+
Damit diese Treppen am Alten Hallenbad überwunden werden können, soll es bald einen Aufzug geben.

Interview

Das planen die Betreiber im Alten Hallenbad Friedberg

  • schließen

Die Vision wird bald Wirklichkeit: Das Alte Hallenbad in Friedberg wird zum Kulturhaus. Dafür geben Bund und Stadt viel Geld aus. Teure Künstler oder Gehälter für Helfer wird es aber nicht geben.

Herr Lang, Herr Seuss, im April sagte der Bund 1,48 Millionen Euro für den Umbau des Alten Hallenbades in ein Kulturhaus zu. Wenn die Stadt, wie schon beschlossen, weitere 1,81 Millionen beisteuert, können Sie den Umbau bis spätestens 2023 vollenden. Was fehlt jetzt noch?

Uli Lang: Bisher haben wir die Hälfte geschafft. Für gut drei Millionen Euro bekam das Hallenbad ein neues Dach, eine Heizung und das Kesselhaus als zweiten Veranstaltungsraum. Jetzt wollen wir das Foyer an der Ostseite des Saales herrichten. Da können später Empfänge und Ausstellungen stattfinden. Wir bauen einen Aufzug ein und installieren eine schicke Bar an der Nordostecke. Zwei Seminarräume, Büros, die große Außenterrasse stehen dann noch an. Dann werden die Glasbausteine in der Fassade durch Fenster im Stil von 1909 ersetzt, als das Hallenbad aus Spenden der Bürger erbaut wurde. Etwa 2022 eröffnen wir ein Café-Bistro an der Ostseite im Sockelgeschoss. Im Saal können dann bis zu 350 Gäste die Veranstaltungen besuchen.

Der Geldsegen vom Staat könnte andere Kultur-Macher oder Vereine neidisch werden lassen, oder?

Lang:Wir hatten die Stadt damals auf die Fördermöglichkeit durch den Bund aufmerksam gemacht. Und dann hatten wir einfach Glück, dass unser Projekt den Zuschlag bekam. Wir haben uns aber auch seit mehr als zwölf Jahren darum bemüht. Viele Sponsoren und die fast 1500 Mitglieder des Fördervereins sammelten mehr als die Hälfte der bisher angelaufenen Sanierungskosten. Ganz ohne Bezahlung organisieren wir den Umbau und seit 2013 auch die "Kulturtaucher"-Veranstaltungen. Das kommt allen Menschen in Friedberg und Umgebung zugute. Wir haben die staatliche Hilfe wirklich verdient.

Andrej Seuss:Wir müssen auch den Bundestagsabgeordneten Oswin Veith loben, dass er sich in Berlin für das Alte Hallenbad so stark gemacht hat.

Haben Sie keine Angst, dass die Stadtverordneten Angst vor der eigenen Courage bekommen und den 1,8-Millionen-Euro-Zuschuss dann doch nicht freigeben?

Seuss:Schon mit der Antragstellung hatte sich die Stadt verpflichtet, ihren Anteil zu leisten. Wenn sie einen Rückzieher machen würde, käme auch kein Geld vom Bund. Das kann ja wirklich kein Friedberger wollen! Die Stadt muss nun Geld für das Alte Hallenbad in einem Nachtragsetat und im Investitionsprogramm für die nächsten drei Jahre bereitstellen.

Lang:Wir machen dann einen Vertrag mit der Stadt zur Sanierung des Hauses, das wir von ihr für 66 Jahre in Erbpacht bekommen haben. Wenn die Stadt die Zuschüsse bereitstellt, erledigen wir das Umbauen selbst. Das Stadtbauamt hat genug andere Projekte zu erledigen.

Trotzdem: Warum gerade das Alte Hallenbad? Die Stadthalle oder der Rasenplatz des TSV Fauerbach hätten auch eine Sanierung verdient.

Lang:Mag sein. Wir geben aber wichtige Impulse für die Stadtentwicklung. Wir haben ein Baudenkmal vor dem weiteren Verfall gerettet und schaffen hier langfristig einen Ort für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wir machen Friedberg attraktiver.

Können jetzt für die "Kulturtaucher"-Reihe teurere Künstler eingekauft werden oder den eigenen Leuten Gehälter gezahlt werden?

Lang:Nein. Die 3,3 Millionen sind allein für den Umbau bestimmt. Der Kulturbetrieb bekommt davon keinen Cent! Wir bleiben weiter auf das Geld der Gäste, der Spender und des städtischen Kulturetats angewiesen. Wir bekommen daraus maximal 15 000 Euro pro Jahr für 40 bis 60 Veranstaltungen. Vom Land erhalten wir noch etwa 10 000 Euro dazu. Das ist ein sehr mageres Fundament. Ohne die Hilfe der Sponsoren geht es also nicht.

Seuss:Wir stellen die Stühle und räumen sie weg - ohne Bezahlung. Bei den Künstlern achten wir auf bezahlbare Gagen. Geld fließt nur in die Grundreinigung. Und manchmal müssen wir einen Techniker bezahlen. Bühne, Tontechnik und Scheinwerfer müssen wir selber organisieren.

Sie brauchen also Künstler, die viele zahlende Gäste anziehen?

Seuss:Gut laufende Veranstaltungen wie zum Beispiel Jo van Nelsen mit seiner "Hesselbach"-Reihe oder die Balkan-Konzerte helfen uns, auch mal Experimente vor wenigen Zuschauern zu machen.

In drei Jahren hat Friedberg dann ein Kulturhaus, das sich baulich und programmatisch mit der Alten Mühle in Bad Vilbel messen kann. Lässt es sich auf die Dauer ehrenamtlich betreiben?

Seuss:Das glaube ich schon. Wir machen das ja schon seit sechs Jahren. Es muss aber genug Geld da sein, um auch mal einen Hausmeister zu bezahlen, der die Stühle stellt und die Heizung wartet. Oder um ein neues Mikrofon zu finanzieren, wenn das alte kaputtgeht.

Lang:Friedberg wird im Ballungsraum eine wachsende Bedeutung haben. Und dazu gehört, dass es ein Theater in der Stadt gibt. Die Bürger erwarten das einfach - die Alteingesessenen, die hier früher das Schwimmen lernten, genauso wie die Zugezogenen, die kulturelle Angebote nutzen wollen. Wir haben Leute aus beiden Gruppen unter den Zuschauern. Jetzt sind es mehr als 5000 im Jahr - mit steigender Tendenz. Oft sind wir ausverkauft.

Seuss:Wir merken auch, dass die Konzerte, Lesungen und Tagungen im Alten Hallenbad Menschen von weither nach Friedberg ziehen. Die fragen dann in der Pause, wo die Toiletten sind. Und sagen auch: Mensch, das ist ja urig hier! Ein toller Veranstaltungsraum.

Machen Sie nicht der Volksbühne in Friedberg oder dem Theater Alte Feuerwache in Bad Nauheim die Zuschauer streitig? Einzelne Mitglieder des Hallenbad-Teams werden jetzt auch im Volksbühnen-Vorstand aktiv.

Lang:Das ist deren Privatsache. Uns ist es auch recht, weil es Absprachen über die Kulturprogramme erleichtert. Das Alte Hallenbad ist für die Volksbühne keine Konkurrenz.

Welche Art von Kultur ist künftig im Alten Hallenbad zu erleben?

Seuss:Eine Mischung aus Theater, Unterhaltungs- und Weltmusik und Kleinkunst. Comedy nicht, aber Kabarett. Wir inszenieren weiter eine Oper im Herbst. Und wir bieten Auftrittsmöglichkeiten für Künstlerinnen und Künstler aus Friedberg und der Region. Wir werden weiter Kooperationen machen, zum Beispiel die "Friedberger Gitarrentage" gemeinsam mit der Musikschule. Unsere Theatergruppen "Die Tagträumer" und "Die Helden" haben hier eine Heimat. Stärker wird noch das Kindertheater werden. Die Nachfrage ist groß.

Lang:Jenseits der Kultur gibt das Hallenbad auch Platz für Diskussionsabende oder Vorträge. Jeder Mensch aus der Region soll bei uns etwas finden, das ihn interessiert. Und sei es, im Alten Hallenbad einen runden Geburtstag zu feiern.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare