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Murat Efe (l.) und Gavin Tse sprechen vor der RTL-Kamera über ihre Pokémon-Sammlung.

Ockstadt in der Wetterau

Pokémon: Bis zu 1000 Euro pro Sammelkarte – So arbeitet ein professioneller Händler

Lukrative Leidenschaft: Zwei Männer aus Hessen sammeln und verkaufen Pokémon-Karten - und das lohnt sich. Einzelne Karten können mehr als 1000 Euro wert sein.

  • Zwei Männer aus Hessen sammeln Pokémon-Karten im großen Stil.
  • Sie besitzen Zehntausende der beliebten Sammelkarten.
  • Einer von ihnen finanziert seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Karten.

Friedberg - „Früher habe ich die Leute belächelt, die als Erwachsene Pokémon-Karten sammeln. Aber es macht wirklich Spaß«, sagt Murat Efe aus Ockstadt. Er und sein Freund Gavin Tse aus Frankfurt sind Sammler und Händler von Pokémon-Karten. Kennengelernt haben sich die beiden vor einem Jahr durch das Sammeln, Tauschen und Verkaufen der Karten.

Der 32-jährige Efe sammelt seit einem Jahr. »Durch Corona hatte man Zeit und wusste nicht, was man machen soll. Da habe ich mit dem Sammeln wieder angefangen, und die Leidenschaft aus der Kindheit kam zurück.« Von seinen Karten aus Kindertagen hat Efe keine mehr, doch seine private Sammlung ist inzwischen auf ungefähr 35.000 Karten angewachsen. Der 26-jährige Tse ist seit drei Jahren wieder dabei und hat schon 100.000 Pokémon-Karten.

Sammler in Hessen: Wert von Pokémon-Karten wird in den USA ermittelt

In ihren Sammlungen befinden sich auch sehr wertvolle Pokémon-Karten und Boxen, so dass sich der Fernsehsender RTL angekündigt hat, um darüber zu berichten. Richtig nervös waren Efe und Tse vor dem Dreh aber nicht. Als Vorbereitung hatten sie ihre wertvollsten Karten und Boxen aus ihren Bankschließfächern geholt. Einige Karten haben zur Zeit einen höheren Geldwert als so mancher Goldbarren. Efes wertvollste Karte ist, wie er sagt, 1200 Euro wert. Tse ist Besitzer einer der allerersten »Basis Karten«-Boxen von 1999. Diese kommt auf 50.000 bis 60.000 Euro.

Um den Wert einzelner Pokémon-Karten zu ermitteln, schicken sie ausgewählte in die USA. »Normalerweise dauert eine Bewertung zwei bis drei Monate. Weil der Andrang momentan so hoch ist, kann es bis zu einem Jahr dauern«, sagt Efe. Eine bewertete Karte lasse sich teurer verkaufen als eine Karte ohne Bewertung. Für den Wert einer Karte oder einer Box sei auch der Zustand entscheidend, sagt Tse. »Das fängt schon beim Aussehen der Folie an. Sobald eine Box oder ein Booster - die kleinen Päckchen - geöffnet worden ist, sinkt der Wert um zehn bis zwanzig Prozent.«

Mann aus Hessen verdient Lebensunterhalt mit Pokémon-Karten

Das Geschäft mit den Pokémon-Karten läuft so gut, dass Tse die Sammelkarten inzwischen hauptberuflich verkauft, wie er sagt. »Ich verschicke pro Tag 20 bis 30 Briefe.« Efe vertreibt die Karten im Nebenerwerb. »Ich verkaufe gerne an den Wochenenden. Da kommen meist zehn Pakete und 15 bis 35 Briefe zusammen, Es läuft gut, aber ich möchte erstmal schauen, wie es nach dem Hype weitergeht.« Die Verkäufe finden hauptsächlich über Soziale Medien statt, daher haben Efe und Tse einen Instagram-Account.

Der Hype wird von einem weiteren Phänomen begleitet: dem »Boxbreaking«. Sogenannte Streamer öffnen vor der Kamera die Päckchen, die jemand bei ihnen gekauft hat. Anschließend werden diese dem neuen Besitzer zugeschickt. »Dadurch wird aus dem Kartenkauf ein Entertainment«, sagt Tse. »Es ist für den Käufer ein Erlebnis, beim Livestream genannt zu werden.« Tse ist als Streamer auf Twitch unter dem Namen Quaproductions aktiv. »Jeden Montag öffne ich Päckchen für Kunden. Am Wochenende streame ich Päckchen, die ich für mich öffne.«

Sammler von Pokémon-Karten aus Hessen: „Es geht nicht nur ums Geld“

Trotz der hohen Summen steht der Verkauf nicht an erster Stelle: »Es gibt Karten, die werde ich nicht verkaufen, egal wie hoch der Wert ist« sagt Tse. Efe ergänzt: »Ich habe auch mein Sichlor bewerten lassen, aber nicht, um ihn zu verkaufen. Es ist meine Lieblingskarte.«

Diesen Spirit wollten die beiden auch in ihrem Interview mit RTL vermitteln. »Viele möchten nur das schnelle Geld mit den Karten machen, aber uns ist es wichtig, dass es nicht nur ums Geld, sondern auch ums Sammeln und Spielen geht«, erklärt Tse. Efe sagt: »Wenn du schon alles leer kaufst und hinter dir ein Kind siehst, dann gib doch wenigstens ein Päckchen ab.« Denn wegen des aktuellen Hypes seien viele Regale leer.

Durch die hohe Nachfrage nach den Pokémon-Karten seien nicht nur die Preise für die alten Karten und Boxen gestiegen, sondern auch für die Karten, die frisch von Nintendo auf den Markt gebracht würden, sagt Efe. Die alten Karten kaufen der Ockstädter und der Frankfurter über private Kontakte, die neuen beziehen sie direkt vom Großhändler, sofern sie lieferbar sind.

Hessen: Durch Pokémon-Hype viele Fälschungen im Umlauf

Pokémon-Karten können ein spannendes und lukratives Hobby sein. Doch es gibt auch eine Schattenseite: Durch den Hype befinden sich viele Fälschungen auf dem Markt.

Das Interview mit Murat Efe und Gavin Tse zum Sammeln von Pokémon-Karten wurde am vergangenen Donnerstag um 18.20 Uhr bei RTL Hessen ausgestrahlt. Der Beitrag dauerte zweieinhalb Minuten. Efe und Tse haben kurz ihre Sammlung gezeigt und Tipps für Sammler gegeben. Zudem konnte man Tse beim »Boxbreaking« erleben.

Der Beitrag kann auf rtl.de abgerufen werden. Efe ist mit Fernsehkameras bereits vertraut, da er regelmäßig bei der Vox-Reihe »Mein Kind, dein Kind« zu sehen ist. (Sophie Mahr)

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