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Plakette für den »Langen Bau«

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Auszeichnung für vorbildliche Denkmalsanierung (v. l.): Hans Dohm (DSD), Architektin Elke Morschel, Hausherr Ulrich Rentschler und Andreas Rehn (Lotto Hessen).
Auszeichnung für vorbildliche Denkmalsanierung (v. l.): Hans Dohm (DSD), Architektin Elke Morschel, Hausherr Ulrich Rentschler und Andreas Rehn (Lotto Hessen). © Jürgen Wagner

Friedberg (jw). Kürzlich überreichte Hans Dohm von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eine Bronzetafel und 30 000 Euro an Ulrich Rentschler. Er und seine Frau Henrike Gödde restaurieren das Riedesel’sche Haus in der Burg Friedberg in vorbildlicher Weise.

Zuletzt gab es betrübliche Nachrichten aus der Friedberger Burg. Nicht alles, was dort in den vergangenen Jahren »restauriert« wurde, lässt sich als Denkmalschutz bezeichnen. Und nicht alles, was geplant ist, gefällt den Burgbewohnern. Das Riedeselsche Burgmannenhaus hingegen ist schon jetzt, noch bevor die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen sind, ein Lichtblick.

Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1533, woran ein Wappen über der Eingangstür erinnert. Aus dieser Zeit ist das bruchsteinerne Sockelgeschoss erhalten. Das Fachwerkobergeschoss mit Satteldach und Krüppelwalm stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert. In den 1980er-Jahren wurde das Gebäude so saniert, dass bauzeitliche Teile in ihrer Substanz gefährdet waren. An Fachwerk und Decken fanden sich Schäden. Vor acht Jahren kauften Ulrich Rentschler und Henrike Gödde das Haus. »Meine Frau ist in einem alten Haus aufgewachsen, meine Eltern haben schon ein Fachwerkhaus saniert«, erzählte Rentschler, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Stuttgart arbeitet. Ein Neubau kam für ihn nicht in Frage. Alte Häuser seien eben doch schöner und hätten ihren eigenen Charme.

Vor sieben Jahren begann zusammen mit dem Bad Nauheimer Architekturbüro Denkmalkonzept die Sanierung. Das Erdgeschoss ist weitgehend fertig, das Dachgeschoss soll später noch ausgebaut werden. »In diesem Jahr ist das Erdgeschoss dran«, sagte Rentschler. Auf alten Fotos haben er und Architektin Elke Morschel entdeckt, dass der Bruchsteinsockel früher verputzt war. Das ist das nächste Projekt.

Ganz eigener Charme

Hans Dohm, Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), erinnerte bei der Übergabe der Bronzeplakette an die Geschichte des Hauses: Um die 1216 erstmals erwähnte Burg ohne Territorialherr zu schützen, setzte der Kaiser Burggrafen ein und berief Burgmannen aus der Umgebung. Dazu gehörte die Familie Riedesel von Bellersheim. Mit einem Zitat von Richard von Weizsäcker erinnerte Dohm daran, dass alte Gebäude nicht allein aus ästhetischen Gründen erhalten werden, »sondern auch, weil sie Geschichte transportieren«.

»Gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Hilfe der Glücksspirale« steht auf der Bronzeplakette. Andreas Rehn von Lotto Hessen, das seit 46 Jahren mit der DSD kooperiert, hatte einen symbolischen Scheck über 30 000 Euro dabei. Im Riedeselschen Burgmannenhaus stecke viel Herzblut, das unterstütze man gerne.

Früher wurde das schmale Haus unterhalb des Adolfsturms auch »der lange Bau« genannt. Warum dies so ist, zeigte Rentschler bei einem Rundgang. Von der rustikal eingerichteten Küche an der Stirnseite zieht sich ein langer Gang durch das komplette Gebäude, an den sich auf der Südseite gemütlich wirkende Wohn- und Schlafzimmer anschließen, die einen ganz eigenen Charme verströmen. Ein Neubau, der die Familie nach Schätzung des Hausherrn wohl genauso viel gekostet hätte, würde kaum ein solch einzigartiges und noch dazu geschichtsträchtiges Ambiente bieten.

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