Modehaus-Mitinhaber Jochen Ruths (2. v. l.) empfängt die SPD-Vertreter Luca Bauer (l.) Evelyn Weiß, Jürgen Volz und Dr. Klaus-Dieter Rack (r.). 	FOTO: PV
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Modehaus-Mitinhaber Jochen Ruths (2. v. l.) empfängt die SPD-Vertreter Luca Bauer (l.) Evelyn Weiß, Jürgen Volz und Dr. Klaus-Dieter Rack (r.). FOTO: PV

Plädoyer für Kaiserstraßen-Umgestaltung

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Friedberg (pm). Die Corona-Krise war das beherrschende Thema beim Besuch einer Delegation der SPD Friedberg im Modehaus Ruths. Dessen Mitinhaber Jochen Ruths ist nicht nur Einzelhändler, sondern auch Präsident des Hessischen Handelsverbandes.

»Ob wir ab dem 20. April wieder öffnen könnten, war erst unklar«, sagte Jochen Ruths, Mitinhaber des seit 1898 als Familienbetrieb geführten Modehauses, zu den Friedberger SPD-Politikern (Evelyn Weiß, Luca Bauer, Dr. Klaus-Dieter Rack und Jürgen Volz), »denn unsere Verkaufsflächen liegen über der damals zulässigen Marke von 800 Quadratmetern.« Ruths intervenierte aber als Präsident des Hessischen Handelsverbands gegen die vom Land Hessen angeordneten Lockerungen bei Flächengrößen oder einzelnen Branchen, die er als wettbewerbsverzerrend und »rechtsverunsichernd« ansah.

Alle Geschäfte sollten ihre Räume unter Wahrung der Zutritts- und Abstandsregeln wieder öffnen dürfen, forderte Ruths damals mit Erfolg. Denn letztlich hätten alle Unternehmen seit Mitte März schwierige Wochen mit ungewisser Zukunft hinter sich. Auch im Modehaus Ruths mit den Geschäften in Friedberg und Bad Nauheim hieß das Kurzarbeit für über 40 Fachkräfte, die erst Ende Mai vollständig aufgehoben werden konnte.

Während der Schließung konnte Ware durch Prospektwerbung zumindest über den hauseigenen Onlineshop verkauft werden. Nach Wiederöffnung kam die Kundschaft laut Ruths aber nur zögerlich in beide Geschäfte zurück, um unter »eher lästiger Maskenpflicht« Bekleidung auszusuchen.

Ein Fünftel weniger Umsatz

Ende Mai registrierte das Modehaus Ruths rund ein Fünftel weniger Umsatz als im Vorjahr, und im Juni wurde es kaum besser - trotz nun komplett verfügbarer Verkaufsflächen. Ruths geht davon aus, dass bis Ende 2020 die Vorjahreswerte im gesamten Einzelhandel trotz Rabattaktionen nicht annähernd erreicht werden, ungeachtet branchentypischer Unterschiede.

Für die Masse der hessischen Einzelhändler sieht Ruths nach der staatlichen Soforthilfe dennoch kaum Bedarf an der Nutzung der neuen Bundes-Unterstützungshilfe, die vor allem von Gastronomie und Eventmarketing in Anspruch genommen werden dürfte, die zum Teil komplette Einnahmeausfälle hatten. Zur Minderung der Umsatzrückgänge in der Corona-Krise hält es der Verbandspräsident seitens des Landes aber für geboten, dem hessischen Einzelhandel vorerst bis Ende 2020 monatlich einen verkaufsoffenen Sonntag zu gewähren. Er ist überzeugt, dass die Beschäftigten mitmachen, um die betriebliche Existenzsicherung durch vermehrte Verkaufschancen zu verbessern. Und an Sonderzahlungen für Extradienste soll es Ruths zufolge nicht mangeln.

Bei öffentlichen Auftritten als Verbandsfunktionär, aber auch als lokaler Geschäftsmann plädiert Ruths bereits vor und nun in der Corona-Krise verstärkt für eine Belebung und Steigerung der Attraktivität der Innenstädte.

Für Friedberg sieht er die Notwendigkeit, die Umgestaltung der Kaiserstraße endlich weiter in Angriff zu nehmen, die bislang nur die Erneuerung des Zentralplatzes in der Stadtmitte hervorgebracht habe. Ruths sprach gegenüber den SPD-Politikern auch Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung für Teilabschnitte der Kaiserstraße an. Wegen der besseren Ausweisung der Parkflächen um die Haupteinkaufsmeile wurde die SPD Friedberg im Übrigen vor zwei Jahren schon initiativ.

Ex-Kaufhaus als Einkaufsmagnet?

Einkaufsmagnet sollte nach Ansicht von Ruths und der SPD das seit Jahren verwaiste Kaufhaus Joh werden. Genauso wie Friedberg als geschichtsträchtige Stadt (mit Burg, Judenbad, Stadtkirche) mehr touristische Belebung samt erforderlicher Information im Zentrum benötige. Insgesamt sahen die Gesprächspartner für Wirtschaftsförderung in der Stadt und speziell auf der Kaiserstraße, auch bezüglich der Neubelebung der Leerstände, viel Luft nach oben.

Für die Entwicklung der Kaserne wird ebenfalls mehr forciertes Handeln als bislang erwartet.

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