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Prozessauftakt am Friedberger Amtsgericht: Ein 25-Jähriger soll einen Mann mit einem 20 Zentimeter langen Messer angegriffen haben. SYMBOLFOTO: SOPHIE MAHR

Mehrfache Körperverletzung

Prozessauftakt in Friedberg: Messerattacke und Morddrohungen

Neun Straftaten soll ein junger Mann in Friedberg und Bad Nauheim letzten Sommer begangen haben. Darunter fallen auch mehrere Körperverletzungen und Drohungen. Jetzt steht er vor Gericht.

Versuchte gefährliche Körperverletzung, Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung öffentlichen Eigentums lauten die Anklagepunkte gegen einen 25-jährigen Iraner. Am Dienstagmorgen war Prozessauftakt vor dem Friedberger Amtsgericht. Dem Angeklagten werden im Zeitraum vom 21. Juli bis 22. September 2020 neun Straftaten vorgeworfen.

Der erste Tag der Hauptverhandlung war binnen einer halben Stunde beendet. Aus terminlichen Gründen wurde kurz nach der Verlesung der Anklage der Prozess vertagt und der Beschuldigte zurück in die JVA Butzbach gebracht.

Staatsanwalt Alexander Hahn verlas die Anklageschrift: Der Beschuldigte soll Ende Juli in Höhe des Lidls in Fauerbach ein Opfer grundlos angegriffen und unter anderem mit Schlägen am Kopf getroffen haben. Das Opfer ging dabei zu Boden. Der Beschuldigte und der Geschädigte seien einander unbekannt gewesen.

Mit Axt auf Ampel eingeschlagen

Am 30. August habe der Geschädigte den 25-Jährigen durch Zufall erneut getroffen und zur Rede gestellt. Daraus soll sich ein Angriff durch den Angeklagten entwickelt haben. Er habe ein 20 Zentimeter langes Messer gezogen und versucht, auf die Hände des Geschädigten einzustechen, schilderte der Staatsanwalt. Das Opfer habe sich in Sicherheit bringen können. Am selben Tag soll der Beschuldigte mit einer Axt den Sensor einer Fußgängerampel kaputtgeschlagen haben.

Laut Anklageschrift habe sich der vierte Tatvorwurf in einer psychiatrischen Einrichtung ereignet, in der sich der Beklagte als Patient zur Behandlung seiner Sucht aufgehalten habe. Laut Hahn beschuldigte der Angeklagte den Pfleger, ein »Fascho« zu sein, den er totschlagen wolle. Zu einem Übergriff sei es nicht gekommen.

Mehrere Taten am selben Tag

Wenige Tage später sei es zu mehreren Vorfällen gekommen. Der Staatsanwalt schilderte: Der 25-Jährige wollte gegen 17.30 Uhr auf der Kaiserstraße in Friedberg in die Buslinie 34 einsteigen. Der Busfahrer verwehrte dem Angeklagten den Zutritt, da er sich geweigert habe, eine Maske zu tragen. Daraufhin habe der Beschuldigte eine Morddrohung gegen den Busfahrer ausgesprochen. Später habe der Angeklagte einen Autofahrer an einer Ampel - mit den Worten »Aldiboy, steig aus« - aufgefordert, sein Auto zu verlassen. Der Autofahrer sei nicht ausgestiegen.

Am nächsten Tag sei der Beschuldigte in einem Aldi-Markt in Bad Nauheim aufgetaucht und habe die Kassiererin angeschrien, wo der Kassierer sei, der dort sonst immer sitze. Er wolle ihm eine Gabel in den Hals stecken. Der Kassierer sei der »Aldiboy« vom Vortag gewesen.

Am 22. September sei der Angeklagte in seiner Gemeinschaftsunterkunft körperlich tätlich geworden. Der Staatsanwalt führte aus: Er schlug und trat gegen die Hüfte eines Mitarbeiters vom Fachamt Soziale Hilfe des Wetteraukreises. Zwei weitere Helfer kamen hinzu, auf die der Beschuldigte mit einer Glasflasche einschlug. Er traf jedoch nicht.

Noch am selben Tag habe der Angeklagte in einer Pension eine Zimmerreservierung eingefordert, die das Job-Center für ihn arrangiert habe. Doch die Mitarbeiterin habe ihm gesagt, dass es keine Reservierung gebe. Daher habe der Angeklagte erneut gedroht: Er wolle mit einer Machete wiederkommen. Hahn berichtete, dass die Situation von einer anderen Person gefilmt wurde, die dadurch ebenfalls zur Geschädigten wurde. Der Filmer sei mit Tellern beworfen und mit einem Bierkrug geschlagen worden.

Zwei Anklageschriften

Seit Oktober 2020 befindet sich der Angeklagte in Untersuchungshaft. Zu den bisherigen Vorwürfen folgte die Verlesung einer zweite Anklageschrift, die sich auf vier Taten aus den Jahren 2018 und 2019 bezieht. In der Schrift werden dem Beschuldigten tätlicher Angriff, körperliche Misshandlung, Bedrohung und Beleidigung vorgeworfen.

Für die Taten aus der zweiten Anklage liege ein Gutachten vor, aus dem hervorgehe, dass der Beklagte aufgrund seiner Sucht damals schuldunfähig gewesen sei, sagte sein Pflichtverteidiger. Zur Schuldfähigkeit für die Taten im vergangenen Jahr wurden noch keine Aussagen getroffen. Der Prozess wird am 18. Mai um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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