Kellers haben mit dem Rad schon die italienischen Alpen bezwungen. Den Kasernen- und den Krankenhaus-Berg in Friedberg schaffen sie locker. Für weniger trainierte Radfahrer aber ist das eine Qual, und der Weg mit dem Rad zur Arbeit soll ja nicht nur den Verkehr entlasten und die Umwelt schonen. Das Ganze soll ja auch Spaß machen. Sonst sattelt niemand um.

Radschnellwege durch die Wetterau: Vorschläge erwünscht

Ab dem Butzbacher Bahnhof könnte der Radschnellweg entweder über Ostheim, über Nieder-Weisel oder östlich davon durch die Felder nach Nieder-Mörlen verlaufen. Auch für Bad Nauheim werden drei Routen vorgeschlagen: über die Frankfurter Straße (Ortsdurchfahrt) bis zu Vetters Container-Service und von dort durch die Talaue nach Friedberg; eine andere Route führt ab Großem Teich durch die Innenstadt und teilt sich kurz vor dem Südpark: Die westliche Variante führt über die Kreisstraße nach Friedberg, die mittlere durch die Talaue. Vier Varianten gibt es im Stadtgebiet von Friedberg, alle führen über die Seewiese. Im südlichen Teil der Stadt gibt es Verzweigungen nach Westen (Industriegebiet Süd, alte B 3, durch die Felder) und Osten (über Bruchenbrücken). Auch in Wöllstadt, Karben und Bad Vilbel gibt es drei und vier Varianten, über die man in den Frankfurter Norden gelangt.

Wer Vorschläge für die Trassenplanung des Radschnellwegs zwischen Butzbach und Frankfurt machen oder die Vorschläge des Planungsverbandes kommentieren will, ruft dazu die Internetseite www.region-frankfurt.de/Radschnellwege auf. Dort führt ein Link zur Umfrage. Anmerkungen sind noch bis zum 14. November möglich. (jw)

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