Plädoyer für Wechselunterricht

  • Christoph Agel
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Das Gesundheitsamt und Landrat Jan Weckler sehen - wie berichtet - in Schulen kein großes Ansteckungsrisiko. Nur ein ganz geringer Anteil von Schülern und Lehrern habe sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert und befinde sich dementsprechend in Quarantäne.

Der Vater eines Schülers des Friedberger Burggymnasiums zeigt sich mit den Einschätzungen des Wetteraukreises alles andere als einverstanden. Dabei übt er auch Kritik an Äußerungen von Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs. Dieser hatte sich in einer am 11. November in der WZ veröffentlichten Pressemitteilung folgendermaßen geäußert: "Wir erleben, dass das Virus in die Schulen eingetragen wird, obwohl es klare Vorgaben gibt, unter welchen Bedingungen die Schule betreten werden darf." Kinder, in deren Haushalten ein Verdachtsfall von Covid-19 aufgetreten ist, dürfen laut Kreis nicht mehr die Schule besuchen und auch nicht darauf warten, bis ein Testergebnis vorliegt. Allein der Verdachtsfall reiche aus, um der Schule oder der Kita fernzubleiben. Dafür genüge ein Anruf.

Der Vater des Burggymnasium-Schülers argumentiert nun folgendermaßen: "In den mir bekannten Fällen waren zuerst keine Symptome vorhanden und es lag kein Kontakt mit bestätigten Fällen vor." Inzwischen sei es zudem "fast unmöglich" geworden, sich testen zu lassen. "Das Gesundheitsamt - und damit der Kreis als Schulträger - sollten die Realitäten anerkennen und nicht ihre Wunschvorstellungen für Realität halten. Die Schulklassen ab der Mittelstufe sollten geteilt werden, bevor es zu spät ist!"

Der Vater spricht sich außerdem für ein Aufteilen der Klasse und einen wöchentlichen oder täglichen Wechsel beim Unterricht vor Ort aus. Dies müsse allerdings schnell umgesetzt werden: "Wenn dann aber irgendwann der Wechselunterricht angeordnet wird, wird es zu spät sein. Das liegt ganz einfach daran, dass die Infektionszahlen dann bereits so hoch sind, dass diese Maßnahme als ›Infektionsbremse‹ nicht mehr genügend Kraft hat."

Vorwurf: Wichtige Schritte versäumt

Schließlich führt der Vater des Schülers weitere Punkte an, die seiner Ansicht nach dazu beitragen würden, Corona zu bremsen. Allerdings sei diesbezüglich bereits wertvolle Zeit verstrichen: "Das Aufstocken der Anzahl der Schulbusse, das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckungen in den Klassenräumen, das Teilen der Schulklassen, die technische Unterstützung der Lüftung und Luftreinigung - all diese Maßnahmen hätten spätestens in den Sommerferien in Angriff genommen werden müssen."

Weitere Eltern haben sich bei der WZ gemeldet. Eine Mutter hat der Redaktion einen Brief zukommen lassen, den sie auch ans Gesundheitsamt gesandt habe. Darin heißt es unter anderem: "Fakt ist jedoch, dass den meisten Kindern und Jugendlichen nur einfache Stoffmasken zur Verfügung stehen, deren Wirksamkeit recht zweifelhaft ist, da sie meist nicht richtig anliegen bzw. von den Trägern (ob alt oder jung) vergessen wird, auch die Nase zu bedecken. So infizieren sich die Schüler und tragen symptomfrei die Erkrankung in ihre Haushalte, wo sich das Virus frei unter den Alten, Kranken und sonst wie Vulnerablen ausbreiten darf."

In einer weiteren E-Mail an die WZ-Redaktion geht es ebenfalls um den Themenkomplex Corona und Schulen in der Wetterau. Darin wird behauptet, dass im Wetteraukreis Kinder, deren Eltern und Geschwister Corona-positiv seien, nicht mehr getestet werden. "Das aktuelle Vorgehen des Gesundheitsamts sieht vor, (Grundschul-)Kinder nur noch bei Symptomen zu testen, selbst wenn sie auf engstem Raum mit vielen infizierten Eltern/Geschwistern leben. Diese Praxis des Wetterauer Gesundheitsamts ist offensichtlich dem politischen Willen geschuldet, nicht Hunderte Klassen wegen erwiesener Corona-Fälle in Quarantäne schicken zu müssen, damit Politiker weiter wider besseres Wissen behaupten können, die Schulen seien keine ›Treiber‹ der Infektion."

Verweis auf die Dunkelziffer

Die Dunkelziffer unter Kindern sei viel höher als bisher angenommen, und die meisten infizierten Kinder zeigten keine oder nur leichte Symptome. "Solche Kinder nicht mehr zu testen, erzeugt eine konkrete Gefahr für Leib und Leben der Eltern und Großeltern ihrer Klassenkameraden…" Allerdings sei hier auf die bereits genannte Aussage des Wetteraukreises verwiesen, dass Kinder, in deren Haushalten ein Verdachtsfall von Covid-19 aufgetreten ist, nicht in die Schule kommen dürfen. agl

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