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Pläne der Stadt: Keine Stadthalle in der Kaserne

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Von: Jürgen Wagner

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Nicht schön, aber praktisch: Die 1976 eröffnete Stadthalle Friedberg erinnert von Außen an ein Observatorium, bietet innen aber mit Saal, Konferenzräumen, Restaurant und Kegelbahn vielfältige Möglichkeiten. Sogar eine Außenbühne gibt es, die aber seit Jahrzehnten ungenutzt ist. Der ehemalige Hotelanbau (im Hintergrund links) steht seit Jahren leer. © Nicole Merz

Was wird aus der Friedberger Stadthalle? Wie lange kann sie noch genutzt werden? Wo könnte eine neue gebaut werden? Nicht in der Kaserne, meint Bürgermeister Antkowiak und hat eine andere Idee.

Nein, Friedberg benötigt momentan keine neue Stadthalle. Aber die Kommunalpolitiker machen sich frühzeitig Gedanken, wie lange die 46 Jahre alte Georg-August-Zinn-Halle am Seebach noch genutzt werden kann und wie man frühzeitig Ersatz schafft. Das ist auch die Intention des Linken-Antrags, die Stadt solle sich in der Kaserne auf dem Wege des Erstzugriffs ein Grundstück sichern. Um dann, in vielleicht zehn oder 15 Jahren, dort eine moderne Stadthalle zu errichten; am besten neben dem Hotel, das ein Investor bauen soll.

»Es geht darum, dass wir uns die Option offenhalten«, sagte Sven Weiberg (Linke). Doch wie zuvor im Ausschuss für Stadtentwicklung lehnte auch der Haupt- und Finanzausschuss den Antrag ab; es gab sechs Nein-Stimmen und drei »Ja« von Linken und Grünen.

Stadt hat viel für Gebäude ausgegeben

Die Diskussion um die Stadthalle wird aber weitergehen, auch wenn sie längst nicht mehr so hitzig ist wie früher, als manche Politiker mit Blick auf die jährlichen Kosten am liebsten sofort den Abrissbagger bestellt hätten. Die Stadt hat viel Geld in die Halle gesteckt, Schönheitsreparaturen wurden vorgenommen, das Restaurant wurde neu eingerichtet, der Brandschutz ist eine Daueraufgabe, die weiterhin hohe Summen verschluckt.

Achim Güssgen-Ackva (FDP) nannte einen Vorteil der Stadthalle: »Sie liegt mitten in der Stadt. In der Kaserne läge sie am Rande der Stadt.« Dort müssten Parkplätze gebaut werden, wodurch wertvolles Bauland verloren ginge, sagte Bürgermeister Antkowiak. Die Stadthalle sei zu 100 Prozent ausgebucht; wer sie mieten wolle, müsse sich »in einer langen Schlange hinten anstellen«, sagte Antkowiak. Als der Ausschuss für Stadtentwicklung vergangene Woche dort tagte, fanden zeitgleich drei Vereinsveranstaltungen dort statt. Für Vereine ist die Nutzung der Stadthalle kostenlos.

Konferenzhotel auf Kasernengelände

Antkowiak hatte für 2021 einen Grundsatzbeschluss zur Stadthalle angekündigt. Daran erinnerte Weiberg. Der komme noch, sagte der Bürgermeister und betonte: »Ich habe dazu klare Vorstellungen.« In der Kaserne soll sich ein Konferenzhotel ansiedeln, das Räume für Großveranstaltungen hat. Damit sind beispielsweise Kongresse von Wirtschaftsverbänden oder Firmen gemeint. Eine Stadthalle benötige man dann immer noch, das sei also kein Ersatz.

Uli Hausner (SPD) forderte, mit dem Grundsatzbeschluss müsse auch ein neues energetisches Sanierungskonzept vorgelegt werden; ein altes Gutachten ist nicht mehr auf dem Stand der Zeit. Aber ist eine energetische Sanierung des Betonbaus von 1976 überhaupt machbar? Markus Fenske (Grüne) hat da seine Zweifel. In scharfem Ton konfrontierte er den Bürgermeister mit dem Vorwurf, er, Antkowiak, habe »fünf Jahre Zeit gehabt, ein energetisches Sanierungskonzept vorzulegen.« Was aber nicht geschehen sei. Die alte Stadthalle hat für Fenske »keinerlei Zukunft«.

»Wir dürfen uns nicht übernehmen«, warnte Christoph Haub (CDU) mit Blick auf die bevorstehenden hohen Investitionen: »Kaiserstraße, Windpark, Kaserne. Es geht nur eins nach dem anderen. Vielleicht reden wir in fünf Jahren über eine neue Stadthalle.«

Neubau auf dem jetzigen Parkplatz

Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) sah dies genauso und schlug vor, aus noch vorhandenen Haushaltsmitteln für die Stadthallen-Ertüchtigung das energetische Gutachten zu zahlen. Lohne sich eine Sanierung nicht, sei an Neubau am alten Standort vernünftiger.

Dr. Martin Saltzwedel (Grüne) hatte zuvor daran erinnert, dass im Ortsbeirat seitens des Stadtbauamtes ein alternativer Standort erwähnt worden sei. Was es denn damit auf sich habe, wollte er wissen. Worauf Bürgermeister Antkowiak aus dem Fenster in grobe Richtung Parkplatz blickte und antwortete: »Wenn es einen Neubau gibt, dann hier in unmittelbarer Nähe der Stadthalle. Aber das ist noch nicht konkret.« Soll heißen: Auf dem Parkplatz könnte einmal eine neue Stadthalle entstehen, die alte würde aber erst abgerissen, wenn die neue steht.

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