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Quarantänehaus: Neubaupläne für das Tierheim Wetterau

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Von: Bernd Klühs

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Nach Ansicht von Heiko Färber - hier mit Hündin Paula - kann der Neubau eines Quarantänehauses (im Hintergrund) nur der erste Schritt einer großen Lösung zur Zukunftssicherung des Tierheims sein. Ein Anfang ist jetzt mit einem Beschluss des Kreistags gemacht. © Nicole Merz

Vor 50 Jahren wurden im Kreistierheim in Rödgen erste Fundhunde aufgenommen. Jubiläumsstimmung will angesichts maroder Gebäude und Unterfinanzierung allerdings nicht aufkommen.

In welchem Zustand sich das Tierheim Wetterau in Rödgen befindet, fällt jedem Besucher auf, der genauer hinschaut. Hauptproblem ist der langgestreckte Bau, in dem sich unter anderem die Quarantänestation und das Tierarztzimmer befinden. Zusammen mit dem Verwaltungshaus wurde dieses Gebäude 1971/72 errichtet - auf sumpfigem Gelände, das der Trägerverein damals erworben hatte. Im Lauf der Zeit sackte das Fundament ab, davon zeugen zahlreiche Setzrisse und Türen, die sich nicht mehr schließen lassen.

Im Verwaltungsgebäude sind die Wände feucht, seit geraumer Zeit müssen vier fest angestellte Mitarbeiter und zwei Auszubildende mit Schimmelbefall leben. Die Heizungsanlage ist veraltet, Dämmung ein Fremdwort. Das Zwingerhaus kann gar nicht beheizt werden, im Winterhalbjahr können die großen Hunde dort nicht über Nacht bleiben. »Seit der Gründung des Kreistierheims vor 50 Jahren wurde fast nichts investiert«, sagt Heiko Färber, Vorsitzender des Tierheim-Trägervereins. Als einzige halbwegs zeitgemäße Bestandteile der Einrichtung bezeichnet der 50-Jährige die 2005 gegründete Wildtierauffangstation und das neue Auslaufareal für Hunde, das der Verein mithilfe einer Erbschaft finanziert hat.

Traum vom großen Wurf

Färber träumt von einem großen Wurf, um die Bedingungen für Tier und Mensch deutlich zu verbessern. Seiner Ansicht nach müssten drei Gebäude neu errichtet werden, die Investitionskosten schätzt er auf 1 bis 1,5 Millionen Euro. Nur so sei eine Tierbetreuung nach den heute gültigen Maßstäben zu garantieren. »Wir geben kein Tier in Zwingerhaltung ab, praktizieren aber selbst nichts anderes«, nennt Färber ein Beispiel. Der Vereinsvorsitzende weiß, wovon er spricht, ist er doch beruflich als Geschäftsführer beim Bundesverband Praktizierender Tierärzte tätig.

Den Bau des Quarantänehauses bezeichnet der 50-Jährige als ersten Schritt. Dieses Gebäude spiele nämlich eine zentrale Rolle für das Tierheim. »Egal ob Tiere aufgefunden oder sichergestellt werden - sie müssen zunächst in Quarantäne.« Wenn das Kreisveterinäramt eine Sicherstellung anordne, gehe es aber manchmal um mehr als 20 Tiere, die Quarantänestation biete aber nur Platz für sechs.

Kreistag will neues Quarantänehaus

Zumindest für dieses Gebäude zeichnet sich eine Lösung ab. Den Stein ins Rollen gebracht haben die Kreistags-Grünen. Zentrale Aussage des Antrags: »Der Kreistag begrüßt Pläne, das Quarantänehaus im Tierheim Wetterau neu zu errichten.«. Diesen Satz übernahm die CDU/SPD-Koalition in ihrem Änderungsantrag, den der Haupt- und Finanzausschuss beschlossen hat.

Im Gegensatz zu den Grünen sieht der Ansatz der Koalition aber kein Gesamtkonzept für die Zukunftssicherung des Tierheims vor. Das bemängelt Grünen-Fraktionschef Michael Rückl: »Weder das Zwingerhaus noch das Verwaltungsgebäude tauchen in dem Text auf.« In der Antragsbegründung der Umweltpartei heißt es dagegen: Im Grunde ist die gesamte Anlage in die Jahre gekommen und bedarf einer Sanierung. Auch die Finanzierung des Tierheims ist prekär.«

Grüne wollen am Ball bleiben

Nach Ansicht Rückls sollte der Kreis eine Vorreiterrolle übernehmen und die Diskussion vorantreiben. Letztlich ist nämlich eine Einigung mit 22 Kommunen des Kreises erforderlich. Diese Städte und Gemeinden sowie der Kreis tragen jeweils etwa ein Drittel der Betriebskosten für das Tierheim. Den Rest steuert der Verein über Spenden und Erbschaften bei. Die Grünen gehen davon aus, dass der Kreis im Doppelhaushalt 2022/23, der erst Anfang kommenden Jahres beraten wird, erste Mittel für das neue Quarantänehaus bereitstellt. »Wir werden auf jeden Fall am Ball bleiben«, verspricht der Fraktionsvorsitzende.

Zunächst ist jetzt Heiko Färber gefordert. Er muss ein Bodengutachten in Auftrag geben, das für die Planung des Neubaus unerlässlich ist. »Der Architekt steht Gewehr bei Fuß«, sagt er. Sobald ein Entwurf und die Kostenkalkulation für das Quarantänehaus vorliegen, werden sich nach dem Beschluss des Finanzausschusses der Kreisausschuss, der Trägerverein und die Mitgliedskommunen zusammensetzen, um die Finanzierungsfrage zu erörtern.

Vorbild Hochtaunuskreis?

Zurzeit ruht die Tierheim-Finanzierung auf drei Säulen: Kommunen, Kreis und Trägerverein übernehmen jeweils ungefähr ein Drittel der Kosten. Pro Jahr kommen rund 300 000 Euro zusammen. »Dieses Geld reicht künftig nicht einmal aus, um die Betriebskosten zu decken. In 50 Jahren ist nicht ein Cent in die Rücklagen gewandert. Wir leben von der Hand in den Mund«, sagt Vereinsvorsitzender Heiko Färber. Er verweist auf ständig steigende Kosten für Energie, Futtermittel, tierärztliche Behandlung und Personal. Zurzeit bezahlten die Kommunen pro Einwohner und Jahr 54 Cent ans Tierheim. Jedes Jahr wird dieser Betrag um 2 Cent erhöht, laut Färber deutlich zu wenig. Mit 19 000 Euro überweise Bad Nauheim den Höchstbetrag aller Kommunen. »Ihrem gesetzlichen Auftrag, Fundtiere unterzubringen, könnte die Stadt mit dieser Summe ohne Tierheim aber niemals nachkommen«, sagt Färber.

Aus seiner Sicht ist die Situation im benachbarten Hochtaunuskreis vergleichbar mit der in der Wetterau. Das dortige Kreistierheim in Oberursel sei ebenfalls heruntergekommen und unterfinanziert. In einer Bürgermeister-Dienstversammlung wurde deshalb beschlossen, den Betrag pro Einwohner und Jahr ab 2022 von 47 Cent auf 1 Euro zu erhöhen. Ab 2023 kommt eine befristete Bauumlage von 25 Cent oben drauf, um die Errichtung eines neuen Verwaltungs- und Quarantänegebäudes zu ermöglichen.

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