Wegen Hochspannungsleitung

Pläne für Kita in Bauernheim vorerst auf Eis gelegt

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Der Bau einer Kita in Containerbauweise auf dem Bolzplatz in Bauernheim ist nicht genehmigungsfähig. In der Nähe verläuft eine 220-KV-Leitung.

Dieser Schnellschuss ging nach hinten los: Die Pläne für eine viergruppige Kindertagesstätte auf dem Bolzplatz im Stadtteil Bauernheim lassen sich nicht verwirklichen. Dem Bauvorhaben steht eine Hochspannungsleitung im Weg. Wie Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) am Mittwochabend im Ausschuss für Stadtentwicklung sagte, werde man einen neuen Standort suchen. Der SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Klaus-Dieter Rack sagte am Rande der Sitzung, diese Blamage hätte sich die Stadt ersparen können. Die Bauernheimer Bürger, die sich viel vom Bau einer Kita versprechen, seien "durch unbedarfte, unprofessionelle Planung der zuständigen Stadtspitze enttäuscht" worden.

Anfang Februar war Bürgermeister Antkowiak vorgeprescht: Ohne Beratung im Magistrat hatte er im Ortsbeirat von Bauernheim seinen Plan vorgestellt, auf dem Bolzplatz mitten im Dorfkern eine viergruppige Kita in Containerbauweise zu errichten. Der Stadt fehlen knapp 200 Kita-Plätze. Die Zeit drängt, will man Klagen von Eltern, deren Nachwuchs keinen Kita-Platz erhalten, vorbeugen. Antkowiak wollte sich beim Ortsbeirat vorab ein "Stimmungsbild" holen. Die Bauernheimer waren begeistert. Eine Kita sorgt für Belebung. Vielleicht, so die Hoffnung des Ortsbeirates, siedeln sich bald eine Bäckereifiliale oder andere Einrichtungen im kleinsten Friedberger Stadtteil an.

Diese Hoffnungen müssen nun erst einmal auf Eis gelegt werden. Die dritte Änderung des Landesentwicklungsplans schreibt den Schutz der Bürger vor "Höchstspannungsleitungen" (220 KV-Leitungen) fest: "Bei der Festsetzung von neuen Baugebieten in Bauleitplänen oder sonstigen Satzungen nach dem Baugesetzbuch, die dem Wohnen dienen oder in denen Gebäude vergleichbarer Sensibilität, insbesondere Schulen, Kindertagesstätten, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen zulässig sind, ist ein Abstand von mindestens 400 Meter zu einer planungsrechtlich gesicherten Trasse einer Höchstspannungsleitung einzuhalten."

Aufgrund dieser neuen Verordnung, die im Juni 2018 von der Landesregierung beschlossen wurde, seien die Pläne in dieser Form nicht umsetzbar, sagte Antkowiak. Man werde im Magistrat nach einer anderen Lösung suchen. Im Gespräch ist offenbar das Gelände zwischen Feuerwehrhaus und dem Gewerbebetrieb am Ortsrand. Dort wurde vor einigen Jahren ein erster Bauabschnitt realisiert. Junge Familien bauten sich dort ihre Eigenheime. Dieses Gebiet könnte deutlich erweitert werden; es liegt nicht im 400-Meter-Korridor der Hochspannungsleitung, die von Wölfersheim kommend an Dorheim und Bauernheim vorbeiläuft und weiter nach Süden Richtung Niddatal verläuft.

Rack: Das war vorhersehbar

Florian Uebelacker (Grüne) zeigte sich zuversichtlich, dass man einen Standort außerhalb der 400-Meter-Zone finden werde. "Wir müssen die Euphorie der Bauernheimer Bürger um einige Monate bremsen."

Für den SPD-Sprecher Rack ist der Passus im Landesentwicklungsplan indes nichts Neues. Der Bürgermeister habe ihn als Ortsvorsteher von Dorheim bei der Frage, ob das dortige Baugebiet Nord-Ost erweitert werden könne, jüngst auf diese Problematik hingewiesen: In Dorheim sei wegen der Leitung keine Erweiterung möglich. Rack: "In Bauernheim hätte der Bürgermeister den angedachten Kita-Standort deshalb erst gar nicht in den Blick nehmen dürfen. Und die CDU wäre gut beraten gewesen, den Kita-Plan für Bauernheim nicht gleich euphorisch zu loben."

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