1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Friedberg

Pläne für Friedberg: Feld-Ahorn schlägt Gingko

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

In der Ludwigstraße in Friedberg wird es auch nach der Baumfällung kühlen Schatten geben. Die Robinien sollen durch Feld-Ahorn-Bäume ersetzt werden. 	(Foto: Nici Merz)
In der Ludwigstraße in Friedberg wird es auch nach der Baumfällung kühlen Schatten geben. Die Robinien sollen durch Feld-Ahorn-Bäume ersetzt werden. (Foto: Nici Merz) © Nicole Merz

Friedberg (jw). In der Ludwigstraße sollen 25 teils kranke Robinien gefällt und durch 31 neue Bäume ersetzt werden. Welcher Baum nachgepflanzt wird, hängt nicht nur davon ab, ob er schön blüht und das Herz erfreut. Ein Ausschuss hat sich für den schmalen Feld-Ahorn entschieden – und gegen den ältesten Baum der Erde.

Bäume sind mehr als nur Schmuck. Sie sind ein Stück Lebensqualität. Viele Bürger fühlen sich verbunden mit »ihren« Bäumen. Werden vor der Haustür Fällungen beschlossen, lässt die Kritik nicht lange auf sich warten. Und sie reißt auch danach nicht. Carl Cellarius (Grüne) etwa meinte am Donnerstag im Ausschuss für Stadtentwicklung, es sei falsch, alle Bäume »platt zu machen«. Stattdessen solle man sie nach und nach ersetzen, wenn ein Baum krank sei. Der Redebeitrag hatte in den Augen der übrigen Ausschussmitglieder eher folkloristischen Charakter, die Entscheidung wurde ja längst gefällt. Nur die Bäume sind es noch nicht. Jetzt ging es alleine um die Frage, welche Bäume für die Nachpflanzung in Frage kommen.

Claudia Rudel vom Sachverständigenbüro Zorn stellte vier Bäume vor, die dem Stadtklima gewachsen sind, von ihrer Wuchsform und Größe in die Ludwigstraße passen und eine Wurzel haben, die den vielen Leitungen im Untergrund nicht in die Wege kommt. Neben der Blumen-Esche »Lousia Lady« und der Säulen-Ulme »Columella« kamen der Säulen-Fächerblattbaum (ein Gingko) und der Schmale Feld-Ahorn der Sorte »Huibers Elegant« in die engere Auswahl.

Für den Gingko, der als ältester Baum der Erde gilt, spricht laut Rudel, dass er krankheitsfrei ist. Man dürfe aber nur männliche Exemplare pflanzen. Die weiblichen riechen extrem nach Buttersäure. Nachteil des Gingko: Er wird 15 bis 20 Meter hoch. Der »Stadtpalmwedel« sei zu hoch für die Ludwigstraße, meinte die Mehrheit des Ausschusses.

Der Schmale Feld-Ahorn bringt es auf nur sechs bis zehn Meter. Auf ihn fiel die Entscheidung. Die Krone ist eiförmig und aufrecht im Wuchs, wird drei bis fünf Meter breit. Dieser Feld-Ahorn ist ein immergrüner Baum. Die Blätter sind dunkelgrün und gelappt, im Herbst leuchten sie gelb. Im April und im Mai erscheinen die Blüten, die Frucht in Form von Fruchtflügeln ist braungrün. Was den Schmalen Feld-Ahorn noch auszeichnet: Er gilt als mehltaufrei und benötigt nur wenige Erziehungs- und Aufbauschnitte.

Wann die Robinien gefällt und die Feld-Ahorn-Bäume gepflanzt werden, steht noch nicht fest. Als die Ovag ihr neues Bürogebäude in der Ludwigstraße baute, wurden zwei Bäume beschädigt. Die Ovag versprach, sich an den Kosten der Nachpflanzung zu beteiligen. Die Höhe dieser Beteiligung könne er erst aushandeln, wenn er wisse, welche Bäume wie viel kosten, sagte Bürgermeister Michael Keller. 62 000 Euro wurden für die Maßnahme insgesamt veranschlagt, der größere Teil geht für die Arbeiten drauf. Bei den Bäumen (geschätzte Kosten: 18 000 Euro) gibt es laut Keller große Preisschwankungen. Als der Elvis-Presley-Platz bepflanzt wurde, seien »astronomische Summen« aufgerufen worden. Man habe die Anbieter aber deutlich heruntergehandelt und sogar größere Bäume bekommen.

Klimaresistente Bäume

Welche Bäume passen in die Stadt? Dieser Frage widmet sich das Forschungsprojekt »Stadtgrün 2021«. Einige der gängigen Stadtbaumarten leiden immer stärker unter den zunehmend wärmeren und trockeneren Sommern und unter neu eingewanderten Schädlingen und Erkrankungen. Die Ästhetik schwindet, Äste brechen, die Bäume sterben ab. Deshalb testen Forscher Baumarten aus dem (süd-)osteuropäischen, nordamerikanischen und asiatischen Raum auf ihre Verträglichkeit mit dem hiesigen Klima. Infos auf www.lwg.bayern.de (Menüpunkte »Garten- und Landschaftsbau« und »Urbanes Grün«).

Auch interessant

Kommentare