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Die Zahl der Straftaten, in denen ein Messer eingesetzt worden ist, ist auch in Gießen gestiegen. SYMBOLFOTO: SCHEPP

»Brandgefährlich«

Polizei schlägt Alarm: Immer mehr Straftaten mit Messer-Einsatz

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Die Zahl der Straftaten, bei denen Messer eingesetzt wurden, sind auch in der Stadt in den vergangenen Jahren gestiegen. Das Polizeipräsidium Mittelhessen schlägt Alarm - und bringt als ein Baustein gegen diese Entwicklung Waffenverbotszonen ins Spiel.

Ein Angriff mit einer Schusswaffe, sagt der Krav-Maga-Trainer, sei leichter abzuwehren als eine Messerattacke. Der Teilnehmer des Kurses, in dem das in Israel entwickelte Selbstverteidigungssystem unterrichtet wird, stutzt bei diesen Worten. Bis der Experte erklärt: Ein Angriff mit einer Pistole folge in der Regel immer dem gleichen Muster. Mit einem Messer habe der Angreifer jedoch verschiedene Ansätze, zuzustechen. Und das tue er dann viele, viele Male. Der Polizeipräsident Mittelhessens, Bernd Paul, bestätigt diese Einschätzung. Messerangriffe seien »brandgefährlich« und könnten zu lebensbedrohlichen Verletzungen führen. Gleichzeitig sinke die Hemmschwelle, die leicht erhältlichen Stichwaffen einzusetzen - auch gegen Rettungs- oder Polizeikräfte. »Wir müssen da höllisch aufpassen«, sagt Paul.

Die Polizeistatistik spricht eine deutliche Sprache: Im Jahr 2010 gab es 41 Delikte, in denen eine Stichwaffe eingesetzt wurde. Im vergangenen Jahr registrierte die Ermittlungsbehörde 114 Straftaten mit einem Messer. Wie Polizeisprecher Jörg Reinemer erklärt, handelt es sich bei ca. 30 Prozent der Fälle um Körperverletzungen. Weitere Straftatbestände sind Nötigung oder Bedrohung sowie Sachbeschädigungen.

Laut des Paragrafen 42a des Waffengesetzes dürfen im Alltag Hieb- und Stichwaffen, zu denen auch Messer zählen, nicht mitgeführt werden. Explizit erwähnt werden Einhandmesser oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge von über zwölf Zentimetern; Ausnahmen wie zur Berufsausübung sind zugelassen. Es sorgen aber nicht nur die generell verbotenen Butterfly- oder Springmesser für Probleme. Wie Paul sagt, reiche ein wenige Euro teures Teppichmesser, um einem anderen Menschen Schaden zuzufügen. »Messer sind leicht verfügbar und lebensgefährlich«, betont er.

Die Täter sind oft junge Menschen und in der Regel Männer. Als Begründung, warum sie ein Messer dabei haben, würden viele von Selbstverteidigung sprechen. Für Paul ist dies ein Vorwand. Der Polizeipräsident glaubt, dass das Mitführen eines Messers manchen Menschen ein subjektives Gefühl von Macht und Selbstwert gebe. Und dann würden sie dieses in einem Konflikt einsetzen.

Auch in der Wetterau gab es zuletzt vermehrt Beispiele, wenn während eines Streits ein Messer gezückt wird. Erst vergangene Woche wurde ein junger Mann im Bad Nauheimer Kurpark von vier Personen bedroht, von denen einer ein Messer zog. Ende Juli nahm die Polizei einen 28-Jährigen fest, der in Friedberg einen Landsmann mit einem Messer bedrohte und ihm das Smartphone raubte

Schutz durch Distanz

Vielen im Gedächtnis ist der Fall eines 18-Jährigen, der im Januar vor einer Schule in Ranstadt durch Messerstiche in den Oberkörper zu Tode kam. Zwei 16 und 17 Jahre alte Tatverdächtige wurden festgenommen. Offenbar hatten sie sich mit dem späteren Opfer zu einem angeblichen Drogengeschäft verabredet. Laut der Staatsanwaltschaft war der Plan aber nicht gewesen, das Marihuana zu bezahlen, sondern das Opfer »abzuziehen«. Beide bestreiten die Tötungsabsicht.

Doch nicht immer sind Drogen oder Alkohol im Spiel. Und entgegen der Meinung von rechtsextremen Agitatoren betrifft das Problem nicht nur Erstaufnahmeeinrichtungen, betont die Polizei. Für sie gehört es zur professionellen Pflicht, sich vor Angriffen mit Stichwaffen zu wappnen. Dafür gibt es sogenannte Schnittschutzschals oder -handschuhe sowie Schutzwesten. Auch werden die Beamtinnen und Beamten für solche Situationen im Einsatztraining konfrontiert. Doch was können Zufallsopfer von solchen Attacken oder Bedrohungen tun? »Distanz herstellen, Öffentlichkeit schaffen, andere Menschen ansprechen und die Polizei alarmieren«, sagt Paul. »Aber niemals auf einen Kampf einlassen.«

Paul sieht die Videoüberwachung als ein Baustein, um mögliche Täter abzuschrecken oder Ermittlungen zu erleichtern. Einen Ansatz, den er für diskussionswürdig hält, ist eine Waffenverbotszone. Diese gibt es zum Beispiel bei der Bundespolizei an Bahnhöfen oder in Innenstädten. Um solche Zonen einzurichten, müssen die rechtlichen Voraussetzungen und der politische Wille gegeben sein. Wiesbaden war die erste Stadt in Hessen, die eine solche Zone eingeführt hatte. So ist es in der Fußgängerzone nicht gestattet, zwischen 21 und 5 Uhr Waffen oder gefährliche Gegenstände mitzuführen. Der Polizei kann zudem verdachtsunabhängig Menschen kontrollieren. Die Verantwortlichen ziehen ein positives Fazit.

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