Von wegen "Naturruhezone": Borkenkäfer, Stürme und Hitze haben am Saukopf riesige Schneisen hinterlassen. Das Bündnis "Querstellen-Friedberg" fordert, mindestens zehn Windräder dort aufzustellen. FOTOS: HANS-DIETER WAGNER
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Von wegen "Naturruhezone": Borkenkäfer, Stürme und Hitze haben am Saukopf riesige Schneisen hinterlassen. Das Bündnis "Querstellen-Friedberg" fordert, mindestens zehn Windräder dort aufzustellen. FOTOS: HANS-DIETER WAGNER

Windräder auf dem Winterstein

"Querstellen": B-Plan verhindert den Bau von Windrädern

  • Jürgen Wagner
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Ob und wie viele Windräder sich einmal auf dem Wintersteinkamm drehen, hängt vom B-Plan ab. Dessen Ziel sei aber nicht die Errichtung von Windrädern, sagt das Bündnis "Querstellen-Friedberg".

Seit der Gründung im Jahr 2010 setzt sich "Querstellen-Friedberg" für den Ausstieg aus Atom- und Kohlekraft und den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien ein. "Die Dringlichkeit dieses Ziels wird uns inzwischen täglich durch die sich dramatisch verschärfende Klimakrise vor Augen geführt", sagt Hans-Dieter Wagner, Sprecher der Gruppe. In Friedberg, Rosbach, Wehrheim und Ober-Mörlen wird seit Jahren überlegt, Windräder auf dem Winterstein zu errichten. Der Bebauungsplan schließt ein Windvorranggebiet ein. Ob Windenergie hier tatsächlich Vorrang hat, wird von "Querstellen" bezweifelt.

Potenzial wird nicht ausgeschöpft

"Der B-Plan verfolgt nicht das Ziel, die Möglichkeiten einer CO2-freien Energiegewinnung auf dem Winterstein durch Windenergieanlagen auszuschöpfen, sondern ihren Bau zu beschränken, zu erschweren oder gleich ganz zu verhindern", sagt Wagner.

Von Größe, Geländestruktur und Windhöffigkeit (durchschnittliches Windaufkommen an einem Ort) sei das Wintersteingebiet - auch für Laien leicht zu erkennen - "prädestiniert für eine deutlich höhere Anzahl an Windenergieanlagen". Die klimabedingte Zerstörung weiter Waldbereiche lasse die Errichtung eines Windparks sogar ohne große Rodungen zu.

Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens hat "Querstellen" folgende Einwände vorgebracht: Der Bau von Windrädern werde auf lediglich drei Anlagen beschränkt, was dem Sinn des Vorranggebietes widerspreche. Wagner: "Das Windvorranggebiet auf dem Winterstein ist das größte und windstärkste im gesamten Regionalverband und zweifellos in der Lage, deutlich mehr Windenergieanlagen aufzunehmen." Über zehn Anlagen seien möglich, "ohne andere Nutzungen zu beeinträchtigen". Energiegewinnung, Naturschutz und Freizeitnutzung ließen sich problemlos verbinden. Die Reduzierung auf drei Anlagen begrenze den erzielbaren Energieertrag, mache den Standort wirtschaftlich unattraktiv und diene somit "lediglich der Verhinderung eines Windparks".

Willkürlich sei auch die Begrenzung der Nabenhöhe auf 145 Meter. "Eine Begründung hierfür erfolgt nicht, weshalb davon auszugehen ist, dass dies lediglich dazu dient, den Standort unattraktiv zu machen." Viele heute gebaute Windräder überschritten diese Höhe. Wagner: "Bekanntermaßen lässt sich durch höhere Anlagen der Energieertrag steigern oder die Anzahl der Anlagen bei gleichbleibendem Energieertrag verringern. Höhere Anlagen reduzieren auch die Gefahr des Vogelschlags."

Nach Einschätzung von "Querstellen" gibt es weitere technische Vorgaben, die "sachlich nicht nachvollziehbar" seien oder "der Abschreckung möglicher Investoren" dienten. Wagner nennt die "unsinnige" Vorgabe von 45 Meter zwischen Fundament und Rotorspitze und die Festlegung der Gesamthöhe auf 245 Meter.

Bei einer vorgegebenen Nabenhöhe von 145 Meter komme keine aktuelle Windenergieanlage auch nur in die Nähe dieser Werte. "Außerdem ist es kontraproduktiv, die für den Bau der Anlagen notwendigen Wege wieder vollständig zurückzubauen, denn Zufahrten für Wartungs- oder Reparaturarbeiten sind schließlich zu gewährleisten."

Am Winterstein seien keine neuen Wege erforderlich, es müssten lediglich die vorhandenen befestigt und an manchen Stellen verbreitert werden. Die Verpflichtung zum vollständigen Rückbau der Anlagen nach 30 Jahren behindere unnötig ein mögliches "Repowering" (der Ersatz alter Anlagen durch neue). Auch nach 30 Jahren werde die Windkraft noch für eine CO2-neutrale Energiegewinnung benötigt, sagt Wagner.

Bündnis kritisiert "Blockadepolitik"

Fazit von "Querstellen": Die Anliegerkommunen setzten ihre Blockadepolitik fort und nähmen "das Fortschreiten des Klimawandels, die extrem zunehmende Schädigung des Waldes und das Hinauszögern der Energiewende billigend in Kauf". Eine solche Blockadehaltung sei "unverantwortlich in einer Zeit, in der alles getan werden muss, um die Klimakrise beherrschbar zu halten".

Forderungen an die Politik

Das Bündnis "Querstellen-Friedberg" hat eine Reihe von Forderungen an die Politiker der vier Anliegerkommunen des Wintersteinkamms (Friedberg Rosbach. Ober-Mörlen und Wehrheim) gestellt. Auszüge: "Geben Sie Ihre Verhinderungspolitik auf und engagieren Sie sich für die Realisierung eines Windparks im Windvorranggebiet 7805 auf dem Winterstein. Stärken Sie unsere Region durch dezentrale Energiegewinnung und wirken Sie damit einer Abwanderung der Wertschöpfung entgegen. Forcieren Sie die Realisierung eines größeren Windparks mit mindestens zehn Windenergieanlagen auf dem Winterstein, der in der Lage ist, den Strom zu erzeugen, der in den Anliegerkommunen benötigt wird. Nutzen Sie die Einnahmemöglichkeiten ... zur Verbesserung der kommunalen Finanzlage. Fördern Sie den Bau eines ›Bürgerwindrades‹, um den Anwohnern die Möglichkeit zu bieten, auch persönlich finanziell von ihrem Windpark am Winterstein zu profitieren."

Weitere Infos unter www.querstellen-friedberg.de.

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