1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Friedberg

Prozess um toten Obachlosen: DNA-Spuren an der Kleidung

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Nach der blutigen Tat im Burggraben haben Bekannte des Opfers Blumen und Grabkerzen am Tatort abgelegt.
Nach der blutigen Tat im Burggraben haben Bekannte des Opfers Blumen und Grabkerzen am Tatort abgelegt. © nic (Archiv)

Friedberg/Gießen (slz). Zäh gestaltete sich am Mittwoch der zweite Verhandlungstag im Prozess um den toten Obdachlosen, der in der Nacht vom 8. auf den 9. September des vergangenen Jahres im Friedberger Burggraben aufgefunden worden war. Details wurden geklärt, etwa DNA-Spuren und die Lichtverhältnisse am Tatort.

Zwei ebenfalls obdachlose Männer â?" ein 42-jähriger Italiener und ein 47-jähriger Ukrainer â?" sind als mutmaßliche Täter des gemeinschaftlichen Totschlags angeklagtund müssen sich derzeit vor der 5. Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts verantworten.

Bereits am ersten Verhandlungstag hatte der 42-Jährige eingeräumt, dass er und sein 47-jähriger Kumpan das Opfer gezielt im Bereich des Kopfes sowie in den Magen getreten hatten. Vorausgegangen sei dem Gewaltausbruch ein Streit mit schweren Beleidigungen seitens des 49-jährigen Opfers. Alle Beteiligten seien zudem stark alkoholisiert gewesen, gab der Mann zu Protokoll. Der andere Angeklagte hatte dieser Darstellung in seiner Aussage widersprochen: Vielmehr habe er eingreifen wollen, sei vom Täter aber mit einem Messer in Schach gehalten worden und habe sich daher schließlich zurückgezogen.

Gestern ging es nun primär um Details hinsichtlich der Tat wie auch des Tatorts. Wurde das Opfer von einer Nische in der Burgmauer – dem Schlafplatz der obdachlosen Männer – bis zum endgültigen Fundort auf einer Wiese unterhalb der Burgbrücke über den Boden geschleift? Wie waren eigentlich die nächtlichen Lichtverhältnisse am Tatort? Und gibt es Hinweise auf das Messer, welches der ältere Tatverdächtige in seiner Aussage anführte?

Eine Schleifspur im Rasen

Zu diesen Fragen sagten gestern mehrere Polizeibeamte aus. So deute tatsächlich eine Schleifspur auf dem Rasen darauf hin, dass das Opfer zum endgültigen Fundort gezogen wurde, erklärten die Beamten. Unklar blieb hingegen die Frage nach den Lichtverhältnissen am Tatabend. »Stockfinster« sei es gewesen, beschrieb ein 49-jähriger Polizist die Lage, als er vier Wochen nach der Tat die Lichtverhältnisse im Burggraben nochmals überprüft hatte. Andere Kollegen konnten keine gesicherten Aussagen treffen, da der Ort in der Tatnacht für die Polizeiarbeit ohnehin komplett ausgeleuchtet wurde.

Auch die Existenz des Messers, welches der 47-Jährige bei dem Mitangeklagten gesehen haben will, konnte gestern vorerst nicht bestätigt werden: Ein 21-Jähriger, der als Zeitarbeiter am betreffenden Abend in der Burg nächtigte, hatte den beiden Angeklagten – wohl noch am früheren Abend – eine Flasche Bier ausgeben. Ein Messer habe er nicht wahrgenommen und »auch sonst haben die beiden Männer keinen auffälligen Eindruck gemacht«, beschrieb der junge Mann die Begegnung.

Dies spricht nicht unbedingt für die Version der Geschichte, die der ältere Angeklagte erzählt hatte. Zu den durchaus berechtigten Zweifeln trägt auch ein DNA-Gutachten bei, das der Molekularbiologe Dr. Harald Schneider gestern vorstellte. Danach befinden sich an Jeans und Schuhen des 47-Jährigen zweifelsfrei Blut, Speichel und Haare des Opfers.

Schneider wollte nicht ausschließen, dass die Spuren auch vom »bloßen Danebenstehen« kommen könnten, es sei dann aber doch »auffällig, dass nur Spuren vom Geschädigten an den Kleidungsstücken auffindbar sind«. Der Prozess wird bereits am Freitag fortgesetzt.

Toter Obdachloser im Burggarten: Prozessauftakt Leichenfund: Verdächtiger festgenommen

Auch interessant

Kommentare